Garteln in einer Gemeinschaft: Neue Mitglieder sind willkommen
Stand: 19.09.2026, 06:00 Uhr
Kommentare

Die Solidarische Landwirtschaft Isartal baut 30 Gemüsesorten auf 2,8 Hektar bei Münsing an. Ein paar Abos sind aktuell noch möglich.
Münsing – Ein lauer Spätsommerwind, der Duft von frischer Erde und leuchtend gelbe Sonnenblumen vor blauem Himmel – der letzte „Offene Acker“ der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) Isartal präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Über 30 Mitglieder, Nachbarn und Neugierige nutzten kürzlich die Gelegenheit, um die Fülle auf dem Feld zwischen Münsing und Degerndorf hautnah zu erleben. Der fest angestellte Gärtner Daniel Kreißl zeigte den Besuchern, was im Moment alles erntereif ist: Zwiebeln, Mangold, Mais, Karotten, Buschbohnen, Lauch, Sellerie, Salat, Kürbisse und Kohl. Das gesunde Grünzeug – und ein wenig Obst – landet in der wöchentlichen Gemüsekiste. Sie ist für einen Monatsbeitrag von 88 Euro erhältlich. Wer die Kiste bezieht, beteiligt sich zusätzlich als Mitglied mit einem Genossenschaftsanteil von 150 Euro solidarisch an den Gesamtkosten der Gärtnerei. So werden Risiken wie ein starker Hagel oder eine Überschwemmung gemeinsam getragen. Jeden Mittwoch darf man sich dafür auf einen Teil der abwechslungsreichen Ernte freuen – am Vortag ganz frisch aus der Erde gezogen oder gepflückt. Die gut gefüllten Boxen holt man in einer der Verteilstationen zwischen Solln, Wolfratshausen und Feldafing ab. Jeder, der möchte, darf darüber hinaus beim Säen, Pflanzen, Ernten, Verpacken und Verteilen helfen, muss aber nicht.

Solawi Isartal sucht Mitglieder: Gemüsekiste für 88 Euro im Monat
Die Solawi Isartal wurde im September 2021 gegründet. Während der Corona-Pandemie lief der Verkauf sehr gut. „Den Menschen war es wichtig, dass sie wissen, wo ihr Essen herkommt. Und sie hatten plötzlich jede Menge Zeit zum Kochen“, erinnert sich Pressesprecherin Eva Weigell. Damals gab es rund 170 Abonnenten. Aktuell sind es 160 bei 350 Mitgliedern. Man muss keine Kiste bestellen als Mitglied und man kann sich eine zu zweit teilen. Daniel Kreißl und Eva Weigell sehen Kapazitäten für bis zu 200 Abos. Deshalb rührten die beiden überzeugten Solawisti am Tag der offenen Tür kräftig die Werbetrommel für das Projekt.
Veranstaltungen im Angebot
Neben dem Anbau und den Gemüsekisten bietet die Solawi Isartal auch Veranstaltungen auf dem Acker an. Am Samstag, 19. September, können Jung und Alt von 10.30 bis 12.30 Uhr bei der „Malzeit“ kreativ werden. Der Acker wird zum Freiluftatelier. Eine Wildkräuter-Entdeckungsreise mit einer Kräuterpädagogin findet am Samstag, 26. September, von 15 bis 17 Uhr statt. Zum digitalen Ackertreffen und Saisonabschluss lädt die SoLaWi für Donnerstag, 22. Oktober, von 19.30 bis 20.30 Uhr ein. Geplant ist ein gemütlicher Online-Abend mit Fotos aus dem Anbaujahr 2026, Zeit für Fragen, Wünsche und Pläne für die Zukunft – perfekt auch für Interessierte.
Alle Infos auf der Webseite unter solawi-isartal.de.
Kreißl, der zusätzlich in der Schlossgärtnerei Weidenkam arbeitet, bewirtschaftet die 2,8 Hektar große Freifläche mit einem Kollegen. Er plant die Fruchtfolge in Abstimmung mit den Genossen. Gedüngt wird mit organischem Material, unter anderem mit Mist von einem Münsinger Demeter-Bauern. Mit dem Traktor transportieren die Gärtner den Wassertank, gefüllt mit Quellwasser, von Weidenkam aufs Feld. Oft harken sie nur die Erde ein wenig, damit sich die Feuchtigkeit verteilt und sie weniger gießen müssen. Schädlinge bekämpfe er mit Nützlingen, die er aktiv anlocke, berichtet Kreißl. So pflanze er zum Beispiel Korn- und Ringelblumen neben Kohl. Die Blumen ziehen Schlupfwespen an, die Läuse und die Raupen des Kohlweißlings fressen. Nimmt das Unkraut, wie neulich das Franzosenkraut, einmal überhand, finden sich Freiwillige unter den Mitgliedern, die beim Ausrupfen helfen.
Aktuelle Nachrichten aus Münsing lesen Sie hier.
Die Bewirtschaftung geschieht in enger Kooperation mit der Schlossgärtnerei Weidenkam, der ebenfalls ein Teil des Ackers gehört. Die Gärtnerei verfügt zudem über ein Gewächshaus, was weitere Möglichkeiten eröffnet. Rund 30 Sorten werden laut Kreißl auf dem Genossenschaftsacker angebaut. „Wir haben jede Woche sechs verschiedene Gemüsearten in der Kiste“, erklärt Mitglied Uli Natterer. Im mitgelieferten „Knollenkurier“ finden sich Tipps zur Verarbeitung, Lagerung sowie leckere Rezepte, aktuell für einen Gurken-Karotten-Salat mit Sesam, Sojasauce und Limettensaft. Auch eher Ungewöhnliches wie Grünkohl oder Pastinaken stecken als Überraschung in der wöchentlichen Ökobox. Im Winter gibt es überwiegend Kartoffeln, Kohl, Feldsalat und Äpfel, importiert von einem Bioland-Bauern vom Bodensee.
„Mein Speiseplan hat sich verändert. Die regionalen und saisonalen Sachen tun mir richtig gut. Ich kaufe kaum etwas zu. Dafür friere und koche ich viel ein“, schwärmt Manuela Krause aus Geretsried. Im Bioladen sei die Ware meist schon eine Woche alt, bei Solawi nur einen oder zwei Tage: „Das sieht man und das schmeckt man.“ Krause teilt sich die Gemüsekiste mit jemandem, da sie alleine lebt. Sie hilft ehrenamtlich beim Packen in Weidenkam und kommt öfter aufs Feld zum entspannenden Garteln in Gemeinschaft. Die wird bei Solawi großgeschrieben.
+++ Uns gibt's auch auf Instagram! Unter „MerkurWolfratshausenGeretsried“ finden Sie immer die spannendsten Geschichten aus unserer Region +++