GIST-Krebs: Neue Therapie macht Mut: Krebspatient aus Föhren gewinnt Zeit


GIST-Krebs Neue Therapie macht Mut: Krebspatient aus Föhren gewinnt Zeit

Föhren · Er denkt, er habe zu viel gegessen. Stunden später ist Mathias Schumachers Bauch voller Blut und sein Leben in Gefahr. Die Analyse seines Tumors führt zu einer einzigartigen, neuen Behandlung.

08.09.2026 , 07:20 Uhr

Mathias Schumacher in der Klinik nach einer Operation. Ob noch einmal Tumore kommen, kann keiner sagen, geheilt ist er nicht.

Foto: Sandra Welter

Es war ein schöner Kinoabend: James Bond in „Keine Zeit zu sterben“ mit Nachos, Popcorn und Getränken. Es war der 23. Oktober 2021 und das Ehepaar Sandra Welter und Mathias Schumacher genoss den Abend. Doch so idyllisch ging es nicht weiter.

Einige Stunden später, nachdem die beiden schon schlafen gegangen waren, wachte Mathias mit starken Schmerzen auf. Er sagt: „Ich dachte, ich hätte zu viel gegessen“, so der damalige Vertriebsmitarbeiter im Bereich Sicherheitstechnik. „Also einfach mal mit dem Hund um den Block gehen, dann wird es schon besser“, dachte er sich. Doch so war es nicht.

Die Schmerzen wurden stärker und halb liegend, halb sitzend auf der Couch sagte er seiner Frau, dass er in die Notaufnahme muss. „Wenn Mathias das sagt, fahren wir. Er ist wirklich nicht wehleidig“, so seine Frau. Im Krankenhaus angekommen hatten sich die Schmerzen noch verschlimmert. „Da habe ich richtig Angst bekommen, weil ich nicht wusste, was mit mir los ist.“

Patient mit GIST: Der ganze Bauchraum war voller Blut

Im Liegen sollte ein Ultraschall gemacht werden, aber das ging nicht, weil ihm dann vor Schmerzen schwarz vor Augen wurde. Mithilfe einer Narkose kam er ins CT und dort sah man, dass der gesamte Bauchraum voller Blut war und eine Notoperation notwendig. „Die Ärzte wussten nicht, was sie erwarten würde. Sie sagten, wenn ich noch etwas zu regeln hätte, solle ich das jetzt tun, sie wüssten nicht, ob ich das überlebe.“

Die Ärzte fanden einen großen Tumor, der außen am Magen gewachsen und gerissen war. Er war etwa 17 mal neun Zentimeter groß. Auch an der Leber befand sich ein weiterer Tumor, der entfernt wurde. Einige Tage später stand fest: Mathias hatte einen sogenannten GIST, einen gastrointestinalen Stromatumor, eine sehr seltene Form von Krebs aus der Gruppe der Sarkome.

Seine Frau Sandra informierte sich über verschiedene Kanäle, etwa den Krebsinformationsdienst, über die Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten und Experten. Sie sagt: „Uns wurde schnell bewusst, dass Sarkome selten sind und dass sie in Expertenhände gehören.“

Im Universitätsklinikum Essen gibt es ein zertifiziertes Sarkomzentrum mit dem weltweit anerkannten Spezialisten für diese Art von Krebs, Professor Dr. Sebastian Bauer. Dort wurde festgestellt, dass die Krankheit nicht heilbar war. „Man versucht die Krankheit möglichst lange unter Kontrolle zu halten“, so Mathias Schumacher. Doch mehrere Chemotherapien, die normalerweise bei dieser Erkrankung eingesetzt werden, wirkten bei Mathias nicht. Drei weitere Tumore an der Bauchspeicheldrüse, dem Zwölffingerdarm und der Leberpforte wuchsen.

Forscher der Uniklinik Essen testen neue Behandlungsmethode an Mathias Schumacher

Jetzt kam die Forschung der Uniklinik Essen hinzu, die entscheidende Besonderheiten feststellte und ohne die eine weitere Behandlung wahrscheinlich wenig erfolgreich gewesen wäre. Das Team der Forschungsabteilung untersuchte das Tumorgewebe noch einmal sehr genau im Labor und prüfte, ob ein vorhandenes Medikament wirken könnte. Mathias Schumacher: „Es kam eine Behandlung zustande, wie sie vor mir noch keiner bekommen hat. Und die schlug an. Ich bin somit Patient Null. Die Tumore wurden immer kleiner und konnten entfernt werden.“

Mathias Schumacher mit seinem Medikament und einem Foto seines Tumors, der aus seinem Bauchraum entfernt wurde.

Foto: Christina Bents

Weiter sagt er: „Die Erkenntnisse aus meinem Fall fließen inzwischen in weitere Forschungen ein. Auch in den USA startet eine Studie zu diesem Behandlungsansatz.“ Für das Ehepaar ist klar: „Dass Mathias heute diesen Behandlungsweg bekommen konnte, ist durch die Forschungsarbeit an der Universitätsmedizin Essen möglich geworden.“

Dennoch haben die vielen Chemotherapien Spuren hinterlassen: mehrmals am Tag Nasenbluten, die Fingernägel sind wie Glas. Die Haare machen, was sie wollen. An verschiedenen Stellen seines Körpers haben sich Abszesse gebildet, er hat Probleme mit der Mundschleimhaut und häufig Durchfall. „Beim Essen muss ich abwägen, ich geißele mich nicht, aber ich vertrage auch einiges nicht mehr.“

„Das Medikament schenkt Zeit und Hoffnung“

Ob noch einmal Tumore kommen, kann keiner sagen, geheilt ist er nicht. Die Behandlung ist palliativ, aber es gibt eine Perspektive. „Das Medikament schenkt Zeit und Hoffnung“, so Sandra Welter.

Wie hat Mathias Schumacher die vergangenen fünf Jahre geschafft? „Das Umfeld und das Mindset machen es aus. Man darf nicht die Nerven verlieren und muss sich um eine gute Behandlung kümmern.“ Seine Frau betont: „Nicht den Mut verlieren, Fragen stellen, sich informieren, Zweitmeinungen einholen und auf das eigene Bauchgefühl hören. Es gibt gute Ärzte, Organisationen und Fachzentren, die helfen, beispielsweise den Krebsinformationsdienst und die Deutsche Krebshilfe.“

Mitgenommen haben sie aus den bisherigen Erfahrungen, dass sie intensiver und entspannter leben. Sandra Welter sagt: „Wir wissen, um was es geht im Leben. Einige Freundschaften sind intensiver geworden, andere existieren nicht mehr.“