Johannes Golla nach seiner Rückkehr zur MT Melsungen im Interview


Stand: 21.07.2026, 06:58 Uhr

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MT Melsungen Johannes GollaHandball Bundesliga 2026/2027Porträt, Portrait, KopfbildFoto: Andreas Fischer

Zurück bei der MT: Weltklasse-Kreisläufer Johannes Golla. © Fischer, Andreas/Andreas Fischer

Der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft wechselt von der SG Flensburg-Handewitt zum nordhessischen European-League-Sieger. Als Erster war er vor Jahren in die Melsunger Talente-WG eingezogen.

Kassel – Seine Rückkehr zur MT Melsungen zählt zu den spektakulärsten Bundesliga-Transfers in diesem Sommer: Johannes Golla, Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft, hat sich nach acht Jahren bei der SG Flensburg-Handewitt dem nordhessischen European-League-Sieger angeschlossen. Wir haben mit dem 28-Jährigen über seinen Wechsel zur MT gesprochen.

Wie leicht war es, wieder in Kassel anzukommen?

Das Ankommen war nicht schwer, der Abschied schon. Es waren immerhin acht Jahre in Flensburg. Der Umzug war stressig. Jeder weiß, wie herausfordernd so etwas ist. Aber jetzt sind wir hier. Es gibt noch Kleinigkeiten am Haus zu erledigen (lacht). Der Sommer ging zu schnell rum.

Was war das Erste, das Sie nach Ihrem Umzug mit ihrer Familie gemacht haben?

Wir haben erst einmal etliche Möbelhäuser abgeklappert, um alles im Haus fertig zu bekommen. Dann waren wir aber auch schon beim Thailänder in Melsungen essen. Den kannten wir noch aus der damaligen Zeit. Es war genauso lecker wie früher.

Welche Erinnerungen haben Sie an ihre ersten Jahre bei der MT?

Es war eine besondere Zeit, von der noch einiges präsent ist. Wenn ich jetzt durch Melsungen oder Kassel fahre, dann sehe ich einige Ecken, die sich nicht verändert haben. Es gibt viele kleine Sachen, die mich an damals erinnern. Etliches kommt mir sehr vertraut vor.

Sie waren der Erste, der einen Platz in der Melsunger Talente-WG bekommen hat.

Tatsächlich bin ich als Erster in dieses Haus eingezogen, das bis heute so etwas wie die MT-Akademie ist. Ich habe fast zwei Jahre in Melsungen gewohnt und dort auch mein Abitur gebaut. Dann ging es nach Kassel. Ich habe damals beide Städte kennengelernt.

Konnten Sie sich im Nachhinein ein bisschen über den Europapokal-Triumph Melsungens freuen?

Ich habe es von Anfang an gesagt: Die MT hatte sich den Sieg in der European League verdient. Sie war in Hamburg die beste Mannschaft. Es ist etwas komisch: Bei mir saß der Stachel der Enttäuschung nach dem verlorenen Halbfinale gegen die MT tief. Wir haben eine ganze Saison dafür gearbeitet, um beim Final Four dabei zu sein. Dann kenne ich aber auch eine Menge Leute bei der MT, denen ich diesen Erfolg total gönne und die auf den Sieg gehofft haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es für einen Klub bedeutet, einen solchen Titel endlich mal zu gewinnen. Nun hat sich eben eine besondere Konstellation ergeben. Und natürlich freue ich mich, mit der MT Champions League zu spielen.

Sie wissen, was es heißt, Königsklasse zu spielen. Was bedeutet es Ihnen, mit der MT die große Bühne zu betreten?

Erst mal ist es eine Ehre für mich, ein Teil davon zu sein. Das macht mich auch ein Stück weit stolz. Die Champions League hat sich nun aber verändert. In den vergangenen Jahren waren die Gruppen größer. Nicht jedes Spiel hatte vorentscheidenden Charakter. Mit den Vierergruppen kann es anders sein. Deshalb warten Partien auf höchstem Niveau, mit allerhöchster Intensität. Wenn man allerdings das Niveau der Bundesliga gewohnt ist, dann wird einen die Königsklasse nicht schocken. Es wird um jeden Zentimeter gekämpft, und das ist in der Bundesliga und auch in den European-League-K.o.-Spielen normal. Ich sehe das Melsunger Team auf jeden Fall konkurrenzfähig.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Melsungen?

Es ist zu früh, das einzuordnen. Wir hatten kaum Training zusammen. In der Bundesliga wollen wir aber jedes Spiel so erfolgreich wie möglich hinter uns bringen. Im Pokal hat es die MT in den vergangenen Jahren wiederholt zum Final Four geschafft. Es ist auch ein Traum von mir, da dabei zu sein. Und auch wenn die Champions League für Melsungen Neuland ist, heißt es nicht, nur dabei sein zu wollen. Ich will mit der MT so lange wie möglich dabei sein. Wir wollen als Team zeigen, dass mit uns zu rechnen ist.

Wie sehr sehen Sie sich besonders in der Verantwortung?

Ich muss natürlich erst einmal reinfinden. Es geht darum, alle Abläufe kennenzulernen. Dann möchte ich aber auch mit guten Leistungen auf dem Feld vorangehen. Ich möchte helfen. Einige jüngere Spieler habe ich schon kennengelernt, die nehme ich gern ein bisschen mit an die Hand. Ich weiß, wie viel es wert ist, wenn ältere Spieler die jüngeren unterstützen. Ich stelle keine Ansprüche auf das Kapitänsamt. Ich finde es auch nicht realistisch, dass man neu zu einem Klub kommt und dann gleich eine solche Aufgabe übernimmt. Für mich steht auf der Tagesordnung, Roberto und sein System besser kennenzulernen. Ich will erst einmal sportlich ankommen.

Sie haben oft erwähnt, wie schwer es ist, sich auf Roberto und sein Team einzustellen. Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit mit dem Spanier?

Ich habe schon einen ersten Einblick bekommen. Es geht schon sehr viel um Details. Da sind taktische Sachen dabei, die ich vorher nicht kannte. Ich denke, dass es in den nächsten Wochen verfeinert wird. Es ist ein Riesen-Faustpfand für die Mannschaft, taktisch so gut eingestellt und variabel zu sein. Zugleich hoffe ich, dass ich meinen Horizont als Spieler noch erweitern und aus diesem gemeinsamen Jahr einiges mitnehmen kann.

Inwieweit haben Sie schon die Heim-WM im Januar im Kopf?

Sie ist irgendwo im Hinterkopf, im Moment aber überhaupt nicht präsent. Jetzt stand der Umzug ganz oben. So kurios es klingt, aber letztlich ist es ein Turnier wie jedes andere auch. Es wird die gleiche Zeit in Anspruch nehmen. Natürlich wird es etwas emotionaler, weil es im eigenen Land ist. Den Fokus habe ich darauf jetzt aber nicht. Wir haben zuvor mit der MT noch so viele nationale und internationale Aufgaben zu bewältigen.

Es geht für die MT gleich gut los. Zum Auftakt treten Sie und das Team in Berlin an. Was sagen Sie dazu?

Ein Spiel in Berlin ist sicher nicht das, was man sich wünscht. Auf der anderen Seite muss man früher oder später sowieso dorthin. Wenn wir die Vorbereitung gut nutzen, werden wir gut eingestellt sein. Das erste Saisonspiel, egal, gegen wen, ist immer etwas Besonderes. Im vergangenen Jahr habe ich mit Flensburg in Wetzlar einen Punkt verloren. Trotzdem haben wir um den zweiten Platz mitgekämpft. Das erste Spiel ist richtungsweisend, aber nicht für eine ganze Serie entscheidend. Es wird eine hammerharte Partie zwischen zwei Teams, die die höchsten Ambitionen haben. (Björn Mahr)

Zur Person: Johannes Golla (28) ist nach acht Jahren bei der SG Flensburg-Handewitt nun zum Handball-Bundesligisten MT Melsungen zurückgekehrt. Der gebürtige Rüdesheimer ist Kapitän der Handball-Nationalmannschaft. 121 Länderspiele (419 Tore) bestritt Golla für die DHB-Auswahl. Im Sommer 2024 gewann er mit Deutschland Olympia-Silber. Im Januar holte er mit der Mannschaft EM-Silber. Golla hat mit seiner Frau Elena zwei Kinder.