Schauspielerin Judi Dench über ihre Krankheit: „Ich kann keinen Film mehr drehen“


Michel Winges

23. Oktober 2026, 20:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ob als charismatische „M“ in den James-Bond-Filmen oder auf der Theaterbühne: Dame Judi Dench (91) begeistert seit Jahrzehnten ein Millionenpublikum. Doch inzwischen ist es um die Oscarpreisträgerin ruhiger geworden. Der Grund: Dench leidet an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD), durch die ihre Sehkraft zunehmend nachlässt. Wie sehr die Augenerkrankung das Leben der Schauspiellegende verändert, mit welchen bewegenden Worten sie darüber spricht und was hinter der Diagnose steckt, erklärt FITBOOK.

Judi Dench spricht offen über den Verlust ihrer Sehkraft

Am 22. Oktober war die britische Schauspielerin beim BBC-Sender „Radio 4“ zu Gast. Dabei ging es nicht nur um ihre Erkrankung, sondern vor allem um die vielen Höhepunkte und humorvollen Anekdoten aus ihrer jahrzehntelangen Karriere. Zu ihren größten Erfolgen zählt der Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Darstellung von Königin Elizabeth I. in „Shakespeare in Love“. Filmgeschichte schrieb Dench zudem 1995, als sie in „GoldenEye“ erstmals die Rolle der Geheimdienstchefin „M“ übernahm – als erste Frau überhaupt.

Die Diagnose „altersbedingte Makuladegeneration“ erhielt Dench bereits 2012. Seitdem hat sich ihre Sehkraft zunehmend verschlechtert. Wie stark die Erkrankung ihr Leben inzwischen einschränkt, macht die Schauspielerin mit bewegenden Worten deutlich: „Ich kann nicht mehr auf der Bühne stehen. Ich kann kein Theaterstück mehr machen. Ich kann keinen Film mehr machen. Ich kann nicht mehr lesen.“ Auch Menschen zu erkennen, fällt ihr mittlerweile schwer. So komme es vor, dass sie Personen verwechsle und auf die falschen zugehe, denen sie manchmal sogar „fast eine Umarmung gibt“, bevor sie ihren Irrtum bemerkt.

„Man darf sich davon einfach nicht unterkriegen lassen“, betont die 91‑Jährige. Stattdessen müsse man lernen, mit den Einschränkungen umzugehen, sich an die Erkrankung anzupassen und vor allem eines: „einfach weitermachen“.

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Altersbedingte Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, ist eine chronische Augenerkrankung, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. Während bei den 65- bis 75-Jährigen nur rund ein Prozent betroffen ist, sind es bei den über 85-Jährigen bereits zehn bis 20 Prozent.1 Zu einer vollständigen Erblindung führt die Erkrankung in der Regel jedoch nicht.

Betroffen ist die sogenannte Makula, ein Bereich in der Mitte der Netzhaut, der für das scharfe Sehen verantwortlich ist. Schreitet die Erkrankung fort, erscheint vor allem das, was man direkt anschaut, zunehmend verschwommen oder verzerrt. Alltägliche Dinge wie das Lesen oder das Erkennen von Gesichtern können dadurch immer schwieriger werden – so wie bei Dame Judi Dench.

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Formen der AMD: der trockenen und der feuchten. Die trockene Variante schreitet meist langsamer voran. Die Behandlungsmöglichkeiten sind bislang begrenzt. Eine feuchte AMD hingegen kann das Sehvermögen innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern. Sie lässt sich jedoch unter anderem mit Medikamenten behandeln, die direkt ins Auge gespritzt werden.

Was erhöht das Risiko für eine AMD?

Wie so oft, kann es an einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren liegen. Der wichtigste Faktor kann nicht beeinflusst werden: das Alter. Mit zunehmenden Lebensjahren steigt das Risiko für die Augenerkrankung deutlich an. Aber die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Fälle von Makuladegeneration in der Familie können das eigene Erkrankungsrisiko erhöhen.

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Ein beeinflussbarer Risikofaktor ist dagegen das Rauchen. Hier gibt es mehrere Studien, die einen Zusammenhang zeigen. So hatten bei einer US‑Studie mit 2810 Teilnehmern aktive Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern eine um 83 Prozent höhere Chance, eine frühe AMD aufzuweisen.2

Bei ehemaligen Rauchern war sie um 42 Prozent erhöht, dieser Unterschied war allerdings statistisch nicht eindeutig. Auch die Menge scheint eine Rolle zu spielen. Ab mindestens elf Packungsjahren war die Chance auf eine frühe AMD nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren um 67 Prozent erhöht. Eine weitere Untersuchung mit 547 Patienten mit feuchter AMD zeigte zudem, dass aktive Raucher im Durchschnitt 5,5 Jahre früher erkrankten als Menschen, die nie geraucht hatten.3 Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass Rauchen nicht nur das Risiko für eine AMD erhöhen, sondern auch den Ausbruch der Erkrankung beschleunigen könnte.