Erster Boßelverein im Landkreis Diepholz feiert 50-jähriges Jubiläum
Stand: 15.09.2026, 19:00 Uhr
Kommentare

Der Verein „Bliev drup" Barenburg wurde 1976 von vier Männern gegründet. Zum Jubiläum kämpfen die 41 Mitglieder vor allem um eines: jüngeren Nachwuchs.
Barenburg – Es ist Horst Behlen, der im Herbst des Jahres 1975 den Ostfriesensport „Boßeln“ für sich (und andere aus der Region) entdeckt: Da war er unterwegs mit seinem Kegelclub in Ostfriesland, heißt es. „Da ist wohl was hängen geblieben“, mutmaßt heute Günter Sittnick. „Hängen geblieben“ im Boßelsport ist auch Günter Sittnick. Und mit ihm seine Familie. Sittnicks tragen sich stets in die Siegerlisten ein („Sollen wir etwa schlechter werfen?“). Ein bisschen mehr Konkurrenz würde allen tatsächlich nichts ausmachen: Die Nachwuchswerbung für den Boßelverein „Bliev drup“ Barenburg ist zum 50-jährigen Jubiläum ein wichtiges Thema.

Zurück zu den Anfängen: Am Freitag, 23. April 1976, gründen Heinrich Maschmann, Henry Maschmann, Horst Ketzler und Horst Behlen den ersten Boßelverein im Landkreis Diepholz. Diese vier Gründer sind heute leider alle verstorben. Sein Name: „Lüch up un fleu herut“. Frei übersetzt: Hebe die Boßelkugel auf und wirf sie weit. Ja, das sollte man tun, beim Boßeln. Und vor allem hoffen, dass die Kugel schön fein auf der Bahn bleibt. Dieser Hoffnung gab man Ausdruck mit der Umbenennung des Vereins in „Bliev drup“.
Männer und Frauen finden gleichermaßen Gefallen am Sport: Man bewegt sich (immerhin ist eine Strecke rund fünf Kilometer lang), man ist draußen an der frischen Luft, es ist gesellig: „Es ist ein guter Teamsport. Vier Sportler bilden eine Mannschaft“, finden die Barenburger Boßler noch heute. Im niedersächsischen Landkreis Diepholz wird dem Ostfriesensport nicht so vehement wettkampftechnisch gefrönt, wie in Ostfriesland, Holland oder Irland. Wusste man, dass es sogar Europameisterschaften gibt? Die nächsten sind für 2028 in Irland geplant.
Wohl eher nicht mit Barenburger Beteiligung. Die haben für den 20. September das jährliche Dorfpokalboßeln im Blick. Ein Termin, zu dem sie die Bürger im Flecken einladen, sich mit der Boßelkugel zu versuchen. Von der gibt es unterschiedliche Modelle, aus unterschiedlichen Materialien und wenn es im Winter wieder vereiste Felder gibt, dann wäre auch Klootschießen drin. Worauf die aktiven Boßler aus Barenburg hoffen.
Vorher aber laden sie ein zum Dorfpokalboßeln für Sonntag, 20. September. Die Veranstaltung findet wieder „Auf dem Schwege“ bei Familie Lübber statt. Der Verein würde sich zum Jubiläum über viele Teams aus der Dorfgemeinschaft freuen. Anmeldungen können bei Wolfgang Ellenberg (WhatsApp, Tel. 01511/4932537) oder per Mail an [email protected] erfolgen.
Die Barenburger Boßler selbst sind seit Anfang September wieder aktiv, nach der üblichen Sommerpause. Immer am ersten Samstag im Monat wird geboßelt, ab 14 Uhr auf dem Renzeler Weg. Gäste sind stets herzlich willkommen.
Dass der Renzeler Weg zur „Hausstrecke“ der Boßler werden konnte, ist eine eigene Geschichte. „Das war nicht ganz so leicht“, erinnert sich Karl-Heinz Nöhre, der fast so lange bereits boßelt, wie es den Verein gibt. Es wurden die guten Kontakte zur Familie Wilhelm Schmedecker genutzt. Und Horst Behlen hatte als stellvertretender Samtgemeindedirektor beste Kontakte zu den Kollegen im Rathaus. Pro Training auf der gut fünf Kilometer langen Hausstrecke sind die Boßler, alles in allem, rund drei Stunden unterwegs. Verschleiß besteht an Käschern, um die Kugeln aus den Gräben zu fischen. Und manche Kugel, nun ja, hat sich nicht an die Bitte „bliev drup“ gehalten und sich auf ewig verabschiedet. „Es wird auch gerne mal geflachst unterwegs“, erklärt Nöhre. Und zack habe man dann die Boßel vergessen.

Der Sport ist für Jung und Alt gleichermaßen geeignet. Die älteste Boßlerin in Barenburg ist mit 85 Lenzen noch voll aktiv. Das freut, natürlich, gleichzeitig hofft man auch auf neue Mitglieder, jüngere Mitglieder, denn ein Wunsch zum Geburtstag ist, dass der Verein noch lange bestehen bleibt. „Da kämpfen wir drum“, sagt Günter Sittnick. Der Verein zählt derzeit 41 Mitglieder, das Gros ist „Ü 60“.
Wie sieht es denn sportlich aus? Es gibt in der Samtgemeinde und in Sudwalde Boßelvereine und Sparten in den Sportvereinen, gegen die man in Wettbewerben antritt, gesellig darf es auch sein. Das Jahr ist da aufgeteilt: Im Januar wird Bergfest gefeiert, im Februar steht der Kohlmarsch an, im März geht es ums Klootschießen und Einzelpokale, im April geht es im Wettbewerb mit den Kirchdorfer Boßlern um die Popken-Plakette, im Mai wird abgeboßelt, im Juni ist die Fahrradtour vorgesehen. Im September geht es nach einer Sommerpause wieder auf die Strecke, die Jahreshauptversammlung wird gehalten, der Dorfpokal ausgespielt. Im Oktober erfolgt der Fachverbands-Wettbewerb mit Kirchdorf, Bahrenborstel, Scharringhausen, Wehrbleck und Sudwalde. Im November geht es um den Alterspokal und den Käthe-Lübben-Pokal und im Dezember ist der Freundschaftswettbewerb mit den Wehrbleckern ein willkommener Boßeltermin.
Als letzte Veranstaltung im Jubiläumsjahr ist beim jährlichen Kreispokalboßeln eine kleine Feier mit allen Boßelvereinen des Landkreises geplant, am 17. Oktober auf dem Platz (Renzeler Weg) des Boßelvereins Barenburg.