Galeriefest lockt Besucher an viele Orte – auch in Bunkerstollen


Stand: 23.08.2026, 17:27 Uhr

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Eröffnen im September ihre Galerie im Philosophenweg 1: Künstler Alain van Gils und Coachin Kathrin Krönig.

Eröffnen im September ihre Galerie im Philosophenweg 1: Künstler Alain van Gils und Coachin Kathrin Krönig, zwischen zwei der „Big Animal Portraits“. © Foto: Valerie Schaub

Beim Galeriefest in der Kasseler Südstadt konnten Besucher am Wochenende in die Stollen des Weinbergbunkers steigen. Bei rund 10 Grad erzählte ein Feuerwehrmann dort von Zwangsarbeitern, Kriegsflüchtlingen und einer illegalen Technoparty aus dem Jahr 1992.

Kassel – Ob besondere Kunst, besondere Menschen oder besondere Orte: Wer beim Galeriefest in der Kasseler Südstadt unterwegs war, durfte all das kennenlernen. Man konnte in Galerienschaufenstern in bunte Gesichter schauen, mit Ahornblättern weiße Tischdecken bedrucken, etwas über das Kneipensterben erfahren und in den Stollen des Weinbergbunkers Geschichten lauschen. Da gab es Düstere, etwa wie Verwundete Rücken an Rücken auf stinkenden Krankenbetten saßen, und weniger Düstere, etwa wie eine Horde Partywütiger 1992 im letzten Stollen illegal eine Technoparty veranstaltete.

Der Reihe nach. Am Samstagnachmittag flattert auf dem Balkon der Weinbergterrassen Kunst in der Luft. Die Laken stammen von Arienne Pegel. Dass Wind, Sonne und Weinberg ihre Kunst in Szene setzen, ist für die Kasseler Kunststudentin etwas Besonderes. Mit mitgebrachten alten Tischdecken, Ahorn-, Rosen- und Brombeerblättern, einem Eimer mit Rostwasser und einem Kochtopf bietet sie an, selbst Pflanzendrucke herzustellen, und hilft den Besuchern dabei. Eine Etage tiefer bauen Diana Schormann mit Team vom Galeriefest das Open-Air-Kino auf, das am Freitag ins Wasser gefallen ist. Sie erklärt das Einzigartige am Galeriefest: vertreten sind von Studierenden über Hobbykünstler und Stadtteilaktive bis Profis alle. Für Gäste sind die Angebote dank Sponsoren kostenlos.

Am Fuße des Weinbergs blickt man in einem Schaufenster in die Augen eines bunten Zebras. Seine „Lady of Grace“, das Zebra, sei einfach aufgetaucht, an einem Freitag, erklärt Alain van Gils sein Kunstwerk. Im Philosophenweg 1 hat er seine Tierporträts ausgestellt, die gerade so aus ihm heraus auf die Leinwand sprudeln: eine Schildkröte, ein Wal, und gerade entsteht eine Giraffe. „Tiere haben keine Maske“, erklärt er. „Ich habe es mit Menschen versucht, das hat nicht geklappt.“ Seine Frau Kathrin Krönig bietet am selben Ort Coaching an.

Nächste Station: Weinbergkrug. Welcher Ort wäre passender für das Thema Kneipensterben, als die Kultkneipe der Südstadt? Florian Bode hat sich mit dem Thema in seiner Heimat zwischen Northeim und Einbeck beschäftigt. In gebrauchten Bilderrahmen hängen Fotos geschlossener Kneipentüren an der Wand, aus den Lautsprechern tönt das Glockengeläut einer Kirche, dann trällert Peter Alexander „Die kleine Kneipe in unserer Straße, da wo das Leben noch lebenswert ist“.

Galeriefest Südtstadt 2026: Mit bester Kulisse stellte Arienne Pegel ihre Pflanzendrucke an den Weinbergterrassen aus. Auf dem Foto rollt sie gerade einen neuen Druck.

An den Weinbergterrassen stellte Arienne Pegel ihre Pflanzendrucke aus. Auf dem Foto rollt sie einen neuen Druck. © Foto: Valerie Schaub

Bevor DJ Sweat auf dem Weinberg unter Wimpelketten seine Platten auflegt, geht es hinein in die Bunkerunterwelt. Thomas Schmidt vom Kasseler Feuerwehrverein wartet mit Taschenlampe und Geschichten ausgerüstet auf seine Gruppe, bevor er die kleine Eingangstür in eine andere Welt aufschließt.

Bei rund 10 Grad erfahren die Besucher, dass Zwangsarbeiter per Hand und Schippe einst die Stollen in den Berg trieben, dass später Bier und Eis dort lagerten. Sie erfahren, wie viele Menschen im Zweiten Weltkrieg hier Unterschlupf suchten und was sie erlebt haben. Und nicht zuletzt, wie der Bunker 1992 Ort einer abenteuerlichen Technoparty wurde, die fast böse geendet wäre.

Am Ende sind es nicht nur diese Geschichten, die das Galeriefest ausmachen, sondern vor allem die, die sie erzählen.