Wetterphänomen El Niño könnte Skalen sprengen: WMO mit außergewöhnlicher Reaktion – „Noch nie zuvor“


„El Niño nimmt vor unseren Augen Super-Ausmaße an“: Weltwetterorganisation verschärft Warnung

Stand: 04.09.2026, 13:17 Uhr

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Geht es nach aktuellen Prognosen, könnten extreme Wetterlagen zudem bevorstehen. Experten befürchten einen extrem starken El Niño.

Frankfurt – Bereits in diesem Sommer hat sich das Wetter in Deutschland von seiner extremen Seite gezeigt. Gleich mehrfach wurde die 40-Grad-Marke geknackt. Selbst für Anfang September zeigt sich das Wetter in diesem Jahr ungewöhnlich warm, erneut wird eine Hitzewelle mit über 30 Grad erwartet. Und auch in den kommenden Monaten muss regional mit extremen Wetterereignissen gerechnet werden, allerdings aus anderem Grund. Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt vor einer außergewöhnlich starken Ausprägung des kommenden Wetterphänomens El Niño.

Für den Norden Bayerns gilt eine amtliche Wetterwarnung des DWD (Archivbild).

Experten befürchten einen sehr starken El Niño in den kommenden Monaten. (Symbolbild) © IMAGO/Simon Zeiher

Ein El-Niño-Ereignis tritt alle zwei bis sieben Jahre natürlich auf. Es ist zwar nicht durch den Klimawandel verursacht, kann seine Folgen aber zusätzlich verschärfen. Laut WMO sind die Folgen des Phänomens bereits jetzt teilweise spürbar. Das berichten die Fachleute in einer Mitteilung am 3. September 2026. In den kommenden Monaten muss zudem mit einer außergewöhnlich starken Ausprägung gerechnet werden. El Niño verursacht nicht nur extreme Hitze, es können auch Dürren sowie Überschwemmungen auftreten. Die Welt müsse sich regional auf all dies in den kommenden Monaten einstellen, sagte WMO-Chefin Celeste Saulo in Genf. 

El Niño könnte „stärker ausfallen als alles“, was bisher verzeichnet wurde

Die Temperaturen im tropischen Teil des Pazifischen Ozeans, die das Weltwetter stark beeinflussen, seien schon außergewöhnlich hoch. „Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte der El Niño stärker ausfallen als alles, was wir seit Beginn unserer Beobachtungen verzeichnet haben – und damit buchstäblich außerhalb der Skalen liegen, die wir in den letzten vier Jahrzehnten verwendet haben“, sagte sie. 

So werde der Höhepunkt des Phänomens zwar um die Jahreswende erwartet, doch vereinzelt seien regional schon Auswirkungen wie stärkere Trockenheit oder heftige Niederschläge zu sehen. Andauern soll das Phänomen bis Februar 2027.

„Der El Niño nimmt vor unseren Augen Super-Ausmaße an“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. „Die Welt befindet sich in der Gefahrenzone extremer Wetterereignisse.“ Saulo betonte zudem: „Dieser außergewöhnliche El Niño erfordert außergewöhnliche Vorbereitungen und Reaktionsmaßnahmen. Noch nie zuvor in der 50-jährigen Geschichte der Weltorganisation für Meteorologie haben wir eine derart umfassende Mobilisierung gemeinsam mit den nationalen meteorologischen und hydrologischen Diensten eingeleitet, die an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, Prognosen und Dienstleistungen zum Schutz von Leben und Lebensgrundlagen bereitzustellen.“

Seinen Anfang nimmt das Wetterphänomen mit der Erwärmung der Meeresoberflächentemperaturen im zentralöstlichen äquatorialen Pazifik. Sie liegen nach WMO-Angaben bereits zwischen 2,2 und 2,6 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Unter der Oberfläche sei das Wasser im Juli und Anfang August teils sogar mehr als 8 Grad wärmer gewesen. Anschließend würde in der Region warme, feuchte Luft aufsteigen. Dies wiederum veränderte die weltweiten Wind- und Luftströmungen. In Australien, Indonesien und im südlichen Afrika kommt es dadurch oft zu Trockenheit und Dürren, während an der Westküste Südamerikas, in Ostafrika und den südlichen USA oft sehr viel Regen fällt. Europa ist eher wenig betroffen. 

Gegenüber ZDFheute erklärte der britische Physiker und Klimawissenschaftler der Universität Oxford, Timothy Palmer, kürzlich, dass sich die Welt erst am Anfang des Phänomens befinde. Erst in den kommenden Monaten präge sich der El Niño vollständig aus. Da Europa relativ weit vom Pazifik entfernt liege, seien die Auswirkungen hierzulande bislang nie sehr dramatisch gewesen. Laut dem Experten werde sich das volle Ausmaß erst im Winterhalbjahr zeigen. In Europa könne etwa die erste Winterhälfte sehr nass, die zweite Winterhälfte eher trocken ausfallen.

Wird der nächste Sommer noch extremer?

Die Hitze in diesem Sommer, die auch in Deutschland das Thermometer mehrfach auf über 40 Grad hat steigen lassen, war keine Auswirkung des El Niño, betont Saulo in der Mitteilung der WMO. Doch was so mancher in diesem Sommer bereits als zu heiß empfunden haben könnte, könnte im nächsten Jahr noch extremer werden. Der El Niño könne nach Angaben der WMO-Experten nämlich das Wetter für lange Zeit beeinflussen. Die globale Durchschnittstemperatur nach einem El-Niño-Jahr sei besonders hoch. So folgte das Jahr 2024, das bislang heißeste mit rund 1,6 Grad über dem Niveau vor der industriellen Revolution, auf ein El-Niño-Ereignis.

Sommer 2026 hatte keine El-Niño-Auswirkungen, war aber trotzdem deutlich zu warm

Obwohl in diesem Sommer also keine El-Niño-Auswirkungen zu spüren waren, zeigte sich das Wetter mehrheitlich überdurchschnittlich warm. Nicht nur Deutschland, auch Frankreich durchlebte einen historischen Sommer mit Extrem-Temperaturen. Vielerorts brachten die Temperaturen Menschen an ihre Belastungsgrenze. Lang anhaltende Dürre schränkte regional die Schifffahrt in Deutschland ein, Waldbrände breiteten sich in vielen Regionen rasend schnell aus. Auch in Deutschland kämpften Einsatzkräfte parallel zur Hitze gegen Flammen. Und in manchen Regionen ist trotz September-Start noch keine Entspannung in Sicht, beispielsweise in Italien kletterte das Thermometer in den vergangenen Tagen erneut auf bis zu 41 Grad. Auch in Kroatien schwitzen Urlauber weiterhin. Während viele Regionen Europas einen Extrem-Sommer erlebten, meldete beispielsweise Australien einen Winter mit Rekordtemperaturen. Quellen: dpa, WMO, ZDFheute (jl)