Deutsche Bahn stellt Fahrradträger ein – weil die Radler bei der Planung vergessen wurden


Stand: 07.08.2026, 20:00 Uhr

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Deutsche Bahn stellt Fahrradträger für steile Treppe ein – weil die Radler bei der Planung vergessen wurden

Deutsche Bahn stellt Fahrradträger für steile Treppe ein – weil die Radler bei der Planung vergessen wurden © Elke Tegeler/ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus

Eine Treppe, viele Fahrräder – wie die Deutsche Bahn eine absurde Situation an einer beliebten Fahrradstrecke mit Muskelkraft löste.

Rüdesheim – Die Deutsche Bahn hat bei der Planung der zweiwöchigen Sperrung eines Bahnübergangs in Rüdesheim offenbar die Fahrradfahrer vergessen – oder das Problem schlicht nicht richtig im Vorfeld erkannt. Das jedenfalls lässt sich aus Berichten des ADFC vor Ort und des Wiesbadener Kuriers schließen. Die DB InfraGo jedenfalls stellte als Notlösung zwei Helfer ein, die dann Fahrräder eine steile Treppe hinauf- und hinuntertrugen.

Doch was war eigentlich das Problem? Hintergrund war die Sperrung des Bahnübergangs an der B42 in Rüdesheim vom 15. bis 28. Juli 2026. Anlass dafür war die großangelegte Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke, die andernorts noch läuft. Die Sperrung des Bahnübergangs betraf aber nicht nur Autos und Schienenersatzbusse. Auch Radfahrer kamen hier nicht mehr über die Gleise.

Bahnübergang gesperrt: Radfahrer sollen Treppe nutzen – doch die ist viel zu eng und steil

Offenbar war vorgesehen, dass sie eine nahegelegene Treppe nutzen. Über diese sollten sie südlich der Gleise auf den Leinpfad wechseln. Rund 200 Meter weiter hätten sie dann wieder auf die Rheinstraße gelangen können. Eine Beschilderung fehlte jedoch. Für Ortsunkundige war die Ausweichroute damit „praktisch unsichtbar“, kritisierte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Wiesbaden/Rheingau-Taunus. An der Stelle verlaufen auch zwei stark frequentierte Radfernwege.

Die steile Treppe nahe dem Bahnhof erwies sich jedoch für viele Radler als unüberwindbares Hindernis. Insbesondere für Familien mit Anhängern, Radreisende mit Gepäck oder Nutzer schwerer Pedelecs war sie schlicht zu steil und eng. Ein Leser berichtete dem Wiesbadener Kurier, dass „viele Radfahrer, E-Bike-Fahrer, Räder mit Hunde-Trolleys oder sonstige Radreisende“ vor der Treppe strandeten. Viele versuchten daraufhin, die Gleise durch den Fußgängertunnel am alten Bahnhof zu unterqueren. Auch dort versperrt eine lange Treppe den Weg.

Elke Tegeler, Vorständin des ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus, berichtet: „Ich sprach am alten Bahnhof mit einer Radfahrerin, die mit ihrem E-Bike an der Treppe vor dem Tunnel stand und nicht weiterkam. Sie wollte zur Fähre nach Bingen und war so frustriert, dass sie ihre Tour abbrechen wollte.“

Die Lösung: zwei Helfer, ein Treppengeländer

Ab Donnerstag, 23. Juli 2026, war dann die Notlösung in Kraft. Zwei Helfer, engagiert von der DB InfraGO, trugen täglich von 5:30 bis 22:30 Uhr Fahrräder die Stufen hinauf und hinunter. Der ADFC bezeichnete dies als „kurzfristige Nachbesserung“ und begrüßte sie. An der fehlenden Ausschilderung änderte sich dem Bericht zufolge jedoch nichts.

Der ADFC fordert von der Bahn, den Radverkehr bei der Korridorsanierung künftig „systematisch mitzudenken“. Dazu gehören aus Sicht des Verbandes eine frühzeitige Kommunikation zu Sperrungen, gut ausgeschilderte und barrierefreie Umleitungen sowie die Berücksichtigung aller Radfahrenden – besonders Familien, Tourenradler und Pedelec-Nutzer. Außerdem fordert der ADFC eine Abstimmung mit Kommunen und Tourismusverbänden.

Eine Bahn-Sprecherin verwies gegenüber dem Wiesbadener Kurier auf die eingesetzten Helfer. „Wir denken alle Verkehrsträger mit“, sagte sie. Die vom ADFC vorgebrachten Kritikpunkte wolle man aufnehmen. Man steuere bei Bedarf nach und habe dabei die Reisenden im Blick.

Monatelange Sanierung bis Dezember am rechten Rheinkorridor

Der gesperrte Bahnübergang war nur ein kleiner Teil eines großen Bauprojekts. Die Deutsche Bahn saniert die rechtsrheinische Strecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen von Juli bis Dezember 2026 grundlegend. Gleise, Weichen, Oberleitungen, Signaltechnik, Brücken, Tunnel, Bahnübergänge und 36 Bahnhöfe werden erneuert. Zahlreiche weitere Bahnübergänge zwischen Wiesbaden und Lorchhausen sind zeitweise oder dauerhaft geschlossen.