In Bad Nauheimer Metzgerei wird jetzt gebacken


Stand: 25.07.2026, 06:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Vom Frühstück bis zum Nachmittagskaffee verfolgt Christian Schöniger sein Konzept, Kuchen spielt dabei eine große Rolle.

Vom Frühstück bis zum Nachmittagskaffee verfolgt Christian Schöniger, Inhaber des „Schweizer Milchhäuschens“, sein Konzept. Kuchen spielt dabei eine große Rolle. © hms

Wenn nicht gerade die Tür zur Backstube offensteht und der Duft herausströmt, fällt den Passanten in der Karlstraße in Bad Nauheim höchstens der dezente Schriftzug am Fenster auf: Im ehemaligen Verkaufsraum von Tuppis Metzgerei sind seit zwei Jahren die Bäckerinnen und Konditorinnen aus dem „Schweizer Milchhäuschen“ zugange. Für Inhaber Christian Schöniger ist der Raum ein Glücksfall.

Bad Nauheim – Es ist Mittagszeit. Christian Schöniger trägt Kuchen ins Auto, um sie für die Kaffeegäste ins „Schweizer Milchhäuschen“ in den Bad Nauheimer Kurpark zu fahren. In den ehemaligen Verkaufsraum der Metzgerei Tuppi in der Karlstraße sind eine 60 Jahre alte Knetmaschine und ein ebenso altes feststehendes großes Handrührgerät eingezogen. An der Wand hängen statt Würsten nun Tortenringe und Rührbesen. Die Verkaufstheke ist weißen lebensmittelechten Tonnen mit Zucker, Dinkelmehl, Maisstärke, Körnern und Kernen gewichen. Neu angeschafft hat Schöniger zwei Kühlschränke und zwei Backöfen.

Wo früher bei Tuppi die Kunden bedient worden sind, stehen jetzt Backmaschinen und Zutaten-Tonnen in der Backstube des Milchhäuschens.

Wo früher bei Tuppi die Kunden bedient worden sind, stehen jetzt Backmaschinen und Zutaten-Tonnen in der Backstube des Milchhäuschens. © hms

„Es war eine der besten Entscheidungen, den Backbereich vom Küchenbereich zu trennen“, sagt Schöniger. „Zuvor haben wir nachts gebacken und tagsüber gekocht, und das alles in der kleinen Milchhäuschenküche. Das war ein ständiger Zeitkampf. Irgendwann wollten meine beiden Konditorinnen Jouline und Aline auch nicht mehr nur nachts arbeiten, was ich gut verstehen kann.“ Dann wurde dieser Raum durch die Aufgabe der Metzgerei frei.

Zuvor haben wir nachts gebacken und tagsüber gekocht, und das alles in der kleinen Milchhäuschenküche.

Kuchen-Bedarf ist gewachsen

Seit Schöniger am 1. Februar 2018 das „Milchhäuschen“ übernommen und mit viel Mut und Geschick auch die Coronazeit überstanden hat, ist das Geschäft ständig gewachsen.

Der Bedarf an Kuchen, Torten, Brot und Brötchen hat durch neue Angebote zugenommen. „Ich habe noch nie etwas an Backwaren zugekauft“, erzählt er. Das ist seine Philosophie: möglichst viel selbst herstellen, regionale und saisonale Produkte verwenden, oder jedenfalls deutsche wie den Käse aus dem Allgäu, von dem er schwärmt.

Schöniger ist gelernter Hotelfachmann und leidenschaftlicher Gastronom. Er weiß, was seine Gäste wünschen und was er als Mehrwert bieten kann. So werden täglich in der Backstube sechs glutenfreie und drei vegane Kuchen gebacken.

„Ich finde es gut, dass ich den Menschen vom Frühstück übers Mittagsessen bis zum Kaffeetrinken das anbieten kann, was sie sonst nur schwer finden. Hier haben sie sogar Auswahl“, sagt er, und verweist auf die Kuchenkarte, in der Nüsse, vegan, gluten- und laktosefrei mit Icons gekennzeichnet sind.

Neben der hausgemachten Konfitüre stehen auch die „mit Liebe gebackenenen“ Brote sowie Mehrkorn- und Dinkelbrötchen und Croissants auf dem Frühstücksbuffet.

In der Mittagskarte gibt es glutenfreie Speisen und veganes Essen. Das Konzept reicht sogar bis zur Weinempfehlung mit dem Hinweis „histaminarm“.

Schöniger handelt aus Überzeugung. Bei seinen zwölf fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den 40 Aushilfen schätzt er die Zusammenarbeit und die Treue. Viele sind seit der Übernahme bei ihm, die Aushilfen kommen gerne wieder.

Immerhin hat er in der schwierigen Coronazeit Ideen entwickelt, die ihm geholfen haben, seine Mitarbeiter weiterzubeschäftigen. Er lacht und sagt: „Wir sind ein cooler Haufen.“

Er selbst springt ein, wo Not am Mann ist, auch in der Backstube. Was er als Hotelfachmann nicht schon wusste, hat er sich angeeignet. Sonst ist sein Platz hauptsächlich bei der Personalführung und der Planung von Veranstaltungen. Gerne hilft er im Service, weil er da nah am Gast ist. Die Kuchenrezepte hat er teils übernommen, hat aber auch neue Ideen umgesetzt. „Die Gäste verlassen sich auf die Auswahl, deswegen kommen sie“, erklärt er. Der persönliche Favorit des Chefs ist der Apfel-Walnuss-Kuchen mit Zimt.

Als zweifacher Vater denkt Schöniger selbst beim Spielplatz mit Sandkasten an die Bedürfnisse von Eltern. Und seine eigene Familienzeit? „Die muss sorgfältig geplant sein. Meine Frau kümmert sich um die Buchhaltung und hält mir sonst komplett den Rücken frei. Sie hat mich als Gastronomen kennengelernt“, betont er dankbar. Dann wendet er sich wieder seinen Aufgaben in den beiden Betriebsstätten zu.