Gasspeicher in Deutschland: Verband warnt vor leeren Gasspeichern ab Februar
Sind die Gasspeicher im November nur zu drei Viertel gefüllt, reichen diese Vorräte nicht, wenn der Winter kalt wird. Deutschland kann aber über andere Wege Gas bekommen.
Quelle: DIE ZEIT, dpa,
hell
- September 2026, 7:22 Uhr
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248 KommentareDeutschlands Gasspeicher könnten Anfang Februar vollständig leer sein, sollte der Winter sehr kalt werden. Das geht aus einem Papier des Gasspeicherverbandes Ines hervor, das mehrere Szenarien durchrechnet und in Berlin veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt der Schätzung ist, dass der Füllstand am 1. November bei 77 Prozent liegen wird.
Sollte der Winter warm oder normal kalt werden, reicht das gespeicherte Gas den Modellrechnungen zufolge locker aus. Im Falle eines sehr kalten Winters – also beispielsweise so kalt wie 2010 – würden die Speicherbestände dagegen nicht reichen, warnt der Verband.
Die Gasspeicher sind aber nur ein Standbein für die Energieversorgung von Industrie und Haushalten. Über die Flüssigerdgasterminals (LNG) an Deutschlands Küsten, die als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine installiert wurden, können recht zügig zusätzliche Kapazitäten vom Weltmarkt beschafft werden. Außerdem bekommt Deutschland Gas über Pipelines, etwa aus Norwegen. Sollte also absehbar sein, dass die Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt sind, können auf diesen Wegen Extrakapazitäten vom Weltmarkt gekauft werden.
Gasspeicher sind zu niedrig befüllt
Derzeit sind die Gasspeicher nur mäßig gefüllt: Am 6. September lag der Wert den Angaben zufolge bei rund 54 Prozent und damit etwa 19 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor. Zum 1. November könnten die Speicher damit nur zu maximal 77 Prozent gefüllt werden, mehr sei technisch gar nicht mehr möglich. Damit die 77 Prozent erreicht werden, müsste das zuletzt recht langsame Befüllungstempo deutlich anziehen, heißt es von dem Verband.
Gebucht haben die Gasfirmen den Angaben zufolge einen Speicheranteil von 83 Prozent. Dass sie einen Teil ihrer bezahlten Lagerkapazitäten ungenutzt lassen, verdeutlicht die schwierige Lage: Die Gaspreise sind selbst im Sommer so hoch, dass sich das alte Gasspeichergeschäftsmodell – im Sommer billig kaufen und im Winter teuer verkaufen – nicht mehr lohnt. Die hohen Gaspreise entstehen unter anderem durch den Irankrieg.
Die Gasspeicherbetreiber fordern von der Politik Erleichterungen und Anreize, um das Einspeichern von Gas attraktiver zu machen. »Die Speicherbefüllung muss wirtschaftlich tragfähig sein, damit sie von Marktakteuren auch tatsächlich realisiert werden kann«, sagt Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
Ministerium sieht Verantwortung bei Gashändlern
Das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) sah zuletzt aber keinen Anlass, aktiv zu werden. Auf die Frage, ob die Gasversorgung für den Winter gesichert sei, äußerte sich eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums kürzlich nicht klar, sondern appellierte an die Verantwortung der Händler. Das Haus von Reiche argumentiert, dass Deutschland inzwischen Gas aus mehreren Quellen beziehe.
Auch von der Bundesnetzagentur heißt es, dass ein Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage entscheidend sei für die Versorgungssicherheit. Außerdem weist die Behörde darauf hin, dass die Befüllung der Speicher grundsätzlich eine Aufgabe der Gashändler sei.