Wintersemester startet: Unis müssen nur eine kleine Delle bei Studienanfängern hinnehmen
Weil NRW zum Abitur nach 13 Schuljahren zurückgekehrt ist, gab es diesen Sommer über 40.000 Abiturientinnen und Abiturienten weniger als im Vorjahr - insgesamt nur rund 27.000. Deshalb rechneten die Hochschulen mit zehntausenden Studierenden weniger.
Auf diesen sogenannten "weißen Jahrgang" hatten sich die Hochschulen im Land aber vorbereitet und zum Beispiel gezielt in Marketing-Maßnahmen oder neue Informationsangebote für Studieninteressierte investiert. Die Landesrektorenkonferenz (LRK) der Universitäten war für den schlimmsten Fall von einem Rückgang der Studienanfänger um 40 Prozent an den Unis ausgegangen.
Mehr Interesse an Studium in NRW als erwartet
"Es wird ein bisschen mehr Platz in den Hörsälen geben", prophezeite Martin Paul mit Blick auf die Unis im Land. Für Studierende und Lehrende könnten das sogar angenehme Bedingungen sein. Die Uni Siegen erwartet, dass Studierende bessere Möglichkeiten haben, ihre Wunschveranstaltungen zu belegen. "Zugleich entstehen Spielräume, um Studienangebote qualitativ weiterzuentwickeln und die individuelle Betreuung zu stärken".
Auch wenn diese kleine Verschnaufpause mancherorts gern gesehen ist, freuen sich die Hochschulen, dass nächstes Jahr wieder Normalbetrieb herrschen soll. Eine Sprecherin der Bergischen Uni Wuppertal betont: "Unser Ziel bleibt es natürlich, möglichst viele Studieninteressierte zu gewinnen, die ihr Studium auch erfolgreich zum Abschluss bringen".
Volle Hörsäle in Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
Unter den neuen Erstsemestern werden wahrscheinlich auch mehr Studierende aus anderen Bundesländern sein als sonst. Denn die NRW-Hochschulen hatten im Sommer mit einer Kampagne in benachbarten Bundesländern gezielt um Studierende geworben.
Trotz sinkender Studierendenzahlen ist ein Thema aber geblieben: Wohnen ist in vielen Städten in NRW teuer. Zwar verteuern sich die Mieten mancherorts nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren, doch bleibt der Mietmarkt angespannt. So standen auch kurz vor Semesterbeginn noch zehntausende in NRW auf den Wartelisten der Studierendwerke für Wohnheimplätze, berichtet das Deutsche Studierendenwerk.
"Vor dem Hintergrund anhaltender Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich entsteht bei vielen zudem der Eindruck, dass studentische Lebensrealitäten in politischen Entscheidungsprozessen zu wenig berücksichtigt werden." Nils Lange, Landes-ASten-Treffen
Gemischte Gefühle unter Studierenden in NRW
Viele Studierende freuen sich, dass nun wieder Leben auf den Campussen einkehrt, berichtet Nils Lange vom Landes-ASten-Treffen. "Die Ergebnisse der vergangenen Landtagswahlen haben dabei auch viele Studierende beschäftigt und die Sorge verstärkt, dass gesellschaftliche Spannungen, Ausgrenzung und Diskriminierung weiter zunehmen könnten". Soziale Kontakte und der Austausch über Sorgen und Nöte seien wichtig. Deswegen wolle man Hochschulen als offene und sichere Orte erhalten und dafür einzustehen, erklärt Lange.
Neues Hochschulgesetz
Im nun startenden Semester werden die Auswirkungen des neuen Hochschulstärkungsgesetz zum ersten Mal sichtbar. Es soll die Hochschullandschaft modernisieren, reagiert auf neue Entwicklungen wie KI und stärkt die wissenschaftliche Weiterbildung. Diese neuen Vorgaben müssen nun in eigene Bestimmungen und Ordnungen umgesetzt und mit Leben gefüllt werden.
"Es sind Wege eröffnet worden, die wir in der Vergangenheit so nicht hatten wie Gründungsfreisemester. Es sind jetzt alle Hochschulen in der Umsetzung, denn es gibt eine ganze Reihe an Dingen, die im Gesetz neu ermöglicht werden." Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule
Das Gesetz enthält auch Bestimmungen, um Machtmissbrauch und anderes Fehlverhalten zu ahnden. Unter anderem Personalräte, Gewerkschaften und Studierendenvertreter halten dies für eine sinnvolle Entwicklung. "Gerade angesichts der strukturellen Abhängigkeits- und Machtverhältnisse innerhalb von Hochschulen ist es wichtig, wirksame Schutz- und Verfahrensstrukturen zu schaffen", erklärt Nils Lange vom Landes-ASten-Treffen NRW.
Hochschulgesetz muss sich in Praxis bewähren
Kein anderes Bundesland hat so weitreichende Bestimmungen, um Fehlverhalten zu ahnden, wie NRW. Deswegen waren sie heftig diskutiert worden. Kritiker befürchteten mehr Bürokratie und ein Nebeneinander von verschiedenen Regelwerken. Im neuen Studienjahr wird sich zeigen, ob sich die neuen Bestimmungen in der Praxis bewähren.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Ina Brandes, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft
- Gespräch mit Bernd Kriegesmann Vorsitzender der Landesrektor_innenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
- Landesrektorenkonferenz der Universitäten
- Heinrich Heine Universität Düsseldorf
- Universität Siegen
- Universität Münster
- Bergische Universität Wuppertal
- Landes-ASten-Treffen NRW
- Deutsches Studierendenwerk
- Eigene Recherche
Sendung: WDR.de, Neues Semester beginnt, 01.10.2026, 5 Uhr