Erbschaftsteuer: Warum Unternehmer aus dem Ruhrgebiet uneins sind
Wie gerecht ist die Erbschaftsteuer? Mit dieser Frage beschäftigt sich an diesem Dienstag das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Zum Auftakt der Verhandlung stellte Gerichtspräsident Stephan Harbarth das Gerechtigkeitsempfinden bei der Besteuerung von Erbschaften der Sorge um Unternehmen und Arbeitsplätze gegenüber. Auch im Ruhrgebiet gehen die Meinungen dazu auseinander.
Erbschaftsteuer: Kritik an der Bevorzugung großer Vermögen
Peter-Christian Zinn aus Wetter führt sechs Unternehmen mit insgesamt rund 30 Beschäftigten. Eines davon ist die Zukunft Wohnen GmbH, die geförderten Wohnungsbau entwickelt und vermarktet. Zinn gehört zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes an die Bundesregierung, der eine gerechtere Erbschaftsteuer fordert.
"Wir leben in Deutschland in einem Hochsteuerland, was Einkommen betrifft, während wir für Vermögen eine Steueroase sind. Das heißt, die Last unseres Staates, die Finanzierung unseres Staates liegt in Deutschland fast ausschließlich bei den Einkommen, Vermögen werden hierzu überhaupt nicht herangezogen." Peter-Christian Zinn
Unternehmer
Das Argument, die Vergünstigungen sicherten Arbeitsplätze, lässt Zinn nicht gelten. Denn Innovationen würden vor allem von Neugründungen und Startups getragen. Und diese brächten neue Arbeitsplätze.
Unternehmensnachfolge: Atlas-Chef verteidigt Steuerprivilegien
Ganz anders sieht das Hendrik Schabsky, Inhaber des Dortmunder Familienunternehmens Atlas. Der Hersteller produziert jährlich 2,7 Millionen Paar Sicherheitsschuhe. Rund 1.450 Menschen arbeiten für das Unternehmen, davon 250 in Dortmund, die übrigen überwiegend in Brasilien. Dort werden die Leisten gefertigt, in Dortmund die Sohlen.
Schabsky übernahm den 1910 gegründeten Betrieb mit 26 Jahren von seinem Vater. Heute, mit 32, führt er das Unternehmen in fünfter Generation. Ohne die Ausnahmen bei der Erbschaftsteuer hätte er die Firma nach eigener Einschätzung nicht übernehmen können, ohne Schulden aufzunehmen oder Teile zu verkaufen:
"Ohne Ausnahmeregelung wäre das sehr schwierig für uns geworden. Die Bewertung wird anhand des Unternehmenswertes vorgenommen und darauf wird die Erbschaftssteuer fällig. Und das sind die Menschen, die Maschinen. Das hätten wir nicht bezahlen können, diese Rechnung." Hendrik Schabsky, Geschäftsführer der Atlas Schuhfabrik
Für Schabsky sind Privatvermögen und Betriebsvermögen zwei unterschiedliche Dinge. Die steuerlichen Vorteile seien gerechtfertigt, wenn sie den Fortbestand von Unternehmen und Arbeitsplätzen sicherten.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Hendrik Schabsky, Geschäftsführer der Atlas Schuhfabrik
- WDR-Interview mit Peter-Christian Zinn, Unternehmer aus Wetter
- Offener Brief an die Vorsitzenden der Regierungsparteien für eine faire Erbschaftssteuer
- dpa