Die Nilgans erobert Europa


Fotoblog: Tierisches

Die Nilgans erobert Europa

Die aus Afrika stammenden Gänse wurden lange als exotische Ziervögel gehalten. Bis sie ausbüxten

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Michael Simoner

Das Bild zeigt den Kopf einer Gans mit rotem Schnabel. Sie hat große braune Augenflecken, die Augen selbst sind orangefarben. Der Rest des sichtbaren Gefieders ist in Erdfarben gehalten. Es handelt sich um eine Nilgans.
Die Nilgans hat auffällig große Augenflecken. Usprünglich war sie in Afrika zu Hause, inzwischen hat sie halb Europa erobert. Diese Nilgans wohnt im Londoner Hyde Park. (Belichtungszeit 1/1000 Sek., Blende f2.8, Lichtempfindlichkeit ISO 200, Brennweite 150 mm am Micro-Four-Thirds-Sensor entspricht einem Bildausschnitt bei 300 mm im Kleinbildformat)

Souvenirs sind merkwürdige Gegenstände. Ob man sich darüber freut oder nicht, letztendlich verstauben sie fast alle in einem Regal oder verschwinden in einer Kiste auf dem Dachboden. Ich hab Ihnen trotzdem ein paar Fotomitbringsel aus London, wo wir vor kurzem privat waren, mitgebracht. Dafür sind wir extra mit der Tube (Underground sagt in London kein Mensch, obwohl die U-Bahn offiziell so heißt) zum Hyde Park gefahren. Dort haben wir unter anderem einen Vogel näher kennengelernt, der auch in unseren Breiten zunehmend für Aufregung sorgt.

Die Rede ist von der Nilgans (Alopochen aegyptiaca). Schon am Ufer der Themse auf Höhe der Millennium Bridge waren uns diese in Weiß und Erdfarben gehaltenen Wasservögel mit den großen, braunen Augenflecken und den dottergelben Augen vereinzelt aufgefallen. Im Hyde Park waren ganz Trupps unterwegs. Zwei Nilgänse kreuzten unseren Weg – und sie waren es nicht, die auswichen. Sehr selbstbewusst.

Augen wie Kleopatra

Mit ihrer unerschrockenen Art haben die ursprünglich aus Afrika stammenden Entenvögel inzwischen halb Europa erobert. Auch in Österreich sind vor rund zehn Jahren angekommen und regional angeblich gar nicht so selten. Ich kann mich nur an eine bisherige Begegnung erinnern, hab aber leider vergessen, wo genau. Ich weiß nur, dass ich mir, nachdem ich die Nilgans im Vogelführer nachgeschlagen hatte, die Eselsbrücke "Nil, Ägypten, Kleopatra" gebaut habe, weil mich die auffälligen Augenflecken an die stark geschminkten Augen der legendären ägyptischen Ptolemäer-Königin erinnern (zumindest in der ebenso legendären "Cleopatra"-Verfilmung mit Elizabeth Taylor).

Vor mehr als 100 Jahren wurden Nilgänse als Ziervögel hauptsächlich in Großbritannien gehalten, später auch in den Niederlanden. Doch irgendwann sind sie ausgebüxt. Die heute wild lebenden Vögel in Europa sind die Nachkommen von Ausreißern. Und die Klimaerwärmung begünstigt ihre rasante Ausbreitung. Nilgänse gehören zu den Neozoen. Laut Definition sind das alle gebietsfremde Tierarten, die nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch menschliche Einflüsse in eine neue Region gelangt sind und sich dort gehalten haben.

Streit um invasives Verhalten

Die EU hat Nilgänse zudem auf die Liste der invasiven Neozoen gesetzt, weil sie in dringendem Verdacht stehen, durch aggressives und territoriales Verhalten heimische Wasservögel zu verdrängen. Nilgänse dürfen in weiten Teilen Österreichs (je nach Landesjagdgesetz) ganzjährig ohne Schonzeit gejagt werden. Sie dürfen nicht gezüchtet werden, genau genommen ist sogar füttern verboten. Naturschutzorganisationen bezweifeln allerdings, dass die zuagroaste Nilgans anderen Tierarten gefährlich werden könnte. Der deutsche Naturschutzbund (Nabu) etwa zitiert eine Studie, wonach es gar keinen Nachweis für negative Effekte gebe. Es sei daher nicht gerechtfertigt, Nilgänse zur Bestandskontrolle zu erlegen. Sie zu jagen, um sie zu verspeisen, ist aus Sicht des Nabu okay. Allerdings drängen die Naturschützer auf eingeschränkte Jagdzeiten, weil es zu oft vorkomme, dass Nilgänse und geschützte Durchzügler verwechselt und Letztere irrtümlich abgeschossen werden.

In Großbritannien stehen Nilgänse (auf Englisch "Egyptian Goose") überraschenderweise nicht auf der Liste des jagbaren Federviehs, es gibt aber regionale Ausnahmegenehmigungen, wenn durch die Population "schwere landwirtschaftliche Schäden" zu befürchten sind. Im kultivierten Hyde Park ist das wohl nicht der Fall. Hier leben Nilgänse friedlich neben Graugänsen, Teichrallen und Blässhühnern.

Berittene Polizei

Der Hyde Park ist zusammen mit den Kensington Gardens rund 2,5 Quadratkilometer groß. Damit ist er kleiner als der Central Park in New York (3,4 km²) oder der Englische Garten in München (3,7 km²), aber wesentlich größer als der Donaupark (0,6 km²) in Wien. Der Wiener Prater mit einer Fläche von sechs Quadratkilometern läuft hier außer Konkurrenz, weil er zwar wild und schön, aber kein Park nach den Regeln der Gartenkunst ist. Zumindest nicht flächendeckend.

Dass man in London und nicht in Wien ist, merkt man an der berittenen Polizei, die im Hyde Park auf Streife trabt. Beim Wildlife gibt es hingegen viele Ähnlichkeiten: Graureiher und Kormorane kann man da wie dort beobachten. Auch die Krähe, die beim Speaker's Corner von einem Baum krächzte, klang eigentlich so wie im Wiener Stadtpark. Die Briten kochen eben auch nur mit Wasser. Und machen damit hervorragenden Tee. (Michael Simoner, 7.10.2026)

Das Bild zeigt zwei Gänse, die hintereinander watscheln. Ihr Gefieder ist braun, ockerfarben und weiß. Es handelt sich um Nilgänse.
Die Nilgänse im Hyde Park sind selbstbewusst. Als sich unsere Wege kreuzten, waren es nicht sie, die auswichen. (1/800 Sek., f6.3, ISO 200, 60 mm, MFT)
Das Bild zeigt die Rückansicht einer Gans, die am Ufer einer Wasserfläche steht. Sie hat den Kopf nach links gewendet. Das sichtbare Gefieder ist braun, ockerfarben, rostrot und weiß. Es handelt sich um eine Nilgans.
Bei entsprechendem Lichteinfall leuchtet das Gefieder der Nilgans in allen Erdfarben. Sehr schick. (1/400 Sek., f6.3, ISO 200, 100 mm, MFT)
Das Bild zeigt einen weißen Vogel mit langem spitzen Schnabel, der auf einer Tafel sitzt, auf der steht
Auch im Hyde Park ist es verboten, die Vögel zu füttern. Die Lachmöwe findet das wahrscheinlich lächerlich. (1/800 Sek., f6.3, ISO 200, 40 mm, MFT)
Das Bild zeigte einen weißen Vogel, der knapp über dem Boden fliegt. Im Hintergrund sind die Beine von mehreren Menschen zu sehen. Es handelt sich um eine Möwe, die auf der Suche nach Futter wenig Scheu vor Menschen zeigt.
Die Lachmöwen in Londons royalen Parks zeigen wenig Scheu und sind sehr geschickt darin, Fish & Chips zu stibitzen. (1/800 Sek., f6.3, ISO 200, 135 mm, MFT)
Das Bild zeigt einen schwarzen Vogel, der im Wasser schwimmt. Nur die Stirn und der Schnabel sind weiß. Es handelt sich um ein Blässhuhn.
Das Blässhuhn ist gar kein Hendl sondern ein Familienmitglied der Rallen. Gibt es nicht nur in London sondern auch in Wien. (1/640 Sek., f2.8, ISO 200, 125 mm, MFT)
Das Bild zeigt einen dunkel gefärbten Vogel, der durch das seichte Ufer einer Wasserfläche watet. Der Schnabel ist leuchtend rot und hat eine gelbe Spitze. Die gelben Füße scheinen übergroß. Es handelt sich um ein Moorhuhn.
Auch die Teichralle ist jen- und diesseits des Ärmelkanals in Parks zu finden. (1/800 Sek., f5, ISO 200, 125 mm, MFT)
Das Bild zeigt eine Gans, die im Gras auf einem Bein steht. Auf dem Bein ist ein breiter Ring mit Zahlen sichtbar, die Graugans wurde also von Ornithologen beringt.
Wie bei uns im Seewinkel stehen Graugänse auch im Hyde Park oft abwechselnd auf einem Bein, um ihre Muskulatur zu entspannen. Diese ist offiziell registriert, wie der Ring auf dem Standbein zeigt. (1/640 Sek., f4.3, ISO 200, 125 mm, MFT)
Das Bild zeigt eine weiße Tafel, auf der
Und zwischendurch immer wieder die Bitte, das Lunchpaket nicht mit wilden Parktieren zu teilen. Nicht alle halten sich dran. (1/800 Sek., f9, ISO 200, 55 mm, MFT)
Das Bild zeigt einen großen, grauen Vogel mit langem Schnabel und langen Beinen, der im Wasser steht. Es handelt sich um einen Graureiher.
Dieses wildromantische Eck im Hyde Park mit einem Graureiher hat uns ans Heustadlwasser im Wiener Prater erinnert. (1/800 Sek., f2.8, ISO 200, 150 mm, MFT)
Das Bild zeigt einen schwarzen Vogel mit grünen Augen, der auf einem Betonpfeiler nahe am Wasser sitzt. Es handelt sich um einen Kormoran.
Und dieser Londoner Kormoran hat sicher Verwandte an der Alten Donau. (1/800 Sek., f7.1, ISO 200, 150 mm, MFT)
Das Bild zeigt drei Polizisten von hinten, die auf Pferden sitzen. Sie tragen gelbe Warnwesten mit der Aufschrift
Das gibt es in Wien nicht, auch wenn ein einstiger Innenminister vom hohen Ross geträumt hat: berittene Polizei. Im Hyde Park ist der Mounted Branch der Metropolitan Police ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen. (1/800 Sek., f4, ISO 200, 80 mm, MFT)

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