Um die Ostsee zu schützen, pflanzen zwei Essenerinnen bei Wind und Wetter Seegras ins Meer.
Wenn Mareike Mak und ihre Frau Ramona Mak nach fünfeinhalb Stunden Fahrt von Essen an der Ostsee ankommen, beginnt die Arbeit. Sie campen gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen: Zelt aufbauen, Ausrüstung auspacken, Geräte vorbereiten.
Und von diesen Geräten gibt es einige. Sie brauchen Tauchausrüstung, Messgeräte und Material für die Pflanzen. Das Wetter spielt dabei nicht immer mit. Aber das gehört für Mareike Mak dazu.
Seegras-Ableger werden aufbereitet und wieder eingepflanzt
Die Essenerinnen engagieren sich im Verein Seagrass Conservation e.V., der insgesamt rund 70 Mitglieder hat. Gemeinsam wollen sie Seegras-Wiesen in der Ostsee wiederherstellen. Dafür ziehen sich Mareike und Ramona Mak zuerst ihre Taucheranzüge an. Die sorgen dafür, dass das 18 Grad kalte Ostseewasser nicht direkt ihre Haut berührt.
Von gesunden Pflanzen nehmen sie kleine Ableger. Die werden dann an Land von einem weiteren Team sortiert, gesäubert und vorbereitet. Aus einer Pflanze können im besten Fall zwei bis drei neue Setzlinge entstehen. Die kommen dann wieder in die Ostsee.
"Wir renaturieren, pflanzen im Prinzip Seegras an Flächen wieder an, wo einfach kein Seegras ist." Mareike Mak, Seagrass Conservation
Mareike ist keine Biologin
Eigentlich arbeitet Mareike Mak in der Gebäudereinigung, mit Forschung hat sie wenig zu tun. Trotzdem ist ihr klar geworden, wie wichtig Seegras für die Ostsee ist.
Die Wiesen sind Lebensraum für viele Unterwasserlebewesen und können außerdem beim Küstenschutz und bei der Speicherung von CO₂ eine Rolle spielen, erklärt die Essenerin: "Haben wir kein Seegras, werden durch Wellenbewegungen und verschiedene Strömungen Küsten immer weiter zurück- und ausgespült."
Die leidenschaftliche Taucherin hat vor zwei Jahren eine Forschungstaucherausbildung gemacht, um den Verein auch unterhalb der Wasseroberfläche zu unterstützen.
Ob die Seegras-Wiesen wachsen, zeigt sich erst später
Die kommenden zehn Jahre sollen zeigen, wie erfolgreich das Projekt ist. Die Pflanzsaison dauert nur von Mai bis Juli. Getaucht wird aber auch im Winter – solange kein Eis auf der Ostsee liegt.
Tauchen und dabei etwas zurückgeben
Es gibt viele schöne Orte auf der Welt, an denen Mareike und Ramona Mak tauchen könnten. Stattdessen fahren sie immer wieder bei Wind und Wetter mehr als fünf Stunden von Essen an die Ostsee. Urlaub ist das nicht.
Aber genau das macht für sie den Reiz des Ehrenamts aus: Sie können ihre Freude am Tauchen mit etwas Sinnvollem verbinden und direkt etwas für die Natur tun. Denn die Ostseeküste ist ihnen wichtig.
Und während sie einmal wieder ihre Ausrüstung zusammenpacken und die lange Fahrt zurück ins Ruhrgebiet antreten, bleiben die kleinen Seegras-Setzlinge unten im Wasser und werden mit etwas Glück zu einer neuen Seegraswiese.