Begrenzte Militäraktion gegen NATO-Land? Kreml-Kritiker warnt vor Putins nächstem Schritt
Kasparow sieht gefährliches Zeitfenster: Putin könnte noch vor Januar ein NATO-Land angreifen
Stand: 08.10.2026, 14:00 Uhr
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Kreml-Kritiker Garri Kasparow warnt vor einem möglichen Putin-Test der NATO bis Januar.
Moskau – Russlands Krieg gegen die Ukraine und die politische Lage in den USA könnten nach Einschätzung des Kreml-Kritikers Garri Kasparow ein gefährliches Zeitfenster für die NATO öffnen. Kasparow warnt davor, dass Wladimir Putin noch vor dem Zusammentritt des neuen US-Kongresses im Januar eine begrenzte militärische Provokation gegen ein NATO-Land wagen könnte.
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Ziel wäre aus seiner Sicht ein Test, ob Washington tatsächlich eine gemeinsame Reaktion des Bündnisses unterstützt. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Aktion sei „sehr hoch“, sagte Kasparow in einem Interview des Forums Freies Russland.

Er brachte den möglichen Vorstoß unmittelbar mit den US-Zwischenwahlen im November und der anschließenden Machtverteilung in Washington in Verbindung. Nach seiner Einschätzung könnten die Republikaner beide Kammern des Kongresses verlieren. Der neue Kongress tritt im Januar zusammen.
Kasparow sieht Zeitfenster bis Januar
Kasparow erwartet deshalb, dass Putin die Monate davor nutzen könnte: „Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er bis Januar versuchen wird, etwas zu unternehmen.“
Er spricht jedoch ausdrücklich nicht von einer groß angelegten Invasion. Denkbar sei vielmehr eine begrenzte Operation mit einer kleineren Zahl russischer Soldaten, möglicherweise begleitet von Drohnenangriffen. Moskau könnte dafür bekannte Rechtfertigungen anführen, etwa den angeblichen Schutz der russischsprachigen Bevölkerung oder eine Reaktion auf eine vermeintliche Provokation.
Entscheidend wäre nach Darstellung des Kreml-Kritikers Artikel 5 des NATO-Vertrags. Ein Angriff auf ein Mitglied wird demnach als Angriff auf alle Bündnispartner betrachtet. Putin könne versuchen herauszufinden, ob dieses Prinzip im Ernstfall tatsächlich funktioniert.
„Putin müsste nur die Grenze überschreiten“
„Alles, was dafür nötig ist, ist, die Grenze zu überschreiten“, sagte Kasparow. Er erwartet in einem solchen Szenario militärischen Widerstand europäischer NATO-Staaten. Für den Kreml sei jedoch vor allem ausschlaggebend, wie sich die USA verhielten.
Putin wolle seiner Einschätzung nach demonstrieren, dass die NATO als Organisation nicht mehr handlungsfähig sei. Maßgeblich sei deshalb, ob aus Washington ein Signal nach Brüssel komme, das Bündnis geschlossen zu mobilisieren. Bleibe dieses aus, könne Moskau dies als Bestätigung verstehen, dass die USA sich aus einem Konflikt an der östlichen NATO-Grenze heraushalten.
Kasparow sieht auch die amerikanische Politik gegenüber den baltischen Staaten als mögliches Signal an den Kreml. Dass Estland, Lettland und Litauen bei bestimmten Gesprächen nicht beteiligt seien, könne Putin nach seiner Darstellung so interpretieren, dass diese Länder nicht zu den unmittelbaren Interessen Washingtons gehörten.
US-Wahlen als entscheidender Faktor
Seine Prognose verbindet der Putin-Kritiker mit einer erwarteten schweren Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen. Nach seiner Einschätzung ist ein Verlust des Repräsentantenhauses wahrscheinlich, auch im Senat sieht er die Partei von US-Präsident Donald Trump unter Druck.
Kasparow rechnet zugleich damit, dass Trump versuchen könnte, Einfluss auf den Wahlprozess zu nehmen. Bei einem deutlichen Ergebnis hält er die Möglichkeiten des Präsidenten jedoch für begrenzt. Gerade deshalb ende Putins mögliches Zeitfenster aus seiner Sicht im Januar: Mit einem neu zusammengesetzten Kongress könnten sich die politischen Kräfteverhältnisse in Washington verändern.
Vom Schachweltmeister zum Aktivisten
Garri Kasparow, ehemaliger Schachweltmeister, gehört zu den schärfsten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der 1963 in Baku geborene Großmeister prägte jahrelang die internationale Schachszene und gilt noch immer als einer der besten Spieler aller Zeiten.
Seit seinem Rücktritt vom Profisport im Jahr 2005 widmete er sich dem politischen Engagement gegen die Kreml-Führung. Aus Angst vor politischer Verfolgung lebt Kasparow seit 2013 im Exil, unter anderem in New York.
Er kommentiert regelmäßig geopolitische Entwicklungen, fordert den Sturz des autoritären Regimes in Moskau und setzt sich für eine kompromisslose Unterstützung der Ukraine ein. Seine Maximalforderungen stießen in der Vergangenheit bei der Exil-Opposition wiederholt auf scharfe Kritik. Quellen: Forum Freies Russland, nif/red.