Ex-Nationalrätin Christa Markwalder wird Präsidentin des neuen Physiotherapeuten-Verbands Prophysio
Ex-Nationalrätin Christa Markwalder wird Präsidentin des neuen Physiotherapeuten-Verbands Prophysio
Die ehemalige Parlamentarierin hat sich in Bern mit Rechtsfragen und Europapolitik beschäftigt. Jetzt wendet sie sich der Gesundheitspolitik zu. Mit einem Verband, der sich auf eine schwierige Mission begibt.
17.09.2026, 18.16 Uhr
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Christa Markwalder in der Herbstsession 2023, als ihr offizieller Abschied vom Parlament stattfand.
Anthony Anex / Keystone
Die ehemalige Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder wird Präsidentin des Physiotherapeuten-Verbands Prophysio. Das Amt ist weder hoch lukrativ noch prestigeträchtig noch glamourös. Aber eine Herausforderung ist es allemal.
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Auslöser für die Gründung des neuen Verbands im Juli war nämlich ein Streit unter den Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Ein Teil ist mit der Tarifstruktur, die der alteingesessene Verband Physioswiss ausgearbeitet hat und die am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll, nicht einverstanden. Es kam zur Abspaltung, die Fronten sind verhärtet.
Zwar sagen die beiden Verbände offiziell, dass man offen für einen Austausch sei. Prophysio sehe sich als Ergänzung zum bisherigen Verband, nicht als Konkurrenz, sagt Nina Zosso, die den Verband vorübergehend präsidiert. Allerdings stellte Prophysio am Donnerstag eine eigene Idee für eine Tarifstruktur vor, die der Verband beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eingereicht hat. Damit will er die Einführung des Physioswiss-Tarifs stoppen. Christa Markwalder soll ihm dabei mit ihren Kontakten in Bundesbern helfen.
Falsche Anreize verhindern
Markwalder war in ihrer Zeit als Nationalrätin Mitglied der Aussenpolitischen Kommission und der Kommission für Rechtsfragen. Die Gesundheitspolitik ist für sie ein neues Feld. Aber sie kennt die Akteure und die gesundheitspolitischen Debatten in Bern.
«Der Verband Prophysio denkt die Physiotherapie ganzheitlich», sagt Markwalder, «die Fortschritte des Patienten zählen und nicht, wie lange der Physiotherapeut behandelt.» Viele Behandlungen könnten daher über eine Pauschale vergütet werden. Der Zeittarif, den Physioswiss einführen wolle, führe hingegen zu Fehlanreizen. Nach dieser Logik bekomme der Physiotherapeut mehr Geld, je länger er den Patienten behandle. Das treibe die Gesundheitskosten unnötig in die Höhe.
Markwalder ist im Jahr 2023 aus dem Nationalrat ausgetreten, nachdem sie zwanzig Jahre lang politisiert hatte. Sie wolle Platz machen für eine neue Generation von Politikerinnen und Politikern, so ihre damalige Begründung für den Rücktritt. Im Jahr 2022 wurde sie zudem mit 47 Jahren zum ersten Mal Mutter, was mit ein Grund für ihren Rücktritt war. Verheiratet ist sie mit Peter Grünenfelder, dem Präsidenten von Auto Schweiz. Auch er politisiert für die FDP. Zudem war er Direktor bei Avenir Suisse und kandidierte im Jahr 2023 erfolglos für das Präsidium der FDP des Kantons Zürich.
Die Angebote für Ämter schwinden
Markwalder war während ihrer Zeit als Nationalrätin bei den Zurich-Versicherungen als Juristin tätig und ist es auch heute noch. Ihr Amt als Präsidentin der Swiss Retail Federation, des Verbands der Detailhandelsunternehmen, legte sie 2024 nieder. «Wie viele Verbände wollte auch die Swiss Retail Federation eine Präsidentin oder einen Präsidenten, die oder der noch aktiv politisiert in Bundesbern», sagt Markwalder. Auch bei der Schweizerischen Gesellschaft für Aussenpolitik (SGA) ist sie nicht mehr Präsidentin.
Sie sei auch nicht auf der Suche nach weiteren Ämtern, sagt Markwalder. Mit ihrem vierjährigen Sohn, ihrem Job bei den Zurich-Versicherungen und den beiden Ämtern bei der Denkfabrik Groupe de Réflexion Schweiz-Europa und nun bei Prophysio sei sie genug ausgelastet.
Markwalder gilt als Vertreterin des linksliberalen Flügels bei der FDP. Als Nationalrätin war sie zum Beispiel für die Legalisierung von Cannabis. Zudem gilt sie innerhalb ihrer Partei als «EU-Turbo». Auch heute noch äussert sie sich zum EU-Vertragspaket. Sie kritisierte den Zürcher FDP-Präsidenten Filippo Leutenegger auf X wegen seiner EU-skeptischen Haltung und sprach sich für ein Ja zu den EU-Verträgen und zum Volksmehr aus.
Nun wird sie sich vermehrt mit Gesundheitspolitik befassen müssen. Dazu muss sie sich bei der Verwaltung und bei Parlamentariern Gehör verschaffen für die Anliegen von Prophysio.
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