Erstes Nato-Land erlaubt Abschüsse russischer Drohnen ohne Sichtkontakt


Bedrohung aus Russland

Erstes Nato-Land erlaubt Abschüsse ohne Sichtkontakt


Aktualisiert am 30.09.2026 - 07:32 UhrLesedauer: 2 Min.

Polen erlaubt seinen Kampfjets künftig den Abschuss verdächtiger Flugobjekte auch ohne Sichtkontakt. Die Maßnahme ist eine direkte Reaktion auf die russische Bedrohung.

Polen hat am Montag entschieden, die Einsatzregeln für seine Luftwaffe deutlich zu verschärfen: Kampfjets dürfen künftig verdächtige Flugobjekte auch ohne Sichtkontakt abschießen, wenn mehrere Indikatoren auf eine feindliche Absicht hindeuten. Die neue Regelung tritt in den kommenden Tagen in Kraft und ist eine Antwort auf die zunehmenden russischen Provokationen an der Grenze, wie der stellvertretende Verteidigungsminister Cezary Tomczyk bekannt gab.

Bisher mussten Piloten das Ziel visuell identifizieren, bevor sie das Feuer eröffneten. Künftig genügt eine sogenannte "positive Identifizierung", also eine gesicherte Zuordnung ohne Sichtkontakt. Eine Kombination aus Radardaten, Einflugrichtung, Geschwindigkeit und der Reaktion auf Freund-Feind-Kennungssignale reicht dann aus, um einen Abschuss zu genehmigen. Sichtkontakt ist nicht mehr zwingend nötig.

Bedrohung aus Kaliningrad

Die polnische Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad ist bereits mit Panzersperren gesichert. Im Luftraum werden die Regeln nun ebenfalls verschärft – eine Reaktion auf die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg und die zunehmende Zahl von Jetdrohnen und Marschflugkörpern, die kaum Zeit für eine Reaktion lassen.

Die Befugniserweiterung gilt als Novum innerhalb der Nato und war bisher nur im Kriegszustand oder unter Kriegsrecht üblich. Tomczyk betonte, dass die Regeln so gestaltet seien, dass Fehler vermieden würden – etwa die Verwechslung eines zivilen mit einem militärischen Flugzeug. Dennoch warnen Beobachter vor möglichen Risiken: ungewöhnliche Flugbahnen oder fehlende Transponder-Antworten allein reichten nicht aus, um ein Luftfahrzeug als feindlich einzustufen.

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine kommt es wiederholt zu Luftraumverletzungen an der polnischen Grenze.