Deutsche Clocktower-Szene trifft sich im Saarland: Warum 200 Spieler nach Homburg kommen und den Dämon suchen
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Deutsche Clocktower-Szene trifft sich im Saarland Warum 200 Spieler nach Homburg kommen und den Dämon suchen
Ein Spiel lockt am Wochenende 200 Menschen aus mehreren Ländern nach Homburg. Was bei der Clocktower-Convention alles geboten wird und warum das Spiel so viele Fans hat.
10.09.2026 , 18:00 Uhr
Der Verein Clocktower lädt an diesem Wochenende zur großen Convention nach Homburg ein. So wie im Vorjahr (unser Bild) werden wieder viele Teilenehmerinnen und Teilnehmer sowie spannende Spiele erwartet.
Foto: Staiger/Clocktower e.V.
200 Spieler, bis zu 20 parallele Runden und ein Spiel, bei dem niemand weiß, wem er trauen kann: An diesem Wochenende, 12. und 13. September, wird Homburg zum Treffpunkt der „Blood on the Clocktower“-Szene. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, manche reisen sogar aus Österreich, England und der Schweiz an. Die Altersspanne ist groß, reicht von 15 Jahren bis zu über 60 Jahren.
Ein Spiel voll Täuschung und Misstrauen
Doch was steckt eigentlich dahinter: „Blood on the Clocktower“ ist ein sogenanntes Social-Deduction-Spiel, bei dem die Spieler herausfinden müssen, wem sie vertrauen können – und wer möglicherweise ein verborgenes Ziel verfolgt. Das Spiel hat weltweit eine Fangemeinde, erklärt Julia Staiger aus dem Vorstand des Vereins Clocktower weiter. Am ehesten lässt sich das Spiel als deutlich komplexere Variante von „Werwolf“ erklären, das viele aus geselligen Runden kennen. In „Blood on the Clocktower“ wird eine Dorfgemeinschaft von einem Dämon bedroht. Unter den Bewohnern verbergen sich dessen Helfer. Mit Hinweisen, Beobachtungen und Gesprächen müssen die Spieler ermitteln, wem sie trauen können und wer auf der Seite des Dämons steht. Dabei darf grundsätzlich jeder alles behaupten – ob Wahrheit, Täuschung oder geschickte Ablenkung. Keine Partie läuft gleich ab: Jede Figur hat eine eigene Rolle, dazu kommen komplexe Wechselwirkungen.
Genau diese Komplexität ist es, die für die Spieler den besonderen Reiz ausmacht. Viele seien mit „Werwolf“ aufgewachsen, irgendwann sei es ihnen nicht mehr anspruchsvoll genug gewesen, erklärt Staiger. Bei „Blood on the Clocktower“ besitze jede Figur eine besondere Fähigkeit.
Convention ist komplett ausgebucht
Wie groß die Nachfrage ist, zeigt sich an den Zahlen für die Convention: Das Kardinal-Wendel-Haus, in dem die Zusammenkunft stattfinden wird, ist ausgebucht. „Wir haben 200 Tickets verkauft“, sagt Staiger. Die Übernachtungsplätze im Haus waren bereits 24 Stunden nach dem öffentlichen Verkaufsstart vergeben. Wer noch mitspielen möchte, kann nur noch auf ein Ticket aus der vereinseigenen Ticketbörse hoffen, zu finden ist sie über die Website des Vereins.
Es ist bereits die zweite Convention dieser Art, auch die erste Auflage im vergangenen Jahr fand in Homburg statt und lockte 170 Besucherinnen und Besuchern an. Damals war die Veranstaltung noch privat organisiert und wurde vor allem über Mundpropaganda beworben. Inzwischen hat man sich als Verein aufgestellt und nutzt die sozialen Medien.
Das Spiel „Blood on the Clocktower" hat eine echte Fangemeinde, einfach erklärt kann man es sich als eine kompliziertere Version von “Werwolf” vorstellen.
Foto: Staiger/Clocktower e. V.
Aber was erwartet die Spieler denn nun genau am Wochenende? Gespielt wird in großem Stil: Bis zu 20 Runden „Blood on the Clocktower“ laufen gleichzeitig, erklärt Staiger. Gedacht ist ein Spiel für acht bis 20 Leute, meistens spielen zwölf bis fünfzehn Personen gemeinsam. Eine durchschnittliche Runde dauert bis zu zweieinhalb Stunden.
Urgestein der Szene ist ebenfalls mit dabei
Neben den eigentlichen Spielrunden bietet die Convention auch ein Rahmenprogramm an. Es wird Vorträge und Veranstaltungen für neue Spielleiter geben. Außerdem wird prominenter Besuch aus der Community erwartet. Neben dem gemeinsamen Erlebnis, der Gemeinschaft, die entsteht, gehört auch der gute Zweck zu der Zusammenkunft, erläutert Staiger. Der ehemalige Communitymanager und Urgestein der Szene, Ben Burns, werde zu Gast sein. Wer mit ihm eine Runde spielen möchte, kann Tickets kaufen. Der Erlös daraus kommt dem Verein Sterneneltern zugute. Im vergangenen Jahr kamen ebenfalls 1.111 Euro zusammen. Das Geld ging an den Kinderhospiz- und Palliativdienst Saar.
Zum Auftakt ins Wochenende ist eine „Warming-Up the Demon Party” im Homburger Spielecafé Brett & Bohne geplant: am Freitagabend, 11. September. Am Samstag, 12. September, beginnt die zweite deutsche Clocktower Convention um 10 Uhr mit einer Auftaktveranstaltung. Gespielt wird dann bis Sonntagnachmittag. Aus Erfahrung könne sie sagen: auch durchgehend, bekräftigt Staiger.
Planungen sind zeitintensiv
Hinter dem Wochenende steckt allerdings weit mehr Arbeit, als die beiden Veranstaltungstage vermuten lassen. Für den Verein bedeutet die Convention nicht nur in der heißen Phase am Ende viel Aufwand, sondern über das ganze Jahr verteilt mehrere Stunden Arbeit pro Woche, sagt Staiger. Dabei ist die Convention nur eine Aktivität des Vereins. Er bietet regelmäßig Spielabende an, abwechselnd in Homburg im „Brett und Bohne“ und in Saarbrücken in der Stadtbibliothek. Auch diese Treffen haben ihr Publikum: In Saarbrücken kommen teilweise um die 40 bis 50 Teilnehmer, in Homburg etwa zehn. Zur Whatsapp-Gruppe, in der diese Treffen unter anderem angekündigt werden, gehören etwa 350 bis 400 Leute, verteilt übers ganze Saarland.
Auch bei anderen Veranstaltungen ist der Verein vertreten, wie zum Beispiel der Gedankenwelten Spielecon in Homburg, oder bei „Eppelborn spielt“.
Einen Weltrekord – der laut Staiger noch anerkannt werden muss – kann der Verein ebenfalls vorweisen: Am 1. und 2. August spielten 26 Menschen in Riegelsberg in parallelen Runden insgesamt 24 Stunden, zwei Minuten und elf Sekunden „Blood on the Clocktower“.
(nlk)