Frankfurter OB verspricht Gastronomen Lösung für Außengastronomie
Stand: 19.09.2026, 06:00 Uhr
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Oberbürgermeister Mike Josef besuchte am Freitag die Kaiserstraßen-Anlieger und hörte sich die Klagen der Wirte an. Die Stadt will noch in diesem Jahr Planungssicherheit für die Außengastronomie schaffen.
Frankfurt – Nach wochenlangem Ringen um die Außengastronomie im Frankfurter Bahnhofsviertel hat Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) den Gastronomen Unterstützung zugesagt. Gemeinsam mit Verkehrsdezernent Yannik Schwander (CDU), Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) und Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer (CDU) machte er sich am Freitag bei einem Rundgang durch der Kaiserstraße ein Bild von der Lage. Im Mittelpunkt standen Einfassungen, Windschutz, zusätzliche Außenflächen und mehr Planungssicherheit.

Kanwalpreet Gill von Eat-Doori schilderte einen Konflikt, der aus Sicht vieler Wirte längst über Gestaltungsfragen hinausgeht. „Wir wollen keine Sonderrechte, sondern Dialog statt vollendeter Tatsachen“, sagte er. Die Betriebe hätten kein Problem mit Regeln. „Aber gewisse Kleinigkeiten könnte man zurückdrehen.“ Inzwischen würden selbst Details beanstandet, etwa wenn ein Sonnenschirm an einen Baum stoße oder ein Stuhl zu weit links oder rechts steht. Gleichzeitig sind Schutzvorkehrungen entfernt worden, obwohl Beschäftigte und Gäste Belästigungen und Übergriffen ausgesetzt sind.
Der Streit schwelt seit dem Sommer. Das Amt für Straßenbau und Erschließung hatte nach Kontrollen an der Kaiserstraße Rückbauten und Änderungen an Terrassen verlangt. Betroffen waren unter anderem Abgrenzungen, Wind- und Sichtschutz sowie Außenflächen vor benachbarten Geschäften. Für Teile der Außengastronomie hätten zuvor Genehmigungen bestanden, die später wieder zurückgenommen worden seien, sagten die Gastronomen. Der Ortsbeirat 1 sprach sich daraufhin für besondere Gestaltungsregeln für das Bahnhofsviertel aus.
Gill forderte, Terrassenumrandungen als Schutzmaßnahme zu behandeln. Wegen der besonderen Sicherheits- und Ordnungslage müssten andere Lösungen möglich sein. Auch die Bestuhlung vor Nachbargebäuden solle mit deren Zustimmung wieder erlaubt werden. „Jeder Quadratmeter gepflegter Terrasse ist ein Quadratmeter weniger, auf dem sich Drogenszene und Herumlungernde niederlassen“, sagte Gill. Ziel ist für die Gastronomen eine gemeinsame Regelung spätestens für die Saison 2027.
Bei dem Rundgang wurde deutlich, wie eng gepackt die unterschiedlichen Interessen im Viertel sind. Vor einem Hotel ging es etwa um Privatgrund, auf dem zugleich ein Wegerecht besteht, daneben um die Abgrenzung einer Sondernutzungszone. Die Gastronomen verwiesen auf Uringeruch, Belästigungen und die Sorge von Beschäftigten, auf dem Weg zur Arbeit angegriffen zu werden. Gerade im Sommer seien die Außenflächen wirtschaftlich entscheidend. Fielen sie weg, könnten manche Betriebe Teile ihres Geschäfts nicht mehr aufrechterhalten.
Abstimmungen schnell vorantreiben
Josef machte deutlich, dass die Beschwerden angekommen seien. „Wir nehmen das ernst“, sagte er. Es gehe auch darum, Gäste zu schützen. Die Stadt dürfe sich nicht selbst Möglichkeiten nehmen, die zur Belebung und Stabilisierung des Viertels beitrügen. Zugleich stellte sich Josef vor die Beschäftigten der Verwaltung. Angriffe oder Beleidigungen gegen städtische Mitarbeiter seien „völlig inakzeptabel“. Die neue Stadtregierung wolle auch möglichst noch in diesem Jahr eine Lösung finden und spätestens für die kommende Saison Planungssicherheit schaffen. Josef verwies darauf, dass nicht jede Maßnahme vom Staat organisiert werden müsse. Gewerbetreibende könnten sich auch untereinander organisieren, die Stadt müsse dafür aber die Voraussetzungen schaffen. „Das Bahnhofsviertel hat andere Probleme als viele andere Teile Frankfurts“, sagte er. Schwander betonte Verkehrssicherheit und eine gerechte Aufteilung des öffentlichen Raums. Schäfer hob klare Regeln und ein gepflegtes Stadtbild hervor.
Gwechenberger sprach zudem ein Förderprogramm an, mit dem Eigentümer, Einzelhändler und Gastronomen Projekte zur Aufwertung des Viertels umsetzen können. Auch die Initiative SOS Bahnhofsviertel fordert Sonderregeln, darunter befristete Einfriedungen, Windschutz, die Nutzung von Nachbarflächen und Möglichkeiten zur Elektrifizierung. Sollte es keine Einigung geben, verlangt die Initiative im Oktober einen Runden Tisch.

Nazim Alemdar, Betreiber des Yok-Yok-Kiosks gegenüber dem Hauptbahnhof, warnte aber auch davor, bisherige Fortschritte kleinzureden. „Es gibt auch Dinge, die etwas verbessert haben, etwa die Waffenverbotszone oder das Lachgasverbot“, sagte er. Zu den weiteren Plänen gehört eine Polizeiwache im Viertel. Josef kündigte an, die Abstimmung innerhalb der Stadt voranzutreiben. „Unser Anspruch ist, die Probleme nicht nur zu beschreiben, sondern gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“