Überschuldung bei jungen Menschen steigt – Expertin verrät, wann Finanzerziehung beginnen sollte


Fast 7 Prozent der jungen Erwachsenen sind überschuldet – Expertin erklärt, was Eltern tun können

Stand: 21.07.2026, 07:20 Uhr

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Taschengeld, Budgetieren, Investieren: Finanzexpertin Magdalena Sporkmann erklärt, warum Kinder früh lernen sollten, mit Geld umzugehen. Sie sieht in Finanzbildung auch eine Frage der Chancengleichheit.

Bonn – Sparschwein und der erste Ferienjob: Der Umgang mit Geld gehört zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Wie lernen sie, damit verantwortungsvoll umzugehen? In vielen Familien übernehmen Eltern diese Aufgabe. Finanzexpertin und Autorin Magdalena Sporkmann sieht das als wichtig an – doch sie betont, das reiche nicht.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Auch Schulen müssen nach ihren Worten in die Verantwortung genommen werden. „Ich finde Finanzbildung genauso wichtig wie das Erlernen von Fremdsprachen.“

Ein Kind mit hält beide Hände offen und zeigt sein Taschengeld, das sich aus einem Schein und mehreren Münzen zusammensetzt

Finanzbildung ab dem Kindesalter kann für einen bedachteren Umgang mit Geld sorgen. © Melina Schütz/KNA

Mit der Finanzerziehung sollte nach Ansicht der Expertin begonnen werden, sobald Kinder verstehen, dass Geld gegen Waren oder Dienstleistungen getauscht wird. Ein festes Alter lasse sich dafür nicht nennen, da sich Kinder unterschiedlich entwickeln. Entscheidend sei, alltägliche Situationen zu nutzen und Geld zu einem selbstverständlichen Gesprächsthema zu machen.

Dank leichtem Geldausgeben verschuldet

Wer früh lerne, eigene Einnahmen und Ausgaben zu planen, entwickle nicht nur finanzielle Kompetenz, sondern schaffe sich später auch größere Handlungsspielräume, stellt Sporkmann fest. Sie verweist auf aktuelle Zahlen des Schuldneratlas Deutschland: Demnach waren 2025 rund 6,95 Prozent der unter 30-Jährigen überschuldet.

Gemeint sind dabei nicht kurzfristige Kontoüberziehungen, sondern Menschen, die ihre Verbindlichkeiten dauerhaft nicht mehr begleichen können. Die Expertin sieht dafür mehrere Ursachen. So würden junge Menschen über soziale Medien ständig mit Kaufanreizen konfrontiert.

Gleichzeitig machten digitale Bezahlmethoden das Geldausgeben immer abstrakter und zugleich einfacher. Anders als Bargeld vermittle das Bezahlen per Smartphone oder Karte kaum noch das Gefühl, tatsächlich Geld loszuwerden. In der Folge geraten manche laut Sporkmann sehr schnell in Schulden, ohne es rechtzeitig zu merken.

Taschengeld – ohne Wenn und Aber

Eine zentrale Rolle, um den Umgang mit Geld zu lernen, spielt das Taschengeld. „Es sollte regelmäßig, bedingungslos und in einer festen Höhe ausgezahlt werden“, erklärt Sporkmann. Nur so lernten Kinder, mit einem begrenzten Budget zu wirtschaften und Prioritäten zu setzen.

Wird Taschengeld dagegen als Belohnung oder Strafe eingesetzt, verliert es seinen pädagogischen Zweck. Anfangs sollte das Geld bar übergeben werden, später könne auch ein eigenes Girokonto sinnvoll sein. So lernten Kinder schrittweise den Umgang mit digitalen Zahlungsmitteln.

Mit einem Budget wirtschaften lernen

Ab etwa 14 Jahren hält Sporkmann zusätzlich ein sogenanntes Budgetgeld für sinnvoll: Jugendliche erhalten einen größeren Betrag, aus dem sie bestimmte regelmäßige Ausgaben wie Kleidung, Kosmetik oder das Mittagessen außerhalb des Elternhauses selbst bezahlen. Dadurch übernähmen sie schrittweise mehr Verantwortung für ihre finanziellen Entscheidungen.

Zum Lernprozess gehören auch Fehler. Wenn das Taschengeld vorzeitig ausgegeben ist und deshalb ein Kinobesuch ausfallen muss, sei das eine wichtige Erfahrung, sagt die Expertin. Anders sei es bei grundlegenden Bedürfnissen wie dem Mittagessen – dort müssten Eltern selbstverständlich einspringen.

„Wer immer alles auffängt, vermittelt unbewusst, dass später ohnehin jemand rettend einspringt.“ Genau das sollte aber nicht die Botschaft sein: „Kinder sollen lernen, ihr Leben später möglichst eigenständig zu gestalten.“

Geld als Belohnung für zusätzliche Aufgaben

Beim Thema Arbeiten plädiert die Expertin für einen Mittelweg. Die üblichen Aufgaben im Haushalt gehörten selbstverständlich zum Familienleben und sollten nicht bezahlt werden. Zusätzliche Arbeiten – etwa das Auto waschen oder größere Hilfeleistungen im Haus – könnten dagegen vergütet werden.

„Kinder sollen lernen, dass ihre Arbeitsleistung einen Wert hat“, sagt Sporkmann. „Außerdem können sie in einem geschützten Rahmen auch Verhandlungen üben: Was übernehme ich zusätzlich, und was ist mir das wert?“

Ebenso sinnvoll seien Schüler- und Ferienjobs. Wichtig sei allerdings, dass Schule, Freizeit und Freundschaften nicht unter dem Geldverdienen litten, betont Sporkmann. Eltern sollten ihre Kinder dabei begleiten und gemeinsam überlegen, welche Tätigkeit zu ihnen passe. Besonders Kinder, die ständig neue Wünsche äußerten, könnten so erfahren, wie viel Arbeit hinter einem selbst verdienten Euro steckt.

In der Familie über Geld sprechen

Nach Ansicht der Expertin sollten Eltern generell offener über Geld sprechen. Kinder dürften ruhig erfahren, dass auch Erwachsene meist Prioritäten setzen müssten – etwa wenn es um den Sommerurlaub, ein neues Auto oder größere Anschaffungen gehe. Ebenso wichtig seien eigene Sparziele.

Ob mit einem Sparglas, einer Geldbox oder einem Konto mit Unterkonten: Kinder sollten erleben, wie langfristiges Sparen funktioniert und dass sich nicht jeder Wunsch sofort erfüllen lässt, erklärt Sporkmann.

Die Bedeutung von Finanzbildung reiche weit über den privaten Geldbeutel hinaus. Der Umgang mit Geld sei auch eine Frage sozialer Chancengleichheit. In vermögenden Familien werde Finanzwissen oft selbstverständlich weitergegeben, während es in vielen anderen Haushalten fehle, hat die Expertin erfahren.

Finanzerziehung als Weg zur Chancengleichheit

„Wer im Kapitalismus Geld hat, kann mitentscheiden“, sagt Sporkmann. Genau deshalb sei es so wichtig, dass möglichst viele Menschen verstehen, wie Geld, Sparen und Investieren funktionieren.

Finanzerziehung hat für sie daher auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion: „Wer früh lernt, mit Geld umzugehen, hat später mehr Wahlmöglichkeiten und kann langfristig etwas aufbauen. Finanzbildung ist deshalb auch eine Frage von Chancengleichheit.“