Die FDP will kein Dinosaurier sein
Stand: 07.09.2026, 06:00 Uhr
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Die Frankfurter FDP lädt zum Empfang ins Senckenberg-Museum – direkt unter einem brisanten Schriftzug. Fraktionschef Papke kündigt dort scharfe Opposition an.
Frankfurt – Die FDP-Stadtverordnete Isabel Schnitzler wusste um die nicht ungefährliche Symbolik. Beim Sommer-Empfang der FDP-Fraktion im Senckenberg-Museum begrüßte sie die Gäste direkt unter dem Schriftzug „Die letzten Tage der Dinosaurier“. Das konnte mancher auf ihre Partei beziehen, die aktuell ums Überleben kämpft. Aber die Fraktionsvize wollte den Tagungsort lieber als Symbol „für unser Bekenntnis zu Forschung und Wissenschaft“ nehmen, wie sie betonte.

In seinem Grußwort hob dann auch der Hausherr im Museum, Generaldirektor Klement Tockner, hervor, welche wichtige Funktion die Senckenberg-Institute in diesem Spektrum haben. Das reiche von den millionenfach archivierten Informationen zu Fossilien über die Klimaforschung bis dahin, „dass wir die Verwandtschaftsverhältnisse von allen Wolfspopulationen in Deutschland kennen“, so Tockner. Wenn irgendwo ein Riss passiere, könne man feststellen, ob der „Täter“ ein Problemwolf sei.
Nach diesem interessanten Ausflug in die Tierwelt ging es wieder um das „zoon politikon“, den Menschen als politisches Wesen: FDP-Fraktionschef Sebastian Papke machte eine Tour d’Horizon durch die Frankfurter Stadtpolitik. Er sei mit den drei anderen Stadtverordneten der Liberalen nun in der Opposition, aber die Fraktion wolle sich dennoch kritisch-konstruktiv in die Römer-Politik einbringen. „Vernünftigen Plänen stimmen wir zu. Wenn wir jedoch etwas für falsch halten, werden wir das klar benennen“, so Papke. Als falsch bezeichnete er zum Beispiel, dass das Suchthilfezentrum im Bahnhofsviertel kommen soll, wie ursprünglich geplant. Und das, obwohl die CDU-geführte Römer-Koalition Korrekturen angekündigt hatte.
Falsch sei es auch, wenn bauliche Detailvorschriften die Außengastronomie in der Kaiserstraße gefährdeten. Schließlich sorge gerade diese für mehr Lebensqualität und Sicherheitsgefühl in dem Problemviertel.
Als Festredner war Alexander Wagner, Geschäftsführer von Infraserv, eingeladen. Sein Vortrag dürfte ganz nach dem Geschmack des Publikums gewesen sein, das neben Gästen wie SPD-Fraktionschef Kolja Müller naturgemäß vor allem aus Mitgliedern und Sympathisanten der Liberalen bestand.
Wagner malte zunächst ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft. Der Standort sei in einer schweren Krise. Entsprechend betrage die Auslastung im Industriepark Höchst derzeit nur 70 Prozent, was für viele der dort ansässigen Unternehmen bedeute, dass sie Verluste schrieben. Eine lohnende Auslastung liege bei mindestens 85 Prozent. Grund für die Misere seien vor allem die hohen Energiekosten, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gefährdeten und viele Unternehmen ins Ausland trieben. „Wir haben im vergangenen Jahr 177.000 Industriearbeitsplätze in Deutschland verloren“, sagte Wagner, der später in seiner Rede auch die in seinen Augen ungerechte Steuerpolitik kritisierte, die die Fleißigen durch hohe Abgaben bestrafe. „Leistung muss sich wieder lohnen“, sagte Wagner und zitierte im Anschluss FDP-Legende Guido Westerwelle. Der hatte einst gefordert, dass Deutschland leistungsstarke Eliten brauche.
Zum Schluss forderte Wagner die Politik dazu auf, wieder mehr Mut zu einer „Zukunftserzählung“ zu entwickeln. „Ich bin überzeugt davon, dass die Menschen mitgehen, wenn man ihnen ein stabiles Konzept präsentiert.“ Aber diese Entschlossenheit, so Wagner, vermisse er derzeit in der Politik.
Dafür gab es viel Applaus, aber manche werden dabei daran gedacht haben, dass der gastgebenden FDP derzeit in Bund, Land und Stadt jedwede Handlungsmacht fehlt, um den Appell umzusetzen.
Die gerade abgewählte frühere FDP-Wirtschaftsdezernentin Stephan Wüste hofft immerhin darauf, dass sie künftig als ehrenamtliche Stadträtin noch einen gewissen operativen Einfluss nehmen kann. Und Eva Bieber, FDP-Vertreterin im Ortsbeirat 12 (Kalbach/Riedberg), zeigte sich beim informellen Talk nach dem offiziellen Teil überzeugt davon, dass ihre Partei wieder erstarken kann, indem sie zumindest einen Teil der AfD-Wähler für das demokratische Spektrum zurückgewinnt.