Evakuierungsmission in Afghanistan 2021: Ermittlungen gegen Soldaten der Bundeswehr wegen Verdachts auf Diebstahl in Kabul
Es waren dramatische Tage am Hindukusch: Im August 2021 hatte sich die Sicherheitslage in Afghanistan nach der Machtübernahme der radikalislamistischen Taliban dramatisch verschärft. Es herrschte Chaos, vor allem in der Hauptstadt Kabul.
Die Bundeswehr war bei einer internationalen Evakuierungsoperation für mehr als 5000 Menschen führend beteiligt. Deutsche sowie einheimische Ortskräfte und ihre Familien und weitere Schutzbedürftige wurden mit Flugzeugen in Sicherheit gebracht.
Jetzt gibt es schwere Vorwürfe gegen die Truppe, die für ihren Einsatz sehr gelobt worden war: Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelt gegen fünf Bundeswehrsoldaten wegen des Verdachts des Diebstahls während der Evakuierungsmission am Flughafen in Kabul. Insgesamt waren damals rund 500 deutsche Soldaten an den Einsätzen in Afghanistan und Usbekistan beteiligt.
Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts des Diebstahls gegen insgesamt fünf Bundeswehrangehörige.
Staatsanwaltschaft Kempten
„Die Staatsanwaltschaft Kempten führt ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachtes des Diebstahls gegen insgesamt fünf Bundeswehrangehörige, welche dem Einsatzkontingent angehörten“, sagte ein Sprecher der Behörde, die für Soldaten im Auslandseinsatz zuständig ist, „Bild am Sonntag“ („BamS“). Die Beschuldigten sollen sich „während der Evakuierungen Waren aus Läden am Flughafen Kabul rechtswidrig angeeignet haben“.
Kein Vorwurf der Plünderung gegen Bundeswehrsoldaten
Die Ermittlungen dauern an. Wann und mit welchem Ergebnis das Verfahren abgeschlossen werde, lasse sich „nicht genau prognostizieren“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, der auf die Unschuldsvermutung verwies. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, sind dem Bericht zufolge über die Sachlage informiert worden.
Die Soldaten sollen dem Fallschirmjägerregiment 31 der Luftlandebrigade 1 angehören, wie die Zeitung unter Berufung auf Bundeswehrkreise berichtete.
Die Elitekämpfer sollen demnach ihre Diebstähle im militärischen Teil des Flughafens, in von Afghanen betriebenen Läden begangen haben. Dort gab es demnach Läden, die unter anderem militärische Ausrüstung verkauften. Die Soldaten sollen T-Shirts und Patches (Stoffabzeichen für die Uniform) gestohlen haben. Auch von Messern ist in Bundeswehrkreisen die Rede.
Die Ermittlungen gegen die fünf Soldaten begannen bereits im vergangenen Jahr, als gegen das Fallschirmjägerregiment 26 wegen sexueller Übergriffe, Hitlergruß und Drogenmissbrauch ermittelt wurde. In Befragungen innerhalb der Bundeswehr berichteten Soldaten von den Vorfällen in Kabul.
„Die Wehrdisziplinaranwaltschaft hat nach Kenntnis eines möglichen Straftatbestands unverzüglich die Staatsanwaltschaft Kempten informiert und an diese abgegeben“, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der Zeitung.
Generalbundesanwalt eingeschaltet
Die Staatsanwaltschaft schaltete über die Generalstaatsanwaltschaft München den Generalbundesanwalt ein, um den Tatbestand von Plünderungen zu untersuchen. „Der Sachverhalt wurde der Bundesanwaltschaft zur Prüfung möglicher Verstöße gegen das Völkerstrafgesetzbuch vorgelegt“, teilte die Sprecherin des Generalbundesanwalts der „BamS“ mit. „Die hiesigen Ermittlungen haben einen solchen Verdacht ausgeräumt.“
Das Verteidigungsministerium bestätigte dem Blatt, dass „im Zuge der Ermittlungen auch Bildmaterial ausgewertet wurde“. Es wurden jedoch „keine Handlungen identifiziert, die den Tatbestand der Plünderung erfüllen“.
Die Ermittlungen liegen nun wieder in Kempten. Der Straftatbestand Diebstahl mit Waffen könnte dem Bericht zufolge vorliegen, da die Soldaten bei dem Einsatz am Flughafen bewaffnet waren. (lem)