„Als Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus“: Kerkeling spricht im Thüringer Landtag zu AfD-Verbot


Erste Anhörung zu AfD-Verbot im Thüringer Landtag – mit Kerkeling und Maaßen

Stand: 30.09.2026, 07:19 Uhr

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Im Thüringer Landesparlament kommen erstmals Experten zusammen, um über ein AfD-Verbot zu beraten. Mit dabei: Juristen – und ein beliebter Entertainer.

Erfurt – Es war 2024 in Thüringen, als in einem Bundesland die AfD erstmals stärkste Kraft wurde. Mit 32,8 Prozent der Stimmen konnte der Landesverband, der seit März 2021 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird, die Wählermehrheit hinter sich versammeln – und zwar trotz oder gar wegen des Parteivorsitzenden Björn Höcke. Nun wird im Erfurter Landesparlament erstmals über ein AfD‑Verbotsverfahren diskutiert; zu Wort kommen Experten und ein Prominenter.

Hape Kerkeling

Hape Kerkeling positioniert sich klar gegen die AfD. (Archivbild) © Hendrik Schmidt/dpa

Initiiert hat die Anhörung im Justizausschuss des Thüringer Parlaments die Linke-Landtagsfraktion, die sich seit Jahren für ein AfD-Verbot einsetzt. Hintergrund ist die Forderung der oppositionellen Linken an die CDU-geführte Landesregierung, „sich zügig gegenüber der Bundesregierung und im Bundesrat aktiv für die Einleitung eines Verbotsverfahrens“ einzusetzen. Er hoffe, „dass letzte Zweifler in der CDU-Fraktion zu der Erkenntnis kommen, dass Karlsruhe ein AfD-Verbot prüfen sollte“, sagte Linke-Fraktionschef Christian Schaft. 

Kerkeling spricht im Erfurter Landtag für ein AfD-Verbot

Geladen sind am heutigen Mittwoch in Erfurt namhafte Verfassungsrechtler, der frühere Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sowie der Entertainer Hape Kerkeling. Maaßen, der unfreiwillig das Amt des Verfassungsschutzpräsidenten aufgeben musste, gilt als nach rechtsaußen offen und fiel bereits durch als rechtsextremistisch und verschwörungstheoretisch eingeordnete Aussagen auf.

Der Entertainer Hape Kerkeling hingegen warnte schon häufig eindringlich vor der AfD und begründete seine Teilnahme an der Anhörung in einer schriftlichen Stellungnahme. Demnach äußere er sich „nicht als Experte für Verfassungsrecht, sondern als Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus“. Sein Großvater war zwölf Jahre lang inhaftiert, weil er 1933 Flugblätter gegen die NSDAP verteilt hatte, davon drei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald in Thüringen. Kerkeling hatte daher bereits eine Gedenkrede zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds gehalten.

Es gibt auch Warnungen, wie etwa von Thüringens CDU-Fraktionschef Andreas Bühl. Die starken AfD-Wahlergebnisse könnten „nicht das überzeugende Argument für ein Verbotsverfahren sein“, sagte er. Es müsse der mögliche Schaden abgeschätzt werden, wenn ein Verbotsverfahren scheitere. „Wenn wir der AfD Aufwind geben, sollten wir es nicht machen.“ 

Zwei juristische Gutachten sehen Voraussetzung für AfD-Verbotsverfahren erfüllt

Das mediale Interesse für die Anhörung in Erfurt ist insbesondere auch wegen Kerkeling groß, obwohl der Entertainer frühestens um 19:00 Uhr an der Reihe sein dürfte. Zuvor werden von den Abgeordneten Juristen und Experten, etwa vom Institut für Menschenrechte oder der Gesellschaft für Freiheitsrechte, gehört. Zwei juristische Gutachten kamen bereits zu dem Schluss, dass die Voraussetzungen für ein AfD-Verbot erfüllt sind. (Quellen: eigene Recherche, dpa) (ktho)