Welle der Kriegsdienstverweigerung beim US-Militär nach Angriff auf Mädchenschule


Stand: 07.08.2026, 20:03 Uhr

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Ein Top-Geheimdienstler tritt zurück, Soldaten verweigern den Dienst, eine Hotline läuft heiß: Der Iran-Krieg hinterlässt tiefe Risse in den US-Streitkräften.

Washington – Der Iran-Krieg hat in den US-Streitkräften eine Welle der Kriegsdienstverweigerung ausgelöst. Seit Kriegsbeginn im Frühjahr 2026 haben zahlreiche Soldaten Anträge gestellt, um den aktiven Dienst vorzeitig zu beenden. Als entscheidender Auslöser gilt der Angriff auf eine Mädchenschule im südiranischen Minab – bereits am ersten Kriegstag. Dabei kamen etwa 150 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Kinder. Für viele Soldaten war das ein Schock.

Ein US-Soldat auf einem Stützpunkt in Deutschland. (Archivfoto)

Ein US-Soldat auf einem Stützpunkt in Deutschland. (Archivfoto) © Daniel Karmann/dpa

Militärarzt stellt Antrag auf Verweigerung

Konsequenzen zog auch ein Arzt beim US-Militär. Taylor Highland – nicht sein richtiger Name – habe ebenfalls nach dem Angriff auf die Mädchenschule in Minab einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Der Angriff habe ihn fassungslos gemacht, sagt Highland zur tagesschau. Er begann, seine Rolle grundsätzlich zu hinterfragen: „Ich half den Menschen bei der Genesung, aber es ging dabei immer nur darum, dass sie sich gerade so weit erholten, um wieder von anderen beschossen zu werden oder wieder auf andere schießen zu können.“ Nun wartet er auf den Bescheid.

Anderen Soldaten mit ähnlichen Zweifeln empfiehlt er, sich beraten zu lassen: Sie seien nicht allein. Er kenne in seinem Umfeld etwa zwölf Soldaten, die ebenfalls einen Antrag gestellt haben oder ernsthaft darüber nachdenken.

Hotline verzeichnet drastischen Anstieg der Anfragen

Das bestätigt auch Bill Galvin. Der Mitte-70-Jährige arbeitet in Washington bei der GI Rights Hotline – einer Beratungsstelle für Militärangehörige. Früher habe man ein oder zwei Anrufe pro Woche erhalten, berichtet er. Seit Kriegsbeginn riefen täglich mehrere Soldaten an.

Allein im März 2026, dem ersten Kriegsmonat, übernahm Galvins Organisation mehr als 80 neue Fälle zur Beratung. Das ist fast doppelt so viel wie sonst im gesamten Jahr. Auch er bemerkt einen konkreten Auslöser: „Vor allem der Angriff auf die Mädchenschule – das spricht fast jeder an und sagt: Ich will nicht Teil einer Organisation sein, die so etwas tut.“

Offizielle Statistiken zur Zahl der Verweigerungsanträge gibt es nicht. Das Verfahren gilt grundsätzlich als selten genutzter Weg. Und es ist langwierig: Meist dauert es viele Monate, bis ein Antrag beschieden wird.

Hegseths Politik spaltet die Truppe – und ein prominenter Rücktritt

Zur schlechten Stimmung bei den Streitkräften trägt nach Einschätzung von Beobachtern auch die Politik von Verteidigungsminister Pete Hegseth bei. Hegseth hat zentrale Maßnahmen für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion abgeschafft und dem sogenannten „Wokeness“-Kurs in der Armee den Kampf angesagt.

Der Iran-Krieg hat auch in der Basis von Trumps MAGA-Lager Risse hinterlassen. Viele Anhänger stehen dem Konflikt skeptisch gegenüber. Auch unter Soldaten ist die Überzeugung, warum dieser Krieg geführt wird, nicht selbstverständlich.

Besonders aufsehenerregend ist der Rücktritt von Joseph Kent. Der Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung der USA legte sein Amt im März 2026 nieder – aus Protest gegen den Iran-Krieg. In einem offenen Brief an Präsident Trump schrieb Kent: „Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar, und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks seitens Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen haben.“ (spr) (Verwendete Quellen: tagesschau.de, fr.de, eigene Recherche)