Kaum gemeinsam geprobt: Englisch-deutsches Partnerschaftskonzert begeistert trotzdem


Stand: 11.10.2026, 17:00 Uhr

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Das Gesamtensemble trat unter der Leitung von Kantorin Svenja Reis (vorne) auf.

Das Gesamtensemble trat unter der Leitung von Kantorin Svenja Reis (vorne) auf. © Rinne

Englische und Wildeshauser Chöre traten gemeinsam in der Alexanderkirche auf. Das vollständige Ensemble übte erstmals bei der Generalprobe zusammen.

Wildeshausen – „Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen.“ Der kunstvoll gestaltete Schriftzug an der Empore der Alexanderkirche schien wie geschaffen für das, was sich im Gotteshaus musikalisch entfaltete. Unter dem Motto „From Shadow to Light“ (Von Schatten zu Licht) gestalteten die „Hertford Voices“ aus England am Samstagabend mit der Kantorei und den „Joyful Voices“ aus Wildeshausen ein Partnerschaftskonzert von bemerkenswerter Qualität. Klangliche Präzision, eindrucksvolle Ausdruckskraft und ein nahezu perfektes Zusammenspiel kennzeichneten den Abend. Eine reife Leistung, zumal es sich bei den Mitwirkenden überwiegend um ambitionierte Amateurmusiker handelt. Auch das Orchester der Alexanderkirche brillierte.

Angereist: Die „Hertford Voices“ brachten unter anderem moderne englische Chormusik mit.

Angereist: Die „Hertford Voices“ brachten unter anderem moderne englische Chormusik mit. © Rinne

Von Schatten zu Licht – das Konzertmotto ließ an den lateinischen Sinnspruch „Per aspera ad astra“ denken: durch Mühsal zu den Sternen. Eine treffende Umschreibung auch für den Weg zu diesem musikalischen Erlebnis. Denn hinter der scheinbaren Leichtigkeit, mit der die Chöre ihre anspruchsvollen Werke präsentierten, steckte intensive Probenarbeit auf beiden Seiten des Ärmelkanals.

Dabei blieb für das Zusammenspiel erstaunlich wenig Zeit. Erst am Donnerstag waren die englischen Gäste angereist, am Freitag folgte die erste gemeinsame Probe. Das vollständige Ensemble einschließlich Orchester kam sogar erst bei der Generalprobe zusammen. Darauf wies Kantorin Svenja Reis hin. Umso beeindruckender war die musikalische Geschlossenheit, mit der sich die Mitwirkenden unter ihrer Leitung präsentierten.

Den Auftakt bildete Josef Gabriel Rheinbergers „Stabat mater“ op. 138. Das spätromantische Werk verlangt mit seiner harmonischen Dichte, seinen dynamischen Abstufungen und langen Spannungsbögen ein hohes Maß an Konzentration und sicherer Intonation. Die vereinten Chöre meisterten diese Herausforderung mit bemerkenswerter Souveränität. Das Orchester erwies sich dabei als ebenbürtiger Partner.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Ave verum corpus“ KV 618 führte das Programm zurück in die Wiener Klassik. Gerade die scheinbare Schlichtheit dieser Motette macht sie anspruchsvoll. Jede Ungenauigkeit wird unmittelbar hörbar. Die „Hertford Voices“ überzeugten ebenso mit Edward Elgars „The Spirit of the Lord“ aus dem Oratorium „The Apostles“. Dessen spätromantische Klangsprache mit weitgespannten Melodiebögen bildete einen reizvollen Kontrast zu Mozarts Klarheit.

Für einen stilistischen Wechsel sorgten die Wildeshauser Chöre mit Auszügen aus Robert Rays „Gospel Mass“. „Acclamation“ und „Agnus Dei“ verbanden geistliche Tradition mit rhythmischer Lebendigkeit und den charakteristischen Klangfarben des Gospels.

Auch die moderne englische Chormusik erhielt breiten Raum. Werke von Bob Chilcott, John Rutter und Eric Whitacre verlangten den „Hertford Voices“ ein sensibles Gespür für Klangbalance und Phrasierung ab. Besonders Whitacres „The Seal Lullaby“ mit seinen schwebenden Harmonien stellt hohe Anforderungen an die Intonationssicherheit.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdy kehrte das Programm zur deutschen Romantik zurück. „Verleih uns Frieden“ und „Nun danket alle Gott“ aus dem „Lobgesang“, für Streichorchester bearbeitet von Svenja Reis, gehörten zum Beitrag der Wildeshauser Chöre. Einen gemeinsamen Höhepunkt bildete „Der Herr hat seinen Engeln befohlen“ aus dem Oratorium „Elias“.

Damit schloss sich auch der musikalische Bogen: vom düsteren Moll des „Stabat mater“ zum lichten Dur des „Elias“. Treffender hätte das Motto „From Shadow to Light“ kaum umgesetzt werden können.