Mögliche Temu-Gebühr beunruhigt Haushalte mit wenig Geld


Publiziert27. Juli 2026, 17:33

China-Päckli«Käme eine Temu-Gebühr, könnte ich mir das nicht mehr leisten»

Jeden Tag kommen Hunderte Pakete aus Asien in die Schweiz. Der Bundesrat möchte nun eine Gebühr einführen. Leserinnen und Leser erzählen, weshalb sie bei Temu und Co. bestellen und was sie von der Gebühr halten.

Anja Zingg

Darum gehts

Wer bei Temu, Shein und Co. bestellt, profitiert meist von einem unschlagbaren Preis. Schweizer Händler kritisieren, dass für China-Anbieter nicht die gleichen Regeln gelten wie für inländische Anbieter, was die Produktsicherheit anbelangt.

Der Bundesrat will dies mit dem sogenannten Produktsicherheitsgesetz ändern. Der Staat soll künftig mehr Mittel bekommen, um Waren zu kontrollieren, die in der Schweiz nicht zulässig sind. Mehr dazu liest du hier.

«Ohne Temu könnte ich mir nichts leisten»

Viele Leserinnen und Leser bestellen regelmässig auf ausländischen Plattformen. Die Hauptgründe: die Auswahl und an allererster Stelle der Preis. Die alleinerziehende Mutter Sandra erzählt: «Ich bestelle dort, weil wir uns sonst nichts leisten könnten.» Doch auch die asiatischen Märkte seien teurer geworden. «Würde eine Gebühr pro Paket dazukommen, müsste ich wieder wie früher gebrauchte Kleidung vom Flohmarkt kaufen.» Und Andreas erzählt: «Hier kann ich mir höchstens ein Hemd pro halbem Jahr leisten. Bei Temu bekomme ich zehn Paar Socken plus diverse Unterwäsche für einen Bruchteil des Preises.»

Die Päckliflut ist Klimaschützern, aber auch dem Detailhandel längst ein Dorn im Auge.

Die Päckliflut ist Klimaschützern, aber auch dem Detailhandel längst ein Dorn im Auge.20min/Stefan Lanz

Auch Melanie hält wenig von einer Gebühr. Sie findet, damit schütze die Politik die Falschen, und erzählt: «Ich gebe mehr als 80 Prozent meines Einkommens in der Schweiz aus, wo ich es erwirtschafte. Ich kaufe regelmässig bei Temu, weil ich nicht einsehe, warum ich nicht dort kaufen soll, wenn das gleiche Produkt in der Schweiz fünfmal teurer ist.»

User fordert Bussen bei Sicherheitsbedenken

Ulrich fände es grundsätzlich gut, wenn mehr auf Produktsicherheit geachtet werden würde. Doch die Gebühren hält er für zwecklos. «Die 5 Franken werden kaum helfen, die Flut und insbesondere die gefährlichen oder nicht legalen Sendungen zu reduzieren und die Kosten für die Kontrollen zu decken.» Er schlägt eine andere Lösung vor: «Sowohl Anbieter als auch Käufer sollen eine Busse zahlen, die wehtut, wenn gefährliche Produkte bestellt werden.»

Viele Menschen mit knappem Budget bestellen regelmässig auf Temu und Co.

Viele Menschen mit knappem Budget bestellen regelmässig auf Temu und Co.Hannes P Albert/dpa

Vor allem in den Kommentarspalten gibt es auch Leserinnen und Leser, die eine Gebühr begrüssen würden. «Sehr gut, lieber gestern als morgen. Und lieber zehn Franken als fünf. Wer bei solchen Schmutz-Unternehmen einkauft, soll einen saftigen Beitrag an z. B. Umweltorganisationen zahlen», schreibt zum Beispiel User SBBchris.

«Gleiches gleich behandeln»

Und Also_das findet: «Die Gebühr würde sicher bei einigen dafür sorgen, weniger zu konsumieren. Eigentlich haben wir alle doch sowieso zu viel. Wichtig fände ich, dass gleiche Produkte, auch wenn sie über andere Kanäle importiert werden, gleich behandelt werden.»

Gar kein Fan ist User elisan: «Diese Päckli sollen mit hohen Zöllen belegt werden. Nur Schrott mit Sicherheitsmängeln, voll mit Pestiziden, Schadstoffen. Alles nicht geprüft.» Und 3.1415926 schreibt: «Es müsste alles, was von dort kommt, massiv besteuert werden. Dann wären sämtliche anderen Erhöhungen in der Schweiz selbst nicht nötig, und es würde die Richtigen treffen.»

Bestellst du viel bei chinesischen Onlineshops?

Ja, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist unschlagbar.

Ja, die Auswahl ist viel grösser.

Wenn möglich, versuche ich, bei Schweizer Anbietern zu bestellen.

Es ist immer unterschiedlich.

Ich versuche es zu vermeiden, aber es geht nicht immer.

Nein, habe ich noch nie.

Anja Zingg

Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.

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