Großteil der Bundesliga-Trainer sieht Salzburg als Titelfavorit


Fußball

Großteil der Bundesliga-Trainer sieht Salzburg als Titelfavorit

"Sie werden versuchen, das Ruder herumzureißen", sagt LASK-Meistercoach Kühbauer in der APA-Umfrage. Die Liga-Trainer hoffen auf eine Trendwende in der UEFA-Fünfjahreswertung

Die Antworten der zwölf Trainer der österreichischen Fußball-Bundesligisten in einer Umfrage, die die APA (Austria Presse Agentur) vor der am Freitag beginnenden Saison 2026/27 durchgeführt hat:

Fragen:

1.) Wer ist Ihr Titelfavorit und könnte es trotz des Wegfalls der Punkteteilung ein ähnliches enges Rennen wie in der Vorsaison werden?

2.) Wie lauten die Ziele und Erwartungen Ihrer Mannschaft?

3.) Was muss passieren, um ein weiteres Abrutschen in der UEFA-Fünfjahreswertung zu verhindern?

Dietmar Kühbauer (LASK):

1.) "Der Favorit schlechthin wird Salzburg sein. Die letzten drei Saisonen ohne Titel waren nicht ihr Anspruch, jetzt werden sie versuchen, das Ruder herumzureißen."

2.) "Wir wollen auf jeden Fall im oberen Play-off dabei sein. Wir werden durch den Europacup viel mehr Spiele als letzte Saison haben. Ziel ist es, dass wir so viele Punkte wie möglich für Österreich holen."

3.) "Wir haben in den letzten Jahren nicht so performt, aber deswegen ist nicht alles schlecht. Solche Phasen hat jedes Land."

Ein Mann in weißem Polohemd, der ein Mikrofon hält, spricht bei einer Veranstaltung. Im Hintergrund sind jubelnde Personen in Fußballtrikots zu sehen.
Double-Trainer Dietmar Kühbauer (LASK).

Fabio Ingolitsch (Sturm Graz):

1.) "Red Bull Salzburg, wie jedes Jahr, trotz Jahren des Misserfolgs. Es gibt keinen anderen Club in Österreich mit annähernd vergleichbaren Möglichkeiten. Erst wenn die wieder schwächeln, können andere – wie wir es in den letzten Jahren auch waren – da sein."

2.) "Bei uns schaut die Zielsetzung gleich aus wie letztes Jahr: Wir wollen uns mit dem SK Sturm Graz für das internationale Geschäft qualifizieren. Gleichzeitig wartet schon unser erstes Etappenziel: Wir wollen in eine internationale Ligaphase, weil sich das unsere fantastischen Fans verdient haben."

3.) "Die grundsätzliche Art und Weise, wie in unserer Liga Fußball gespielt wird, muss hinterfragt werden. Wir sollten uns mehr den internationalen Trends hingeben - wohlwissend, dass wir alle das bekannte Spiel mitspielen, um konkurrenzfähig zu sein und Punkte zu holen. Wichtig ist es auch, in der Ausbildung wieder mehr den Fokus auf individuelle Spielerentwicklung zu legen. Wir müssen im Kinder- und Akademiebereich wieder viel mehr den einzelnen Spieler in den Mittelpunkt stellen, nicht den Mannschaftserfolg. Am Ende machen oft die Individualisten den Unterschied."

Danny Röhl (Red Bull Salzburg):

1.) "Es wird ein enges Rennen werden. Titelfavorit sollten wir schon sein. Aber wenn man drei Jahre in Folge nichts geholt hat, brauchen wir den Mund nicht allzu voll nehmen. Ich glaube, Rapid Wien sollte man dieses Jahr nicht unterschätzen."

2.) "Wir wollen attraktiven Fußball spielen. Wir wollen Spiele gewinnen und hochtalentierte Spieler auch wieder auf den Markt hin entwickeln. Es beginnt beim Trainer: Mein Anspruch ist es, mit Konstanz über 32 Spieltage eine super Saison zu spielen."

3.) "Wenn man in höheren Bewerben spielt, macht man manchmal eben auch weniger Punkte. Wir müssen uns alle dazu committen, wieder mehr Punkte für die Liga zu holen. Wir als Salzburg sind gefragt, als gutes Beispiel voranzugehen."

Salzburg-Trainer Danny Röhl links neben Kapitän Nikolas Veratschnig.

Stephan Helm (Austria):

1.) "Als Titelfavoriten sehe ich den LASK und Red Bull Salzburg, weil Salzburg wieder ordentlich in die Mannschaft investiert und viele Ressourcen zur Verfügung hat. Ich denke, dass es in der Liga so ist, dass es nicht einfach ist, die Punkte einzusammeln. Aber ich denke schon, dass es bis zum Ende knapp hergeht."

2.) "Wir wollen wieder in die Top sechs kommen, das bringt das Liga-Format mit sich. Weil man dann am Ende zehn Spitzenspiele hat, in denen man sich selbst zeigen kann, in denen man coole Erlebnisse mit Fans feiern kann. Das ist unser Ziel. Gleichzeitig wollen wir auch im Cup so weit wie möglich kommen."

3.) "Diese vielen Punkte hat grundsätzlich Red Bull Salzburg geholt, dann hatten auch der LASK und Sturm eine starke Phase. Das sind auch jene Teams, die in diesen Phasen richtig investieren konnten in ihre Mannschaften. Wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollen, dann müssen wir in Fußball investieren. Wenn man den Markt kennt, weiß man, dass die Länder rund um uns gehaltsmäßig schön langsam überholen und da muss man dann ebenfalls investieren. Indem man die Vereine und die Liga attraktiv macht, damit wir mehr Geld generieren können."

Johannes Hoff Thorup (Rapid):

1.) "Das ist schwierig zu sagen, bevor die Saison begonnen hat und wenn das Transferfenster noch so lange offen ist."

2.) "Wir wollen an der Spitze sein und Leistungen abliefern, die uns auf einen Europacupplatz bringen. Aber mehr kann ich erst sagen, wenn die Transferzeit vorbei ist – die Mannschaft kann bis dahin anders aussehen. Vorher ist nicht die richtige Zeit, um über spezielle Ziele zu sprechen."

3.) "Wenn man den Ball nicht kontrollieren und ein Spiel dominieren kann, wird es auf der größten Bühne schwierig, und der Europacup ist die größte Bühne. Es würde der Liga guttun, wenn es mehr Clubs mit unterschiedlichen Zugängen zum Fußball geben würde und jeder Club seine eigene Identität entwickelt."

Mann in dunkelblauem Polohemd mit
Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup.

Markus Schopp (TSV Hartberg):

1.) "Ich würde aktuell mit dem Doublesieger LASK gehen, aber ich sehe da ein paar Mannschaften als Herausforderer. Ich weiß, dass Sturm, Salzburg, Austria und Rapid den Anspruch haben, ganz oben zu stehen."

2.) "Wir waren in den Top sechs. Aus den Gesprächen mit den Jungs höre ich heraus, dass sie den Hunger haben, das zu bestätigen. Das ist eine mutige Ansage als TSV Hartberg, aber genau das muss das Ziel sein. Alles andere wäre für mich nicht okay."

3.) "Wir haben uns über die letzten 13 Jahre eine Identität aufgebaut. Das ist positiv. Aber wir müssen uns weiterentwickeln. Wir legen in der Entwicklung von Spielern unglaublich viel Wert auf Balleroberer, Vertikalspieler und physische Eigenschaften, aber sind in puncto Kreativität abgehängt worden. Wenn ich mir die 'Mastery on the Ball' von Weltmeister Spanien anschaue, dann steckt darin ein kontinuierlicher Glaube. So was erwarte ich mir auch in Österreich: Dass wir mit unserer intensiven Spielidee beginnen zu verstehen, was es bedeutet, uns in Ballbesitz anders zu definieren."

Mario Despotovic (SV Ried):

1.) "Schwierig zu sagen, das Transferfenster ist noch sehr lang offen. Ohne Punkteteilung, wenn du eine gute erste Saisonhälfte spielst, hast du es nachher ein bisschen einfacher, weil dann nicht Punkte abgezogen werden. Für einige wird es gut sein, für andere weniger. Ich glaube, wenn man keine Punkteteilung hat, dass vielleicht ein bisschen weniger Spannung da ist."

2.) "Wir haben neue Spieler dazugeholt, diese so schnell wie möglich zu integrieren und als Mannschaft zu wachsen. Ziel ist, dass wir stabil in der Bundesliga sind."

3.) "Als Liga weiterentwickeln und versuchen, jeden Tag besser zu werden. Es gibt kein Geheimrezept, dass man das auf die Schnelle hinbekommt. Man muss das strategisch planen. Schauen, dass die Jugendarbeit gut ist, da muss man akribisch weiterarbeiten. Einen klaren Spielstil definieren und dann versuchen, dass junge Talente viel spielen. Und wenn die mit der Zeit reifen, werden auch die Ergebnisse kommen. Und gute Spieler begeistern, dass sie in die Bundesliga kommen."

Zwei Männer sprechen bei einer Veranstaltung mit Mikrofonen. Links trägt eine Person einen dunklen Anzug, rechts eine Person ein helles Poloshirt. Im Hintergrund ist eine bunte Grafik zu sehen.
Ried-Trainer Mario Despotovic links neben Kapitän Andreas Leitner.

Thomas Silberberger (WAC):

1.) "Ein Titelfavorit ist schwer zu sagen, weil bei den üblichen Verdächtigen Salzburg, LASK, Sturm oder Rapid das Transferprogramm noch nicht beendet ist. Da wird noch viel passieren. Dass die Punkteteilung weg ist, ist schon gut. Es wird der Grunddurchgang schon mehr gewichtet werden, man kann sich nicht mehr auf die Punkteteilung herausreden. Ich denke schon, dass das Auswirkungen haben wird."

2.) "Auf keinen Fall eine Saison wie im letzten Jahr. Damit ist alles gesagt. Wir wollen uns stabilisieren. Wenn wir dieses Jahr mit einem Trainer auskommen, haben wir alles richtig gemacht. Wir haben zwölf neue Spieler, es hat sich bei uns extrem viel getan. Wir hatten auch zu viele Leihspieler, von dem wollten wir wegkommen. Wir haben aktuell keinen einzigen mehr."

3.) "Wir haben uns schon Schritt für Schritt ein bisschen nach unten nivelliert. Wir müssen schauen, dass wir wieder besser performen, vor allem die 'big player' in Österreich. Es gab wichtige Abgänge, nicht nur auf Spieler-, sondern auch auf Trainerseite. Wir haben schon die letzten zehn Jahre aufs hohe Anlaufen investiert und weniger auf fußballerische Lösungen. Je höher das Level ist, desto größer ist die Qualität der Spieler, die dieses Pressing umspielen. Das haben wir leidvoll erfahren müssen."

Ognjen Zaric (SCR Altach):

1.) "Ich tippe auf Salzburg. Es gibt viele Mannschaften mit hoher Qualität. Spannend wird sein, wer sich im Europacup für Ligaphasen qualifiziert und wie er dann mit der Doppelbelastung klarkommt. Aber ich glaube, dass Salzburg auf Platz eins gehen wird, und vom Bauchgefühl her relativ klar, Punkteteilung hin oder her."

2.) "Wir müssen einen Kaderumbruch bewältigen. Natürlich wollen wir die Liga halten, je früher, desto besser."

3.) "Wir müssen schauen, dass der Abstand nicht so groß wird, das heißt, wir müssen in der Liga einen besseren Fußball zeigen. Da könnte der Wegfall der Halbierung mithelfen, weil sich die Vereine dann mehr um die Spielerentwicklung kümmern können, wenn Ziele früher erreicht werden. Jetzt einmal wird alles damit stehen und fallen, wie viele Vereine in eine Ligaphase kommen."

Ein Mann in einem dunklen Sakko hält ein Mikrofon und spricht, während er eine andere Person ansieht, deren Gesicht nicht sichtbar ist. Der Hintergrund zeigt bunte, geschwungene Linien.
Altach-Trainer Ognjen Zaric.

Ferdinand Feldhofer (GAK):

1.) "Favoriten sind für mich die üblichen Verdächtigen: LASK, Sturm, Salzburg, Rapid eventuell. Ist schon sehr früh, das zu sagen, alle sind noch nicht fertig mit dem gesamten Kader, da muss man abwarten. Wegen der Punkteteilung wird man sehen. Ich glaube, ganz vorne wird das nicht so sein (Anm.: dass Spannung verloren geht), weil sich doch die durchsetzen, die kontinuierlich punkten. Hinten muss man schauen, ob jemand wegbricht."

2.) "Gar nicht hinten reinrutschen. Wir haben die Lehren gezogen aus den letzten Jahren. Wir wollen an das Frühjahr anschließen, wir sind seit November zu Hause ungeschlagen. Wir wollen natürlich besser in die Saison starten als die letzten zwei Jahre, weil dass man über zehn Spiele braucht, dass man richtig in der Liga ankommt, das ist zu lange, das wird sich dann nicht immer ausgehen. Ich glaube, dass wir ein gutes Gerüst zusammengestellt haben. Ich habe 13, 14, 15 Spieler, auf die ich zurückgreifen kann, aber wir sind noch lange nicht fertig, wir werden noch Spieler benötigen."

3.) "Unsere Europacup-Vertreter müssen liefern, das ist schwer genug, wenn man durch die Quali muss. Das habe ich des Öfteren als Spieler und als Trainer miterlebt."

Philipp Semlic (WSG Tirol):

1.) "Es ist sehr schwer, Favoriten zu nennen. Man hat es im Vorjahr gesehen, die wenigsten hätten den LASK als Titelträger gesehen, nicht respektlos gemeint. Die Mannschaft wird vorne sein, die zur richtigen Zeit eine Konstanz entwickeln kann. Es wird sehr spannend sein, unabhängig davon, dass es heuer die Punkteteilung nicht mehr gibt. Ich glaube, das Leistungsniveau in der Bundesliga ist sehr eng zusammen. Ich glaube, dass keiner wie früher Red Bull Salzburg mit 20 Punkten Vorsprung agieren wird."

2.) "Wir sind so ehrgeizig, dass wir uns weiterentwickeln wollen, aber über allem steht immer der Klassenerhalt. Gerade mit dem Punch und der Kraft des neuen Stadions im Hintergrund wollen wir auch nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielen."

3.) "Bei der WM wurden Spiele gewonnen durch technisch starke Spieler, die dribbeln können, die einen gewissen Speed haben, die in einer Spielidee spielen, die offensiv ausgerichtet ist. Da sehe ich bei uns wieder, dass wir in der Ausbildung nicht nur auf Pressing und gegen den Ball denken dürfen und müssen, sondern auch das ganzheitliche Spiel sehen müssen. Damit wir wieder solche Individualisten im eigenen Land finden und forcieren können. Da muss eine Erweiterung in der Denkweise her, damit wir auch wieder im internationalen Vergleich bestehen können. Im Fußball geht nichts von heute auf morgen. Du brauchst eine Vision und du brauchst Konstanz und Geduld in dieser Vision und darfst dich auch von Rückschlägen nicht umwerfen lassen."

Markus Mader (Austria Lustenau):

Ein Mann mit grauen Haaren trägt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift
Lustenau-Aufstiegstrainer Markus Mader.

1.) "Ich denke, dass es sogar ein wenig enger sein wird. Dass es drei, vier Mannschaften gibt, aus denen eine das Rennen machen wird. Salzburg wird wieder ein heißer Kandidat sein, weil sie die Kaderstruktur ändern und vermehrt auf Erfahrung und Leitwölfe setzen. Ansonsten die üblichen Teams. Rapid wird eine große Rolle spielen, Sturm Graz natürlich, der LASK sowieso. Da wird sich nicht viel verändern durch das Ende der Punkteteilung."

2.) "Für uns zählt der Klassenerhalt. Wir sind der Aufsteiger und wissen, wie schwer es wird, wie groß die Herausforderung wird, in der Bundesliga zu bestehen."

3.) "Mit dieser Situation befasse ich mich eigentlich gar nicht in unserer Situation. Es ist für österreichische Vereine nicht so einfach, sich international durchzusetzen. Die besten österreichischen Spieler sind im Ausland, gute Spieler mit internationaler Qualität nach Österreich zu lotsen, ist schwierig. Da braucht es Ausreißer, dass es funktioniert, und die hatten wir nicht." (APA, 27.7.2026)

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