Die Stadt Wiesbaden koordiniert künftig ihre 5000 Baustellen pro Jahr


Stand: 30.09.2026, 19:33 Uhr

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Fahrbahnen auf der Schwalbacher Straße in Wiesbaden sind mit Warnbarken abgetrennt. Ein Auto fährt entlang der verengten Spuren. In der Schwalbacher Straße wird eine Fernwärme-Hauptleitung gebaut.

Unter anderem führt der Ausbau der Fernwärme zu größeren Baustellen in Wiesbaden. © Michael Schick

Die Stadtverordnetenversammlung hat ein zentrales Baustellenmanagement beschlossen. Es soll auch prüfen, wie sich Bauzeiten verkürzen lassen.

Wiesbaden bekommt ein zentrales Baustellenmanagement. Die Stadtverordnetenversammlung hat am Mittwoch einen entsprechenden Antrag von CDU, Grünen, FDP und Volt beschlossen. Änderungen der SPD wurden übernommen. Mit Ausnahme der Linken stimmten alle Fraktionen zu.

In Wiesbaden gibt es nach Angaben der Stadt jährlich rund 5000 Baumaßnahmen im öffentlichen Straßenraum. Das neue Management soll solche Vorhaben frühzeitig erfassen und stärker aufeinander abstimmen. Dabei sollen nicht nur einzelne Baustellen, sondern auch deren Auswirkungen auf das Verkehrsnetz und mögliche Ausweichstrecken berücksichtigt werden. Ziel ist es, vermeidbare Behinderungen zu reduzieren.

Berücksichtigt werden sollen alle Verkehrsarten. Auch Barrierefreiheit, Schulwege und Rettungswege sollen bei der Planung beachtet werden, ebenso wie kurzfristige Ereignisse beispielsweise Wasserrohrbrüche oder Leitungsschäden.

„Bauen ja, Stillstand nein“, sagte Verkehrsdezernent Marc Dahlen (CDU) in der Stadtverordnetenversammlung. Die Zahl von 5000 Baustellen sei eine Konstante. Es werde künftig nicht weniger gebaut, aber koordinierter.

Das Baustellenmanagement soll zudem prüfen, wie sich Bauzeiten verkürzen lassen. Der Antrag nennt unter anderem Bonus- und Malus-Regelungen sowie Schichtmodelle. Auch gegen Baustellenstillstand soll vorgegangen werden. Die rechtliche, wirtschaftliche und praktische Umsetzbarkeit solcher Instrumente soll geprüft werden.

Die SPD sieht dabei offene Fragen. Stadtverordneter Marius Becker verwies darauf, dass das Management „stellenneutral“ eingerichtet werden soll. Das bedeute nicht automatisch, dass keine zusätzliche Arbeitszeit benötigt werde. Wer Baustellen koordiniere, Konflikte erkenne, Umleitungen mitdenke und Stillstände verfolge, müsse diese Aufgaben zusätzlich übernehmen. Ob die vorhandenen Kapazitäten ausreichten, müsse sich zeigen.

Auch bei Bonus- und Malus-Regelungen verlangte Becker eine spätere Überprüfung. Verzögerungen könnten etwa durch Witterung oder Probleme im Baugrund entstehen und seien nicht immer von Baufirmen zu verantworten. Entscheidend sei deshalb, welche Instrumente sich tatsächlich bewährten.

Er brachte zudem die bessere Weitergabe von Baustelleninformationen an Navigationsdienste ins Spiel. Gesperrte Straßen oder Abbiegebeschränkungen würden dort bislang nicht immer rechtzeitig berücksichtigt. Baustelleninformationen sollten deshalb zuverlässig digital verfügbar sein.

Für die Grünen betonte Martin Kraft, Baustellen seien kein Problem allein für Autofahrer. Einschränkungen beträfen alle Menschen in der Stadt. Das neue Management soll den Mobilitätsausschuss regelmäßig über größere Bauvorhaben, deren Koordinierung und Auswirkungen auf die verschiedenen Verkehrsträger informieren.