Union Berlin vor Spiel in München: "Geile Challenge" statt Angst vor dem FC Bayern


Mauro Lustrinelli, Trainer von Union Berlin, beim Spiel gegen Schalke 04. (IMAGO/Michael Taeger)

Union Berlin vor Spiel in München "Geile Challenge" statt Angst vor dem FC Bayern

Stand: 18.09.2026 • 17:48 Uhr

Ausgerechnet jetzt geht's zum FC Bayern: Mauro Lustrinelli hat seinen Unionern zum Saisonstart noch nicht sein bevorzugtes Spielsystem eingeimpft. Eine Frage lautet: Hat er dafür überhaupt das richtige Personal?

Zwei Tage vor der Partie beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München erklärt Union-Trainer Mauro Lustrinelli, was er dort sehen will: "Eine Mannschaft, die alles macht, um das Tor zu verteidigen." Und sobald es Chancen gibt, "alles macht, um Tore zu schießen", sagte der Schweizer am Mittwoch auf der Pressekonferenz.

Allerdings gehörte gerade das Verteidigen bislang nicht zu den Primärtugenden seiner Unioner. Zehn Gegentore gab es bereits, der Saisonstart war schwierig. Man könnte sagen: Das Bayern-Spiel kommt zur Unzeit.

Zählbares

Lustrinelli sah "Leichtigkeit" und "Energie" gegen Schalke

Union ist nach drei Spielen auf einen Relegationsplatz abgesackt. Doch Lustrinelli erkennt Fortschritte: "In den Spielen, die wir bisher gemacht haben, hat man gesehen, wir können schon Fußball spielen. Aber wir schaffen das noch nicht über 90 Minuten", sagte er. In der Vorwoche gegen Schalke 04 (1:3), da habe er in der 2. Halbzeit "Leichtigkeit", "Dynamik" und "Energie" beobachtet. "Dann können wir uns in Zukunft mehr Freude machen, das ist der Weg."

In der Offensive muss Union in München allerdings weiterhin auf Hoffnungsträger Andrej Ilic verzichten, auch Oliver Burke fehlt weiterhin. Das spricht für einen erneuten Einsatz von Latte Lath. Der konnte den Verkauf von Ilyas Ansah in die Premier League bislang aber nicht vergessen machen. Was Union in den ersten drei Spielen fehlte, war ein effizienter Vollstrecker. Die Frage ist, wer das in der Allianz Arena sein soll.

Abwehr-Umstellung funktioniert noch nicht

Dramatischer erscheint die Situation in der Verteidigung. Zehnmal durften Unions Gegner in der noch jungen Bundesliga-Saison jubeln. Fünf Gegentreffer kassierten die Köpenicker bereits jeweils in den ersten 30 Minuten.

Lustrinellis Umstellung von Fünfer- auf Viererkette scheint beim Abwehrpersonal hier und da zu Zuordnungsproblemen zu führen. Der bislang verletzte Rückkehrer Marvin Friedrich zeigte übrigens schon in den Jahren bei Borussia Mönchengladbach, dass er in einer Viererkette kein vergleichbar stabiler Rückhalt ist wie einst in der Unioner Fünferkette unter Urs Fischer. Anzunehmen, dass sein Comeback in der Viererkette à la Lustrinelli glatt verläuft, ist zumindest optimistisch.

Für mich ist es eine geile Challenge, gegen eine Mannschaft zu spielen, die die Ambition hat, die Champions League zu gewinnen. Wir haben nichts zu verlieren.

Union-Trainer Lustrinelli

Zum verständlichen Ruckeln bei der Systemumstellung kommt erschwerend hinzu, dass die Säulen der vergangenen Saison teils wanken: Leopold Querfeld und Rani Khedira liegen weit hinter ihrer Normalform zurück.

"Noch nicht verinnerlicht, wie wir Fußball spielen wollen"

"Das fehlt schon, dieser absolute Wille, das Tor zu verteidigen", sagte Lustrinelli über die bisherige defensive Vorstellung. Er sprach von "vielen kleinen Sachen", "individuellen Fehlern".

Er warb um Verständnis: "Oft, wenn man ein Projekt beginnt, passiert das. Wir haben noch nicht verinnerlicht, wie wir unseren Fußball spielen wollen." Doch in der Allianz Arena gibt es selten Gnadenfristen, um Abläufe zu verinnerlichen.

Auch die Bayern suchen ihre Bestform

Für ein Union Berlin in der beschriebenen Verfassung ist es der denkbar ungünstigste Termin. Eigentlich. "Für mich ist es eine geile Challenge, gegen eine Mannschaft zu spielen, die die Ambition hat, die Champions League zu gewinnen. Wir haben nichts zu verlieren", sagte Lustrinelli kämpferisch.

Tatsächlich sind die Bayern noch nicht die Bayern der vergangenen Saison, als sie den Gegner von der ersten Minute an in der Manier eines Schulhof-Rowdys vors Tor drückten und einen (Wirkungs-)Treffer nach dem anderen erzielten. Vor einem Jahr gab es unter Kompany 14 Tore nach drei Spielen, diesmal ist es nur die Hälfte.

Die Bayern sind noch auf der Suche nach ihrer Bestform. Ähnlich wie Union Berlin.

Sendung: rbb|24, 16.09.2026, 16:08 Uhr Audio: rbb|24, 16.09.2026, Tabea Kunze