Ein Abend für Peter Alexander: "Es war bezaubernd!"
Erinnerung an einen Entertainer
Ein Abend für Peter Alexander: "Es war bezaubernd!"
Schauspieler, Sänger und Moderator Peter Alexander wäre heuer 100 geworden. Im Bezirksmuseum Floridsdorf feiern ihn Fans mit Liedern, Erinnerungen, Schmäh – und einem kleinen Bahöl
Manfred Rebhandl
Herr Johann steht schon lange vor Beginn der Veranstaltung auf der Straße vor dem Bezirksmuseum Floridsdorf. Er ist rüstige 96 und trägt einen grauen Maßanzug, den er sich bei seinem Schneider in einem Eckgeschäft an der Troststraße im Zehnten hat fertigen lassen – einen von 21, die er hat, Vorzugspreis für ihn: 140 Euro. Er wartet entspannt auf seine 76-jährige Lebensgefährtin, die er bei einem Tanzkurs in der Innenstadt kennengelernt hat; donnerstagnachmittags geht er auch singen.
An Peter Alexander mag er: "Alles!" Zu dessen Ehren soll heute hier ein Gedenkabend stattfinden, den man im Nachhinein gewiss als "vergnüglich" bezeichnen wird. Der König der leichten Nachkriegsunterhaltung wäre heuer 100 Jahre alt geworden, was der Verein "Freunde der Beethoven-Gedenkstätte in Floridsdorf" ausgiebig feiern möchte.
Ein Alleskönner, ganz speziell
Frau Marlene, die als erste von sehr vielen Damen bei leichtem Nieselregen hier ankommt, lobt stellvertretend für praktisch alle die Talente des Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer, wie er mit vollem Namen hieß: "Ein Alleskönner, ein ganz spezieller Mensch, so liebenswürdig. Er hatte Talent in jede Richtung, und gut ausgeschaut hat er auch." Sein Sohn und der ihre feierten zusammen im 7. Bezirk die Erstkommunion. "Da hab ich ihn von der Weitn gesehen und wie sie dann mit dem Fiaker weggefahren sind. Das ist lange her, mein Sohn ist heute 67." "Waunn da Heagott ned wü" ist ihr Lieblingslied von ihm, und das wird, hat sie bereits verfügt, auf ihrem Begräbnis gespielt werden. Bis dahin ist freilich noch Zeit, sie ist ja erst 87.
Frau Krapf ist die Obfrau des Vereins, und sie hat dem "beliebten Bariton" Felix Brachetka den Wunsch erfüllt, diesen "Es war bezaubernd!"-Abend zusammen mit der Sängerin Monika Müksch und der Pianistin Yuka Tamura zu gestalten. Diese hat an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien Vokalkorrepetition für Lied und Oratorium studiert und hatte bis vor ein paar Tagen von Peter Alexander noch nie gehört. Heute aber: "Seine Musik wirkt zunächst sehr sparsam, aber sie ist so humorvoll und charmant!" Die gebürtige Japanerin ist ein richtiger Fan geworden, und vielleicht werden bald YouTube-Links zu seinen Filmen nach Japan verschickt.
Brachetka selbst ist Jahrgang 1954 und kennt Peter Alexander seit seiner Jugend, seit dieser 1967 "Der letzte Walzer" veröffentlichte: Der letzte Tanz begann / ich wollte gehen / da sah ich dich so scheu alleine stehn …
Ein Bahöl an der Kassa
"Der hatte eine Leichtigkeit und eine wunderbare Stimme ohne Ausbildung. Gelernt hat er ja zwei Jahre Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar." Dann ging’s schon los mit dem Geldverdienen, wozu ihn, das wissen hier alle anwesenden Damen, "die Hilde" angeschoben hat, seine Frau, die er "Schnurrdiburr" nannte. "Na, die war eine!", heißt es ein paar Mal, wohingegen ihr Mann: "Ein Naturtalent, das spielen, singen, tanzen und parodieren konnte", wie Monika Müksch zusammenfasst. "Und er war lustig. So passte er perfekt in die Nachkriegszeit hinein, wo es diese Sehnsucht nach leichter Unterhaltung gab."
Zu "Das machen nur die Beine von Dolores" wird sie später die ihren heben, als gäbe es keine Schwerkraft; so leicht tanzt sie über die Bühne, während Brachetka leicht verkühlt singt. Dass Alexander privat ein stiller Mensch gewesen sein soll, kann Müksch als Künstlerin gut nachvollziehen: "Wenn du 50 Jahre lang alle zum Lachen bringen musst, willst du zu Hause mal still sein." Im Programm werden sie seine bekanntesten Stücke spielen und auch solche seiner Weggefährtinnen Conny Froboess und Caterina Valente.
Bei der Kassa gibt es ein Gedränge und dann sogar einen kleinen Bahöl, als eine "Resche" daherkommt, die nicht reserviert hat und folglich keinen Platz mehr bekommen soll. "So nicht!" und "Nicht mit mir!" lauten wohl ihre beiden Lieblingssätze, denn mit denen dreht sie ordentlich auf und verlangt eine E-Mail-Adresse („Weil was man in der Hand hat, hat man in der Hand!“), um sich irgendwo zu beschweren. Auf den beiden Sesseln, die man für sie dann sogar noch irgendwo hinstellen will, möchte sie justament nicht sitzen; da ist wohl im Kindergarten einiges schiefgelaufen. Die Entspanntheit des Peter Alexander fehlt ihr vollkommen.
"Oft kommen ja nur acht Leute", erklärt Frau Krapf. "Aber heute sind wir voll, und mehr als 99 Sessel darf ich nicht hineinstellen." Sie hat telefonisch schon einigen absagen müssen, "aber manche lassen sich eben nicht wegschicken." Andere wiederum beschweren sich furchtbar darüber, dass sie hier nicht mit Bankomatkarte bezahlen können, "und der Bankomat, der früher bei der Tankstelle unten war, ist mit der Tankstelle verschwunden." Probleme mit dem Bankomat kannte der Peter Alexander noch nicht, der musste sich um "Die Kirschen in Nachbars Garten" kümmern.
Sieben Schilling für die 7. Reihe
Ziemlich außer Atem kommt Frau Gerda die Treppen herauf. Sie hat als 14-jähriges Mädchen die Alexander-Filme im Wallenstein- und im Vindobona-Kino gesehen, immer sieben Schilling für die siebente Reihe, "mehr ging sich nicht aus." Den Peter Weck kannte sie vom Theater persönlich, "der Peter Alexander war ein Spitzenmensch, so was gibt es nicht mehr." Die sieben Schilling hat sie als Dienstmädchen bei einem Arzt in der Werdertorgasse als Trinkgeld bekommen; fünfzehneinhalb Jahre hat sie dort gearbeitet.
Herr Gottfried ist 66 Jahre alt, sitzt in dem einen Flügel des Saals in der letzten Reihe und hat immer in Floridsdorf gearbeitet, aber auch einmal im 10. und im 16. Bezirk gewohnt – bevor er wieder hierher zurückkam! Den dicken Packen mit Peter-Alexander-Schallplatten nahm er bei jedem Umzug mit, "weil bei uns dahaam haben wir nur Peter Alexander gehört", sagt er, "im Gemeindebau, neben dem gleich das Feld gewesen ist." Und vielleicht irgendwo auch ein kleines Beisl in irgendeiner Straße.
"Das Gnack gebrochen"
In der ersten Reihe dieses Flügels sitzen die beiden Freundinnen Hermine und Christine. Hermine lobt vor allem den Wiener Schmäh des Künstlers, von dem sie selbst auch eine gute Portion mitbekommen hat. Denn die Geschichte, wie sie ihrem Mann nach der Scheidung die Peter-Alexander-Platten gelassen, dafür aber die Richard-Wagner-Platten behalten hat („Und des Haus hob i mia a ghoidn!“, lacht sie), ist schon sehr lustig. "Der Alexander hat einfach alles können", schwärmen auch sie noch einmal von ihrem Idol, "dem der Tod von der Hilde das Gnack, oiso das Genick gebrochen hat. Er war ja abhängig von ihr."
Da spürt man Anteilnahme und Mitleid, und die eine oder andere anwesende Dame hätte ihn wohl gerne "gerettet" vor der Hilde, als er noch lebte. Aber heute müssen sie sich alle mit Klatschen, Schunkeln und Mitsingen bei "Die süßesten Früchte" begnügen, und bei "Quando, quando" hört man dann sogar noch Rasseln.
(Manfred Rebhandl, 16.9.2026)
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