Genossenschaft will in Südbrandenburg eigenen Strom produzieren


Calau und Vetschau

Genossenschaft will in Südbrandenburg eigenen Strom produzieren

Auf den Dächern der Wohngebäude der ProPotsdam in der Konrad-Wolf-Allee 15 bis 61 der Wohnsiedlung Drewitz ist eine Photovoltaik-Mieterstromanlage.  ( Quelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild /Jens Kalaene)
Auf den Dächern der Wohngebäude der ProPotsdam in der Konrad-Wolf-Allee 15 bis 61 der Wohnsiedlung Drewitz ist eine Photovoltaik-Mieterstromanlage. ( Quelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild /Jens Kalaene)

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"Dort wollen wir eine Photovoltaik-Anlage draufsetzen", sagt Volker Schulze und zeigt erst auf die Stadtbibliothek und dann auf Entwürfe, die an der Wand der Stadthalle in Calau (Oberspreewald-Lausitz) hängen. "Wir haben schon mal das Dach simuliert und wie es mit den Anlagen aussehen würde", erklärt Schulze bei einer Veranstaltung am Mittwochabend. Zusammen mit 18 weiteren Beteiligten aus der südbrandenburger Stadt Calau und dem benachbarten Vetschau hat Volker Schulze vergangenen Mittwoch eine Energiegenossenschaft gegründet.

Solarstrom von öffentlichen Dächern

Nachdem der Strom in der Region lange aus dem Kohlekraftwerk kam und die Einnahmen aus dem Braunkohleabbau selten in die abgebaggerten Kommunen selbst flossen, will die sogenannte Bürgerenergie-Oberspreewald-Lausitz eG (BEG OSL) selbst Strom und erneuerbare Energie produzieren. Wie das erste Projekt konkret aussieht, zeigte die Gruppe am Mittwochabend in der Stadthalle. Die Genossenschaft will Dächer von öffentlichen Gebäuden pachten, um darauf eigene Photovoltaik-Anlagen anzubringen - beispielsweise auf der Calauer Stadtbibliothek. Bisher gebe es auf den öffentlichen Gebäuden in Calau noch keine einzige Photovoltaik-Anlage, sagt Schulze.

Unabhängig von fossilen Energien

"Das Problem ist, dass erneuerbare Energie-Anlagen immer näher rücken, aber die Stromrechnung bei den Bürgern nicht niedriger", sagt Leo Hille, der auch Teil der Gruppe und Stadtverordneter in Calau ist. Das sei schwer vermittelbar und darunter leide auch die Akzeptanz der Energiewende, meint er.

Den auf den Dächern produzierten Strom will die Gruppe nun an die Städte Calau und Vetschau verkaufen - und zwar für einen niedrigeren Strompreis als bisher: weil keine Netzkosten, Umlagen oder Steuern bezahlt werden müssten, sagt Leo Hille. Das hat zwei Gründe: Da der Strom vom Dach gar nicht erst ins öffentliche Netz fließt, sondern in diesem Fall direkt an die Stadtbibliothek gehen würde, fallen Netzentgelte und Umlagen weg. Und auch auch die Stromsteuer, solange die Anlagen auf nicht mehr als zwei Megawatt ausgelegt sind.

Fünf Cent weniger pro Kilowattstunde

Dasselbe Prinzip gilt, sobald die Genossenschaft auch Solaranlagen auf Dächern von Kitas oder anderen kommunalen Gebäuden installiert. Dadurch könne die Genossenschaft den Kommunen laut Hille "einen Strompreis von vielleicht 25 Cent anbieten, anstatt der 30 Cent, die sie [die Kommune, Anm.d.Red.] gerade zahlt".

Außerdem ist bei Photovoltaik-Anlagen langfristig auch ein sogenanntes "Energy-Sharing" denkbar, wie Hille erklärte. Durch die seit Juni 2026 geltende Regelung könnte der Solarstrom von dem Dach eines kommunalen Gebäudes dann auch an andere in der direkten Nachbarschaft verteilt werden.

"Die Skeptiker, die kriegt man nur übers Geld"

Seit rund einem Jahr plante die Gruppe den Aufbau der Energiegenossenschaft. Am vergangenen Mittwochabend wurden die Entwürfe vor rund 50 Anwohnerinnen und Anwohner in der Stadthalle vorgestellt. "Ich will nicht, dass die Heimat abgebaggert wird", sagt einer von ihnen. Die Lösung seien Solar-, Wind- und andere alternative Energien, fährt er fort.

Ein anderer sieht in der Energiegenossenschaft eine Chance. "So blöd, wie das klingt: Ich denke die Skeptiker, die kriegt man nur übers Geld und eine Beteiligung." Einige andere sind gekommen, weil sie in den Medien schon ähnliche Projekten gesehen haben, in denen Kommunen ihre Energie unabhängig produzieren. "Und das ist mir hier in der Region überhaupt noch nicht ausreichend präsent", sagt einer der Gäste.

Der Mitgliedsbeitrag kostet mindestens 300 Euro - zusammengesetzt aus drei Geschäftsanteilen für jeweils 100 Euro. Laut der Genossenschaft kann sich jeder beteiligen, auch außerhalb der beiden Städte.

Mitglieder entscheiden über Rendite

Was mit der Rendite aus dem Solarstrom passiert, sollen die Mitglieder dann gemeinsam in der Generalversammlung entscheiden, wie Hille erklärt. Entweder könnte die Rendite ausgeschüttet werden und damit an die Mitlieder gehen oder sie werde reinvestiert. Bis zum kommenden Jahr will die Genossenschaft die ersten Photovoltaik-Anlagen installieren. Perspektivisch sei auch sehr interessant sich an anderen Technologien zu beteiligen, so Hille. Beispielsweise durch eine Beteiligung an Winderenergieanlagen oder Batteriegroßspeichern, wie er sagt.

Entstanden ist die Energiegenossenschaft gemeinsam mit der Bildungseinrichtung Spreeakademie und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Die Spreeakademie stellte beispielsweise Räume zur Verfügung, in denen die Gruppe sich regelmäßig traf. Daneben vermittelte sie aber auch Kontakte und unterstützte nach eigenen Angaben "an strategischen Stellschrauben".

Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 09.07.2026, 14:40 Uhr

Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 09.07.2026, Jakob Krüger

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