Handwerksbetriebe suchen Nachwuchs: „Wollen zählt mehr als Schulnoten"
Stand: 19.09.2026, 06:00 Uhr
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Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau schlägt Alarm: Geeignete Azubis zu finden sei das größte Problem der Betriebe. Er verspricht sogar vergütete Praktika – doch eine Bedingung gibt es.
Northeim/Uslar – Denkt man sich das Handwerk aus unserem Alltag weg, bleibt sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen. Die Herausforderungen für die Handwerksbetriebe sind groß, wie Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau im Gespräch mit der HNA betont. „Auch im Handwerk haben einige Betriebe aus verschiedenen Gründen aufgeben müssen.“ Die Chancen für junge Menschen seien hingegen besser denn je.
Die Aufträge sind für die Betriebe in der Region „kleinteiliger und somit wesentlich arbeitsintensiver geworden“, erklärt Schonlau. Die beiden Installationsgewerke hätten zufriedenstellende Anfragezahlen, „jedoch hapert es an Materialverfügbarkeit und Lieferzeiten“. Das mache Planung und Auslastung nicht leichter.
Die größten Sorgen bereiten den Betrieben, je nach Gewerk, aktuell fehlende Aufträge, steigende Kosten und fehlende Fachkräfte. „Sie hängen sehr eng zusammen und beeinflussen die Kalkulation in großem Maß.“ Höhere Preise bedeuten weniger Aufträge – ein Problem, nicht nur für die regionalen Handwerksbetriebe. „Das Bäcker- und Fleischerhandwerk ist stark betroffen von Fachkräftemangel und Lehrlingsrückgang und von der starken Konkurrenz durch die Lebensmittelindustrie und die marktpreisbestimmenden Supermarktketten. Aber auch im Bauhauptgewerbe steht der hohe Preisdruck mit stark gestiegenen Einkaufspreisen im Vordergrund“, sagt der Kreishandwerksmeister.
Um die Aufgaben zu bewältigen, benötige es engagierten Nachwuchs. Die Ausbildungsbereitschaft sei über alle Gewerke sehr hoch. „Leider ist es schwierig, geeignete Kandidaten für eine Berufsausbildung zu finden“, sagt Ulrich Schonlau. „Wir können immer wieder feststellen, dass die Ausbildungsbetriebe heute viele Aufgaben übernehmen müssen, die in Vorzeiten durch Schule und Elternhaus erbracht wurden.“ Die Handwerkerschaft bietet allen interessierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit, über, teilweise sogar vergütete, Praktika „die verschiedenen Berufe live und in Farbe zu erleben und kennenzulernen“, betont der Kreishandwerksmeister.
Für junge Menschen sei das Handwerk insbesondere deshalb ein attraktiver Arbeitgeber, weil von sicherer Ausbildung bei guter Vergütung, zukunftssicheren Arbeitsplätzen, vielfältigen Aufstiegsmöglichkeiten und uneingeschränkter Selbstständigkeit durch Meisterbrief oder nachfolgendes Studium alles geboten werde. „Der persönliche Einsatz, das Wollen, zählt mehr als Schulnoten und Lebensläufe“, betont Schonlau. Eine riesige Zahl an Handwerksbetrieben sucht Nachfolger. „Im Handwerk stehen deshalb alle Zukunftstore weit offen.“
Kunden setzen vermehrt KI ein
Eine Mauer hochziehen oder Fliesen verlegen – all das geht nur mit echtem Handwerk, mit Berufserfahrung und nicht mit der Künstlichen Intelligenz (KI). Die neue Technik ziehe aber dennoch in einigen Bereichen ein. „Wir erleben es zum Beispiel häufiger, dass Angebote mit der KI durch die Kunden geprüft werden und dieser Prüfung mehr Wahrheitsgehalt oder Glaubwürdigkeit entgegengebracht wird, als dem Handwerker“, berichtet Ulrich Schonlau.