AirPods Pro als Hörgerät, Apple Watch zum Blutdruckmessen: Diese Health-Features kennen viele nicht


Diese praktischen Gesundheits-Funktionen von iPhone, AirPods und Apple Watch kennen viele nicht

Stand: 23.07.2026, 18:02 Uhr

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Demo Hörtest in der Apple Health App

AirPods in die Ohren, Apple Health App öffnen, Hörtest starten – so einfach geht‘s. Anschließend bekommt man direkt sein Ergebnis. © IPPEN.MEDIA/Apple Health/Alexandra Grauvogl

Die Apple Watch warnt vor Bluthochdruck, AirPods testen das Gehör: Diese und weitere Health-Features kennen viele Nutzer noch nicht. Neue Funktionen und ihre Grenzen.

Smartwatches und kabellose Kopfhörer gehören für viele längst zum Alltag. Doch während die meisten Menschen sie zum Musikhören oder Nachrichtenschreiben nutzen, entwickeln sich die Geräte im Hintergrund zu Werkzeugen für die Gesundheitsvorsorge. Moderne Technik kann weit mehr, als nur Schritte zu zählen. Das Thema Gesundheitsmonitoring und Prävention steht auch bei Big-Playern wie Apple hoch im Kurs. Bei einer Veranstaltung von Apple Health habe ich einige interessante Funktionen von iPhone, Apple Watch und AirPods kennengelernt, die ich selbst so noch nicht nutzte, und mit Medizinern über Potenzial und Grenzen der smarten Devices gesprochen.

Ich stelle drei Bereiche vor, bei denen Apple-Wearables aus meiner Sicht einen echten Nutzwert für die Gesundheit bieten.

Hörgesundheit: Mit AirPods testen, schützen und unterstützen

Hörverlust ist ein schleichender Prozess, der oft erst bemerkt wird, wenn er bereits fortgeschritten ist. Beim Älterwerden trifft es fast jeden, doch auch junge Menschen können unter Schwerhörigkeit leiden.

Wer kennt es? Schon vor Betreten des Wohnzimmers von Eltern oder Großeltern schallt einem der Fernseher in voller Lautstärke entgegen. Der gut gemeinte Vorschlag, endlich mal einen Arzt oder Hörgerätekustiker aufzusuchen, wird fast schon beleidigt abgewiegelt. Zu groß ist offenbar die Scheu, ein Hörgerät tragen zu müssen. Dabei würde es nicht nur vieles erleichtern, sondern die mentale Gesundheit schützen.

Das Problem: Studien zeigen längst, dass der Hörverlust bzw. Schwerhörigkeit dramatische Folgen für die Gesundheit haben und bspw. das Risiko für soziale Isolation und Demenz steigern können. Neue Funktionen von Apples In-Ear-Kopfhörern machen sie zu praktischen Helfern für die Hörgesundheit.

Das kann die Technik

Die Hörtest-Funktion: Nutzerinnen und Nutzer können direkt über die AirPods Pro (ab Generation 2) und ihr Smartphone einen wissenschaftlich validierten Hörtest in den eigenen vier Wänden durchführen. Abwechselnd sind für linkes und rechtes Ohr Töne zu hören. Sobald man diese wahrnimmt, tippt man auf das Handy-Display. Die App misst die Hörfähigkeit bei verschiedenen Frequenzen in Dezibel (dB HL) und zeigt das Ergebnis an.

Hörtest auf dem iPhone, daneben AirPods

Der Hörtest mit AirPods und iPhone ist einfach und schnell durchführbar und ist Basis für mögliche Einstellungsempfehlungen. © Apple Health

Die Hörgeräte-Funktion: Liegt ein leichter bis mittelschwerer Hörverlust vor, können die AirPods die Testergebnisse nutzen, um den Klang der Umgebung und von Gesprächen automatisch an die individuellen Bedürfnisse des Nutzers anzupassen.

Prävention im Alltag: Ein aktiver Gehörschutz dämmt zudem im Hintergrund extreme Lärmpegel – etwa im Fitnessstudio, bei Konzerten oder im Straßenverkehr –, ohne dass die Musik oder Gespräche dumpf klingen.

Wichtig: Das Verfahren basiert auf der klinischen Reintonaudiometrie – dem Goldstandard in der Audiologie. Apple hat die Funktion im Herbst 2024 mit iOS 18 eingeführt; in den USA hat die FDA den Test zugelassen. Aber: Der Test ist für Nutzerinnen und Nutzer ab 18 Jahren konzipiert und kein Ersatz für eine vollständige audiologische Untersuchung beim HNO-Arzt.

Der Nutzwert liegt auf der Hand: Die Hemmschwelle, das eigene Gehör überprüfen zu lassen, sinkt drastisch. Gleichzeitig kann die Technik das Gehör aktiv im Alltag schützen, bevor dauerhafte Schäden entstehen.

Frauengesundheit: Der Zyklus als wichtiges Vitalzeichen

In der Medizin gilt der weibliche Zyklus längst als wichtiges Vitalzeichen, ähnlich wie der Blutdruck oder die Herzfrequenz. Dennoch wird das Thema im Alltag oft vernachlässigt.

„Wann war der erste Tag Ihrer letzten Periode?“ – Diese Frage hat mich beim Arztbesuch schon häufiger ins Grübeln gebracht. Wenn ich es nicht dokumentiere, weiß ich es einfach nicht genau. Und schon gar nicht, welche möglichen Beschwerden an welchen Tagen im Zyklus auftraten. Schon allein dafür lohnt es sich, ein Zyklusprotokoll zu führen.

Digitale Funktionen wie das Zyklusprotokoll auf dem iPhone gehen in Kombination mit der Apple Watch über einfache Kalender-Apps hinaus.

Das kann die Technik

Die Sensoren der Apple Watch (ab Series 8 / Ultra) erfassen während des Schlafs die Temperatur am Handgelenk. Zwei Temperatursensoren – einer auf der Hautrückseite, einer unterhalb des Displays – ermöglichen dabei eine Auflösung von 0,1 Grad Celsius. Daraus lassen sich retrospektive Schätzungen über den wahrscheinlichen Tag des Eisprungs ableiten. Laut der Apple Women‘s Health Study, veröffentlicht im American Journal of Obstetrics and Gynecology, konnte die Apple Watch den Eisprungzeitpunkt bei 262 Teilnehmerinnen über fast 900 Zyklen mit einer mittleren Abweichung von 1,2 bis 1,6 Tagen bestimmen. Zudem warnt das System auf Wunsch bei klinisch auffälligen Abweichungen im Zyklus.

Display mit Zyklusdaten auf der Apple Watch, Smartphone mit Gesundheitsdaten auf dem Display.

Über Temperaturdaten des Handgelenks wird der wahrscheinliche Tag des Eisprungs geschätzt, nachdem er stattgefunden hat. Zyklusdaten können unkomplziert via PDF-Download mit dem Arzt oder der Ärztin geteilt werden. © IPPEN.MEDIA/Apple Health/Alexandra Grauvogl

Wichtige Einschränkung: Die Methode hat ihre Grenzen. Die am Handgelenk gemessene periphere Hauttemperatur ist weniger zuverlässig als die klassische Basaltemperatur. Die Apple Watch ist daher ausdrücklich nicht als Verhütungsmittel geeignet und auch nicht als alleiniges Instrument zur Familienplanung zu empfehlen.

Wichtige Neuerung für den Alltag: Mit den kommenden System-Updates wird die App gezielte Unterstützung in der Perimenopause und Menopause bieten. Nutzerinnen ab 40 Jahren können Benachrichtigungen erhalten, wenn unregelmäßige Zyklen auf den Beginn der Wechseljahre hindeuten – eine Phase, deren Symptome oft jahrelang fehlinterpretiert werden.

Der Nutzwert beim Arztbesuch: Dr. Jacqueline Lammert, Oberärztin an der Frauenklinik der Technischen Universität München (TUM), betont im Gespräch:  „Für das Gespräch in der Sprechstunde macht es einen großen Unterschied, ob eine Patientin ihre letzten Zyklen aus dem Gedächtnis rekonstruieren muss oder ob wir Aufzeichnungen über viele Monate vor uns haben. Das macht die Einschätzung präziser und die Behandlung individueller.“

Ein weiterer Vorteil: „Wir sehen unsere Patientinnen in der Ambulanz oft nur punktuell, im Abstand von Wochen. Alltagsdaten können die Zeit dazwischen sichtbar machen und uns Hinweise geben, die wir sonst nicht hätten. Ersetzen können sie die klinische Untersuchung und die validierte Messung – beim Blutdruck etwa die geprüfte Oberarmmanschette – ausdrücklich nicht“, so Lammert.

Blutdruck-Monitoring: Unsichtbare Vorsorge im Hintergrund

iPhone und Apple Watch liefern in Kombination einige interessante Werte, Schätzungen und Trends zur Herzgesundheit – etwa zu Ruheherzfrequenz oder Cardiofitness (über VO2max-Schätzung) – und EKG-Aufzeichnungen. Besonders bedeutend könnte jedoch der Beitrag zur Prävention eines Volksleidens sein.

Bluthochdruck (Hypertonie) gilt als der weltweit bedeutendste behandelbare Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Das Tückische: Viele der rund 1,3 Milliarden betroffenen Erwachsenen weltweit wissen nichts von ihrer Erkrankung.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich Bluthochdruck habe, bevor er durch einen Zufall mit Mitte 30 festgestellt wurde. Auf einer Veranstaltung des schwedischen Tourismusverbands sollte spielerisch mit VR-Brille und Blutdruckmanschette der entspannende Einfluss von schwedischen Wäldern auf den Körper demonstriert werden. Erstaunt stellten wir fest, dass mein Blutdruck nicht nur ein wenig zu hoch war, und auch keine große Reaktion auf die kurzfristige Wald-Exposition zeigte. Dem Ganzen wollte ich keinen großen Glauben schenken, bin aber in den Folgetagen zum Arzt, um das überprüfen zu lassen. Die Diagnose: Bluthochdruck!

Das übergeordnete Ziel smarter Wearables ist es, Vorsorge im Alltag sichtbar und messbar zu machen. Gerade beim Blutdruck stehen wir vor einem Dilemma: Wer gesundheitsbewusst lebt, spürt oft keinen direkten Effekt, weil die erfolgreiche Vorbeugung unsichtbar bleibt. Doch genau diese kontinuierliche Beobachtung ist entscheidend. Wie Prof. Dr. med. Benjamin Meder, Kardiologe am Universitätsklinikum Heidelberg, erklärt, „werden nur etwa 10 bis 15 Prozent unserer Gesundheit direkt durch die medizinische Versorgung ermöglicht, aber unsere Gesundheit wird eben auch beeinflusst von Umwelt, Genen und Verhalten. Die eigentliche Vorsorge muss also auch im Alltag der Menschen stattfinden, lange bevor es zu einem Notfall kommt.“

Das kann die Technik

Die Apple Watch nutzt den optischen Herzfrequenzsensor (PPG-Daten via Infrarot-Reflexion), um im Hintergrund passiv über Zeiträume von 30 Tagen zu analysieren, wie die Blutgefäße auf den Herzschlag reagieren.

Apple Watch Hypertension Notifications Health App

Die Bluthochdruck-Warnung erfolgt in der Health-App auf dem Smartphone und der Uhr. © Apple Health

Mustererkennung statt Einzelmessung: Da eine absolute, punktuelle Blutdruckmessung am Handgelenk ohne Manschette medizinisch ungenau ist, setzt das System auf KI-gestützte Mustererkennung. Es erkennt, wenn der Gefäßwiderstand chronisch zu hoch ist, und warnt den Nutzer bei Anzeichen von dauerhaftem Bluthochdruck.

Wichtige Einschränkung: Ärztinnen und Ärzte warnen ausdrücklich vor übertriebenen Erwartungen. Eine Validierungsstudie, die Apple der FDA vorgelegt hat, zeigte: Nur 41,2 Prozent der Personen mit tatsächlich undiagnostiziertem Bluthochdruck erhielten überhaupt eine Warnung der Apple Watch. Das bedeutet: Wer keine Benachrichtigung bekommt, kann trotzdem Bluthochdruck haben. Experten warnen daher, die Funktion könnte bei Ausbleiben einer Warnung zu falscher Beruhigung führen („false reassurance“). Dennoch sind sie der Meinung, dass die Funktion netto einen Vorteil bringt, da Hypertonie oft jahrelang unentdeckt bleibt.

Der Nutzwert: Eine smarte Uhr liefert keine isolierten Momentaufnahmen, sondern ein langfristiges Screening. Das gibt Nutzern, die sich eigentlich gesund fühlen, rechtzeitig das Signal, einen Arzt für eine klassische Manschetten-Messung aufzusuchen. Und das ist für Kardiologen wie Prof. Dr. Meder das Entscheidende für die Prävention.

Was mein zufälliger Aha-Moment auf der Schweden-Tourismus-Veranstaltung war, könnte für Apple-User also die Blutdruckmuster-Erkennung sein. Keine Diagnose, aber das Erkennen möglicher Auffälligkeiten, die abgeklärt werden sollten. Wer um seinen Bluthochdruck weiß, kann ihn durch gezielte Lebensstilveränderungen oder – wenn ersteres nicht hilft – medikamentöse Behandlung senken.

Wichtig: Smarte Begleiter ersetzen keinen Arzt

Bei aller Begeisterung für die Technik betonen auch die Entwickler aus dem Apple-Health-Kosmos eine klare Grenze: „Smarte Geräte sind keine Diagnosewerkzeuge“, stellt Dr. Asha Chesnutt aus dem Apple Clinical Team im Gespräch klar. Sie dienen nicht dazu, den Arzt zu ersetzen, sondern sollen den Dialog zwischen Patient und medizinischem Personal verbessern. Sie liefern verlässliche Datenprotokolle, die der Arzt oder die Ärztin im klinischen Alltag „auf einen Blick“ verstehen kann.

Und wie steht es um die sensiblen Gesundheitsdaten?

Beim Thema Gesundheitsdaten tracken gibt es meist nur zwei Lager: die totalen Verweigerer und die totalen Nerds. Ich habe gerne einen Überblick über meine Trainings- und Schlafdaten, Herzfrequenz und Blutdruckwerte. Nicht, weil ich sie über mein Körpergefühl stelle, sondern zur Motivation und um möglicherweise Trends und Muster aufzudecken, die ich ohne Dokumentation nicht erkennen würde.

Doch gerade bei Gesundheitsdaten ist Skepsis angebracht. Hier greift ein striktes Datenschutzkonzept: Alle erfassten Daten sind laut Apple auf dem Gerät verschlüsselt und nur per Code, Touch ID oder Face ID zugänglich. Wer die Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzt, sorgt dafür, dass die Daten auch bei der iCloud-Synchronisation durchgängig Ende-zu-Ende verschlüsselt bleiben. Weder Werbenetzwerke noch der Hersteller selbst können die sensiblen Gesundheitswerte einsehen.