EU Kids Act: Social Media für unter 13-Jährige wird komplett verboten
Stand: 22.09.2026, 07:47 Uhr
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Kein Social-Media-Konto unter 13, strenge Kontrolle bis 15: Mit dem EU Kids Act will Brüssel Kinder vor süchtig machenden Plattformen schützen. Was sich für Instagram, TikTok und Co. ändern soll.
Brüssel – Die EU verstärkt ihren Einsatz für sichere Online-Angebote, um zunehmende Gesundheitsprobleme bei jungen Menschen anzugehen, die mit suchtmachenden Plattform-Designs und übermäßiger Bildschirmzeit zusammenhängen.
Zugleich möchte die Kommission Druck auf große Tech-Konzerne ausüben, damit diese ihre Produkte stärker am Wohl von Kindern ausrichten und weniger an reinen Wachstums- und Profiterwartungen. Damit reagiert Brüssel auf jahrelange Kritik von Eltern, Ärztinnen und Pädagogen, die vor den Folgen dauerhafter Online-Bespaßung warnen.
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Dieser Artikel von Elisabeth Heinz entstand in Kooperation mit Euronews
Die neue Initiative der Kommission, der EU Kids Act, untersagt Kindern unter 13 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok und YouTube. Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren dürfen nur eingeschränkte Konten einrichten, und zwar unter Aufsicht der Eltern.
15- bis 18-Jährige erhalten Zugang ausschließlich zu von vornherein sicheren Versionen sozialer Medien, die weniger auf maximale Verweildauer und mehr auf Schutzmechanismen wie Zeitlimits und reduzierte Benachrichtigungen setzen.

Soziale Netzwerke, KI-Chatbots, Videospiele, Plattformen zum Teilen von Videos und App-Stores müssen altersgerecht gestaltet sein und übermäßige Nutzung unattraktiv machen. Empfehlungsalgorithmen dürfen Minderjährigen keine Inhalte mehr vorschlagen, die auf ihrem Verhalten oder ihren Vorlieben beruhen.
Anbieter werden verpflichtet, kinderfreundliche Standardeinstellungen zu aktivieren, die etwa automatische Scroll-Funktionen einschränken und besonders auffällige Belohnungsmechanismen wie Streaks oder Lootboxen zurückdrängen.
Wachsende Sorgen über Risiken der Online-Welt
Der Vorschlag reagiert auf wachsende Sorgen über die heutige Online-Welt. In einer Eurobarometer-Umfrage vom Juli 2026 gaben 71 Prozent der Europäerinnen und Europäer an, sie seien besorgt über die psychologischen Folgen von Cybermobbing für Minderjährige.
70 Prozent fürchten vor allem Grooming und Ausbeutung, also das gezielte Anbahnen von Kontakten durch Täter, die sich das Vertrauen von Kindern erschleichen, um sie später zu missbrauchen. Die Umfrage zeigt zudem, dass viele Menschen den Eindruck haben, Kinder seien im Netz häufig sich selbst überlassen.
63 Prozent wünschen sich strengere EU-Regeln für den Zugang von Kindern zu sozialen Netzwerken, 15 Prozent plädieren für eine konsequentere Strafverfolgung, 13 Prozent setzen eher auf Aufsicht durch Eltern und Schulen.
Politisch wächst damit der Druck auf die Mitgliedstaaten, die Vorschläge der Kommission nicht nur zu unterstützen, sondern sie auch konsequent in nationales Recht zu überführen und wirksame Kontrollen sicherzustellen. Zivilgesellschaftliche Organisationen hoffen, dass die neuen Regeln ein Umdenken bei der Gestaltung digitaler Produkte anstoßen.
Teil eines umfassenderen EU-Schutzrahmens
Der Kids Act ist Teil eines umfassenderen Engagements der EU für einen sicheren digitalen Alltag von Kindern. Anfang des Jahres hat die Kommission die EU-Altersnachweis-App eingeführt, mit der Nutzerinnen und Nutzer ihr Alter überprüfen lassen können.
Diese soll es Plattformbetreibern erleichtern, Altersgrenzen tatsächlich durchzusetzen, ohne mehr persönliche Daten zu sammeln als unbedingt nötig. Parallel dazu arbeitet die EU an gemeinsamen technischen Standards, damit Mitgliedstaaten bei der Alterserkennung nicht jeweils eigene, widersprüchliche Lösungen entwickeln.
Das Gesetz über digitale Dienste schützt die Privatsphäre von Minderjährigen durch sichere Grundeinstellungen und Einschränkungen personalisierter Werbung. Der Aktionsplan gegen Cybermobbing stellt zudem Werkzeuge bereit, um Online-Angriffe zu bekämpfen, etwa durch vereinfachte Meldewege, mehr Unterstützung für Schulen und Aufklärungskampagnen.
Zusammen sollen diese Maßnahmen dafür sorgen, dass sich Kinder im digitalen Raum freier entfalten können, ohne permanent Gefahren für ihre seelische und körperliche Gesundheit ausgesetzt zu sein.