Abriss drohte: Jugendliche retten Hamburgs altes Bauernhaus
Hamburg
Fast fertig! Diese Jugendlichen retten Hamburgs ältestes Bauernhaus
Das Hufnerhaus in Allermöhe ist eines der ältesten Gebäude Hamburgs. Vor zehn Jahren wäre es beinahe abgerissen worden. Ein Sozialprojekt rettete es – jetzt beginnt der Innenausbau.
Der Abriss war schon beschlossen. Zehn Jahre ist es her, dass das historische Hufnerhaus, das zu den ältesten Gebäuden ganz Hamburgs zählt, in letzter Sekunde durch einen genialen Kniff gerettet wurde: Seine Sanierung wurde zu einem Sozialprojekt für Jugendliche. Jetzt ist die Außenhaut fertig – und die jüngste Gruppe beginnt mit dem Innenausbau.
Mit Schmackes klatscht Camille eine Ladung Lehm an die Mauer im Inneren des Hufnerhauses am Moorfleeter Deich 483 (Allermöhe) und verstreicht es anschließend mit der Kelle. „Das geht ganz schön auf die Schultern“, erzählt die 18-Jährige, die seit dem 1. September gemeinsam mit vier weiteren Abiturienten zum 11. Jahrgang der Jugendbauhütte Hamburg gehört. „Abends fällt man todmüde ins Bett”, berichtet Luise (ebenfalls 18).
Zehn Jahre nach Start der Sanierung: Außenhülle des historischen Hufnerhauses ist fertig. Jetzt beginnt der Innenausbau
Gegründet wurde das Projekt von dem ehemaligen Schulleiter des Gymnasiums Allee in Altona-Nord, Ulrich Mumm. Als der vor zehn Jahren in Pension ging, hatte er eine Idee: die Rettung des Hufnerhauses von 1547, das damals nur noch eine Ruine war, zum Inhalt eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) zu machen.
Dabei würden jeweils fünf bis sieben Jugendliche aus ganz Deutschland ein Jahr lang zusammen in einer WG leben und tagsüber handwerklich tätig werden. Durch die Arbeit an dem kulturhistorischen Juwel gleich gegenüber dem Eichbaumsee erhalten sie Einblick in verschiedene Gewerke wie Maurerei, Zimmerei, Dachbau, Restauration und Denkmalpflege.
„Viele gehen danach ins Handwerk, einige in den Holzbau. Manche beginnen ein Studium der Architektur“, berichtet Ulrich Mumm. Das Interesse an der Jugendbauhütte sei groß. Jedes Jahr gebe es gut 30 Bewerbungen auf die begrenzten Plätze. „In den Schulen wird seit der Abschaffung des Werkunterrichts heutzutage kaum noch mit den Händen gearbeitet. Hier können die jungen Leute erste Erfahrungen sammeln.“ Man spürt: Die Jugendbauhütte wurde über die Jahre zu Mumms Herzensprojekt.
Projekt Jugendbauhütte: FSJ als Einstieg ins Handwerk
Für Josef aus Bremen war es zuerst nicht ganz leicht. „Es ist schon sehr schmutzig. Überall sind Spinnen und Spinnweben. Am Anfang hat man schon Hemmungen, einfach so in den Lehm zu fassen. Aber man gewöhnt sich schnell daran.“
Während die früheren Jahrgänge die Außenmauern, Fenster und das Dach fertiggestellt haben, ist jetzt der Innenraum dran. Emily und Mika haben am Vormittag eine alte Güllerinne gepflastert und so wiederhergestellt. Später sollen noch die Innengefache gemauert und Bohlen verlegt werden. Geplant ist außerdem der Einbau einer Küche.
Finanziert wird die gemeinnützige Jugendbauhütte überwiegend aus Zuwendungen von Stiftungen und Privatleuten. Mit den Spenden können die rund 200.000 Euro Betriebskosten pro Jahr größtenteils gedeckt werden. Manchmal übernehmen die Jugendlichen aber auch kleine Aufträge von öffentlichen oder gemeinnützigen Unternehmen, wodurch geringfügige Einnahmen entstehen.
Auch bei Sanierung der Schule Kirchwerder packen Jugendliche mit an
Spätestens 2030 soll das Hufnerhaus fertig sein und wieder im alten Licht erstrahlen. Dann können hier schon wie vor 500 Jahren Hochzeiten oder andere Privatfeste gefeiert werden. Aber auch Vorträge, Seminare oder Konzerte können hier stattfinden: Das alte Bauernhaus wird ein Veranstaltungsort.
Es wird eine kleine Ausstellung zur Dokumentation der Geschichte, der Sanierungsarbeiten und der archäologischen Ausgrabungen geben. Außerdem ist ein Büroraum für die Jugendbauhütte geplant.
Denn die Fertigstellung des alten Fachwerkhauses soll keinesfalls das Ende des Sozialprojekts bedeuten. Weitere Sanierungen sind geplant – und zum Teil auch schon im Gange. Dazu gehört die alte Schule Kirchwerder.
Für Emily aus Flensburg, die sich vorstellen könnte, nach dem FSJ eine Ausbildung zur Tischlerin oder Zimmerin zu machen, ist die Arbeit an der Schule besonders reizvoll. „Es ist toll, dort mit den Gesellen zusammenzuarbeiten.“