WM: Jude Bellingham ist auch gegen Norwegen Englands "Gamechanger"
Nächstes Drama-Spiel Jude Bellingham ist erneut Englands "Gamechanger"
Stand: 12.07.2026 • 07:16 Uhr
Gegen Norwegen weckt Jude Bellingham mit einer Weltklasseaktion die "Three Lions" aus ihrer Lethargie. Der 23-Jährige ist erneut der Mann für die wichtigen Tore.
Es zeichnet Weltklassespieler aus, dass man sie lange Zeit nicht sieht, sie aber jederzeit mit einer Aktion die Richtung eines Spiels ändern können. Jude Bellingham gehört zweifellos in diese Kategorie. Der 23-Jährige agierte, wie das gesamte englische Team, bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte im WM-Viertelfinale gegen Norwegen (2:1 nach Verlängerung) äußerst unauffällig - und war plötzlich wie aus dem Nichts zur Stelle.
Und zwar mit einer herausragenden Einzelaktion. Anthony Gordon spielte den Ball von der linken Seite ins Zentrum, wo Bellingham die Kugel an der Strafraumkante mit einem überragenden ersten Kontakt an- und mitnahm. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid ging links am norwegischen Verteidiger Torbjörn Heggem vorbei, lief bis an den Fünfmeterraum durch und traf mit links zum so wichtigen Ausgleich für die "Three Lions" kurz vor der Pause (45.+2).
Englands Jude Bellingham bejubelt seinen Treffer
Im Anschluss an seinen Treffer ballte Bellingham beide Fäuste und schrie seine Freude laut heraus. Sein Tor, das für Diskussionen sorgte, weil der Ball im Vorfeld des Treffers möglicherweise ein über dem Spielfeld gespanntes Kamerakabel touchierte, hatte sich überhaupt nicht angedeutet. Zuvor hatte England teilweise über 70 Prozent Ballbesitz gegen tief stehende Norweger, spielte aber maximal unkreativ und hatte nach dem Rückstand durch Andreas Schjelderup (36.) und der darauffolgenden Drangphase der Skandinavier Glück, nicht höher zurückzuliegen.
Doppelter Doppelpack von Jude Bellingham
Bellingham war dann der "Gamechanger", der England aufweckte. Dass sich der frühere BVB-Profi dann auch kurz nach Anpfiff der Verlängerung für den englischen Siegtreffer verantwortlich zeigte, bei dem er sein Näschen bewies, indem er richtig stand und gedankenschnell zum 2:1 abstaubte (93.), belegt die These: Bellingham ist bei der WM 2026 der Mann für die wichtigen Tore. Nach dem Doppelpack im Achtelfinale gegen Co-Gastgeber Mexiko (3:2) war Englands Nummer Zehn erneut der "Man of the Match" für die Briten.
"Bellingham rettet das Königreich."
Nach dem Spiel präsentierte sich der Mittelfeldspieler relativ cool. "Wir haben wieder einen Weg gefunden, zu gewinnen", sagte er lapidar. Es sei ein Sieg für alle, für das gesamte Land gewesen. In der Heimat wurde der englische Superstar gefeiert. "Bellingham, der Retter, schickt England erneut ins WM-Halbfinale", schrieb der "Telegraph", die "Sun" meinte schlicht: "Bellingham ist der Held". Die französiche "L'Équipe" formulierte: "Bellingham rettet das Königreich."
Bellingham gleichauf mit Kane
Bellingham war da, als England ihn brauchte. Vor der WM 2026 hatte er noch nie doppelt für die "Three Lions" getroffen - beim aktuellen Weltturnier steht er bei sechs Toren in sechs Spielen - ebensoviele wie Sturm-Superstar Harry Kane.
Darin liegt auch ein wenig die Verletzlichkeit Englands, das gegen Norwegen - ebenso wie in den Runden zuvor gegen DR Kongo (2:1) und gegen Mexiko (3:2) - enorm leiden musste, um eine Runde weiterzukommen. Insgesamt hat die Mannschaft vom deutschen Coach Thomas Tuchel 13 Turniertreffer erzielt, zwölf davon steuerten Bellingham und Kane bei. Ansonsten erzielte nur noch Marcus Rashford ein Tor, der Angreifer traf beim furiosen englischen WM-Auftakt gegen Kroatien (4:2).
Eine gefährliche Abhängigkeit für England
Positiv ausgedrückt könnte man sagen: England zieht die engen Spiele dank seiner Superstars. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Wenn Bellingham und Kane ausgeschaltet werden, springt bei den "Three Lions" niemand in die Bresche. Eine gefährliche Abhängigkeit, die für Halbfinalgegner Argentinien zum Schlüssel werden kann, um England zu knacken.
Bellingham ist der Mann für die wichtigen Tore
Dann wird es wieder auf den Unterschiedsspieler Bellingham ankommen. Neun seiner jetzt zwölf Länderspieltore hat er nun bei Welt- und Europameisterschaften erzielt. Davon traf er sechsmal zu einer englischen Führung und zweimal zum Ausgleich. Er kann eben jederzeit mit einer Aktion die Richtung eines Spiels ändern.
Jude Bellingham
Nach dem Spiel gegen Norwegen hatte der englische Coach Tuchel für die Performance von Bellingham nur ein Wort übrig: "Weltklasse!" Der Matchwinner selbst wurde nach dem K.o.-Match von Mitspielern und Fans gefeiert - und verabschiedete sich ganz stilecht, wie es sich für einen Weltklassespieler gehört: Er warf Küsschen ins Publikum, während der Beatles-Klassiker "Hey Jude" lief.