Eine Million betroffen: Neue Ultraschall-Therapie stoppt Zittern
Stand: 31.08.2026, 13:50 Uhr
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Essenzieller Tremor gilt als häufigste neurologische Bewegungsstörung und tritt unabhängig von Parkinson auf. Experte erklärt, wie die MRgFUS hilft.
München/Düsseldorf – Er ist die häufigste neurologische Bewegungsstörung weltweit und existiert völlig unabhängig von Parkinson: der essenzielle Tremor. Laut Deutscher Gesellschaft für Neurologie sind hierzulande mehr als eine Million Menschen betroffen. Mit einer neuen Ultraschalltherapie soll das unwillkürliche, rhythmische Zittern jetzt gestoppt werden.
Nervenzellen senden Fehlsignale aus
Bei schwerem Tremor oder Krankheiten wie Parkinson arbeiten bestimmte Nervenzellen im Gehirn nicht mehr richtig. Sie senden Fehlsignale aus, die die normale Muskelsteuerung stören – was zu Zittern oder Steifheit führt. Um das zu korrigieren, hat sich bislang die Tiefe Hirnstimulation (THS) etabliert: Über kleine Bohrlöcher im Kopf werden Drähte in die tiefen Hirnregionen eingesetzt. Zudem wird ein Schrittmacher im Brustbereich platziert, der mit Kabeln unter der Haut mit den Elektroden im Kopf verbunden ist.
Die neue magnetresonanzgesteuerte Ultraschalltherapie (MRgFUS) soll jetzt ganz ohne Hautschnitte und Implantate auskommen, um das Zittern zu stoppen. Die Therapie erfolgt im Inneren eines Magnetresonanztomografen (MRT). Der Patient erhält einen Helm, in dem über 1000 Ultraschallquellen arbeiten: Sie bündeln ihre Energie auf einen winzigen Punkt im Gehirn. „Beim Tremor liegt dieses Zielgebiet meist im Thalamus, einer zentralen Schaltstelle für Bewegungsabläufe“, sagt Professor Dr. Lars Wojtecki von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. „Durch eine gezielte Erwärmung können die krankhaft veränderten Nervenstrukturen, die das Zittern verursachen, dauerhaft verödet werden.“

So funktioniert die Therapie
Die Wirkung könne häufig bereits während der Behandlung beobachtet werden, berichtet der Experte der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). „Oft sehen wir schon während der Testbeschallungen eine deutliche Verringerung des Zitterns.“ Gleichzeitig lasse sich überprüfen, ob Nebenwirkungen auftreten.
Noch wird die MRgFUS-Therapie in Deutschland nur an wenigen neurologischen Zentren sowie Universitätskliniken angewendet. Die Sana Kliniken Duisburg bieten das Verfahren in enger Kooperation mit Prof. Lars Wojtecki an. Weitere Orte sind etwa das Universitätsklinikum Freiburg und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel.

Zum Einsatz kommt das Verfahren primär bei Menschen mit essenziellem Tremor, wenn Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Auch bei bestimmten Symptomen der Parkinson-Erkrankung kann es eingesetzt werden. Geeignet seien Patienten mit einem stark ausgeprägten Tremor einer Körperseite. „Die Betroffenen können danach wieder besser schreiben, essen, trinken oder feinmotorische Tätigkeiten ausführen“, freut sich Neurologe Wojtecki. Jedoch: Die Grunderkrankung selbst werde durch die Behandlung nicht geheilt. „Doch der große Vorteil von MRgFUS besteht darin, dass weder Elektroden noch ein Hirnschrittmacher implantiert werden müssen.“ Die Tremorverbesserung würde häufig über viele Jahre anhalten, dennoch könne das Zittern im weiteren Verlauf wieder zunehmen.
Bestimmte Voraussetzungen wichtig
Wie die DEGUM betont, ist die Behandlung auch nicht für alle Patienten geeignet. Vor einer MRgFUS-Therapie müssen die genaue Diagnose, die Ausprägung der Beschwerden, mögliche Begleiterkrankungen sowie individuelle anatomische Voraussetzungen geprüft werden. Wenngleich das Verfahren als schonend gilt, können Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln, Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsstörungen auftreten. Prof. Wojteckis Appell lautet: „Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl der Patienten entscheidend.“