Hörtest soll Seelöwen und Seebären schützen
Unterwasserlärm
Unterwasserlärm ist eine zunehmende Gefahr für das Überleben von Meeressäugern wie Seelöwen und Seebären. In Australien wurden Vertreter der beiden Arten nun einem Hörtest unterzogen, um zu bestimmen, welche Frequenzen die Tiere am meisten stören.
Online seit heute, 14.07 Uhr
„Um herauszufinden, ob ein Geräusch ein Tier beeinflusst, müssen wir erst einmal wissen, ob es dieses Geräusch überhaupt hören kann“, sagt die deutsche Professorin Christine Erbe, Direktorin des Zentrums für Meereswissenschaften und Technologie an der Curtin University in Perth. Sie leitet ein Forschungsprojekt, bei dem mithilfe trainierter Seelöwen und Seebären die Auswirkungen von Unterwasserlärm auf diese Meeressäuger untersucht werden.
Dafür haben Tierpfleger im Taronga-Zoo in Sydney zwei Seelöwen und zwei Seebären darauf trainiert, einen Hörtest zu absolvieren: Sobald sie einen Ton wahrnehmen, drücken sie mit ihrer Schnauze einen Hebel und erhalten als Belohnung für richtige Antworten einen Fisch.
Aus den Antworten der Tiere haben die Forschenden errechnet, wie gut und in welchem Frequenzbereich Seelöwen und Seebären hören: Demnach reagieren die Meeressäuger, die beide zur Familie der Ohrenrobben gehören, am empfindlichsten auf Geräusche um 3.200 Hertz – für das menschliche Ohr eine sehr hohe Frequenz, die als laut und schrill wahrgenommen wird (z.B. hohe Pfeifgeräusche).
Australische Seelöwen gefährdet
Nun wollen die Forscher untersuchen, wie stark „Geräusche von Schiffen, Booten, Flugzeugen und Bauarbeiten an der Küste Robben und Seelöwen beeinflussen können“, so Projektleiterin Erbe. Wichtig sei das vor allem für den Schutz der bedrohten Australischen Seelöwen, deren Population auf nur noch etwa 12.000 Tiere geschätzt wird. Sowohl für ihre Kommunikation als auch bei der Nahrungssuche, Orientierung und der Wahrnehmung von Gefahren sind sie auf ihr Gehör angewiesen.
Der Verhaltensbiologe Benjamin Pitcher von der Betreibergesellschaft des Taronga-Zoos und Forscher an der Macquarie University in Sydney hofft aufgrund dieser Untersuchungen auf konkrete Verbesserungen für die Meeressäuger, etwa durch Umweltverträglichkeitsprüfungen für Bauprojekte an der Küste und im Meer. Ziel sei es zu verstehen, wie sich Unterwasserlärm auf die Tiere auswirke und „ab wann er ihr Verhalten oder ihr Hörvermögen beeinträchtigt“.