Im Kriegsfall mit Atombombe: Das kann der neue Tarnkappenjet F-35 der Bundeswehr


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Es ist eines der größten Rüstungsprojekte der Bundeswehr und eine Zäsur für die Luftwaffe: Am Freitag wird der erste US-Kampfjet vom Typ F-35 in Texas an die deutschen Streitkräfte übergeben. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird persönlich bei der feierlichen „Rollout Celebration“ in den Werkshallen des Rüstungskonzerns Lockheed Martin in Fort Worth anwesend sein. Die Übergabe wird in der Truppe mit Spannung erwartet, schon den Probeflug der ersten F-35A Lightning II mit dem Eisernen Kreuz der Bundeswehr und der Kennung 35+01 vor zehn Tagen in Texas feierte die Luftwaffe als „besonderen Tag“.

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Die F-35 gilt als modernstes verfügbares Kampfflugzeug in der Nato, über 1300 Maschinen sind schon gebaut, 20 Staaten haben oder erwarten sie: Das einsitzige und einstrahlige Mehrzweckkampfflugzeug der fünften Generation ist ein Tarnkappenjet – durch eine radarabsorbierende Beschichtung ist das Flugzeug nur sehr schwer zu orten, die spezielle Form mit der Verlagerung von Tank und Bewaffnung in den Rumpf verstärkt den Tarneffekt. Die Reichweite liegt bei 2200 Kilometern, die Höchstgeschwindigkeit bei Mach 1,6, also etwa 1700 km/h. Die F-35 kann mehr als acht Tonnen an Waffen transportieren. Infrarotkameras an der Außenhülle nehmen im Flug die Umgebung auf und übertragen die Bilder direkt in den Helm des Piloten, der dadurch einen 360-Grad-Blick bekommt.

F-35 sind zur atomaren Abschreckung gedacht

Insgesamt 35 Maschinen hatte die Ampel-Bundesregierung 2022 in den USA zu einem Gesamtpreis von rund zehn Milliarden Euro geordert, Bewaffnung, Training und einige Serviceleistungen inklusive. Die ersten acht Flugzeuge werden noch in diesem Jahr ausgeliefert, bleiben allerdings vorerst in den USA für die Pilotenausbildung. In Deutschland wird die erste F-35 im kommenden Jahr stationiert, 2029 soll die Flotte einsatzfähig sein.

Es ist vor allem auch ein politisches Signal: Deutschland bindet sich eng an die USA, um an der nuklearen Teilhabe in der Nato festzuhalten. Denn die bislang georderten F-35-Kampfjets sind vor allem zur atomaren Abschreckung gedacht – sie würden im Kriegsfall bei einer Eskalation die in Deutschland gelagerten US-Atomwaffen ins Ziel tragen. Rund 20 US-Atomsprengköpfe befinden sich in Betonsilos auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz. Bislang sind Tornado-Kampfjets der Bundeswehr dafür vorgesehen, doch diese seit den 80er-Jahren eingesetzten Flugzeuge werden schrittweise ausgemustert.

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Pistorius nennt F-35 ein „multinationales Projekt“: Das steckt dahinter

Die F-35 bot sich als Nachfolgeflugzeug an, weil sie bereits die notwendige und zeitaufwendige US-Zertifizierung für den Transport der Atomwaffen hat – so lässt sich die Lücke zeitgerecht schließen. Allerdings muss dafür der Flugplatz in Büchel umfassend umgebaut werden. Die Arbeiten laufen unter Hochsicherheitsbedingungen, die Kosten des Bauprojekts sind von ursprünglich 700 Millionen Euro auf rund zwei Milliarden Euro gestiegen.

Aber es geht um mehr als die Atomabschreckung. Pistorius betonte während seiner US-Reise mehrmals die internationale Dimension des Projekts. An dessen Entwicklung seien acht Nationen beteiligt gewesen. So stellt Rheinmetall im nordrhein-westfälischen Weeze Rumpfteile für die F-35 her. Ein Beispiel für die Kooperationsbereitschaft nicht nur der deutschen Industrie; auch aus anderen europäischen Ländern werden Teile für die F-35 zugeliefert. Das Projekt zeige, wie eng Industrien verflochten seien, sagt der Verteidigungsminister: „Es ist ein multinationales Projekt.“

Verteidigungsminister Pistorius in den USA

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Washington während seiner USA-Reise. In Texas ist Pistorius bei der Übergabe des ersten F-35-Kampfjets an die Bundeswehr dabei. © Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld

Das gilt erst recht für die Verwendung. Die F-35 werden in 13 Nato-Staaten schon jetzt oder demnächst eingesetzt, bis 2035 dürften in Europa 700 der Flugzeuge stationiert sein. Zwar baut die Luftwaffe parallel auch ihre bislang rund 140 Maschinen umfassende Eurofighter-Flotte aus, 20 weitere Flugzeuge sind bestellt. Aber in der Führung der Luftwaffe wird schon länger dafür geworben, auch zusätzliche F-35 zu beschaffen. Sie seien nicht nur relativ schnell verfügbar, sie könnten neben der nuklearen Teilhabe auch konventionelle Aufgaben übernehmen, etwa bei der Aufklärung und Bekämpfung von Zielen in der Luft und am Boden. „Da zahlreiche Nato-Staaten die F-35 bereits nutzen oder ihre Beschaffung planen, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der multinationalen Zusammenarbeit“, erklärt die Bundeswehr.

„Kill Switch“ soll nicht möglich sein

Mitunter gibt es allerdings Bedenken, dass die USA die Software der Kampfjets bei Bedarf manipulieren könnten. Voriges Jahr wurden deshalb vereinzelt Forderungen laut, die Bestellungen rückgängig zu machen. Doch in der Bundeswehr gilt die Abhängigkeit von den USA nicht als Problem. Zum einen, heißt es in der Luftwaffe, sei die Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften weiter sehr gut, ein solches Manipulationsszenario nicht realistisch. Ein echter „Kill Switch“, die von einigen Experten befürchtete komplette Abschaltung der Flugzeuge aus der Ferne, ist nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums auch gar nicht möglich.

Zum anderen verweisen die Befürworter auf die Vorteile der Maschinen: „Einige Fähigkeiten bieten nur die F-35. Ich kann mit Software-Abhängigkeit besser leben als mit der Aussicht, im Luftkampf einem Gegner unterlegen zu sein“, sagt ein ranghoher Luftwaffenoffizier.

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Allerdings ist die Frage, ob weitere Bestellungen nicht die Bemühungen schwächen könnten, einen eigenen europäischen Kampfjet der sechsten Generation zu bauen. Nach dem im Juni verkündeten Aus für das deutsch-französisch-spanische Projekt des FCAS-Kampfjets bereiten sich deutsche Unternehmen eigentlich darauf vor, als Alternative ein eigenes Flugzeug zu entwickeln – gemeinsam mit europäischen Partnern, zu denen etwa der schwedische Rüstungskonzern Saab gehören könnte. Auch eine Beteiligung an einem laufenden Kampfjetprojekt von Rüstungsschmieden aus Italien und Großbritannien ist denkbar.

Doch sollte Deutschland jetzt in größerem Maßstab auf die F-35 für die fünfte Generation setzen, könnte das die Ambitionen für eine teure Eigenentwicklung für die sechste Generation bremsen. Unter Experten wird ohnehin heftig diskutiert, ob es im Zeitalter der Drohnentechnologie künftig noch bemannte Kampfjets brauche. Die Führung der Luftwaffe bejaht das mit Nachdruck. Zu den Wortführern der Kritiker zählt Tech-Milliardär Elon Musk. Er nennt die verantwortlichen Kampfjetingenieure „Idioten“.