„Kein Handlungsbedarf“: Viele Forellen verenden im See – der Grund könnte künftig viel öfter vorkommen


Stand: 12.07.2026, 18:57 Uhr

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Luftbild - Luftbildaufnahme von Königsdorf - Bibisee

Die Hitze macht den Fischen zu schaffen: Am Bibisee sind vereinzelt Tiere verendet, weil zu wenig Sauerstoff im Wasser war. © Axel Häsler

Am Bibisee in Königsdorf sind mehrere Forellen verendet. Der Fischereiverband Oberbayern beobachtet das Phänomen mit Sorge.

Königsdorf – Einzelne tote Fische lagen in den vergangenen Tagen am Ufer des Bibisees. Was dahintersteckt, erklärt der Fischereiverband Oberbayern. Die wichtige Nachricht für Badegäste: „Ein Fischsterben bedeutet nicht pauschal, dass die Wasserqualität schlecht wäre“, so Patrick Mayr, Geschäftsführer des Verbands.

Der zuständige Fischereiverein Königsdorf wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern und verwies an den Fischereiverband Oberbayern. Dessen Geschäftsführer Patrick Mayr erklärt daraufhin, was zu dieser Jahreszeit an vielen Gewässern auftreten kann: „Wir gehen davon aus, dass die Ursache ein Sauerstoffmangel ist.“ Die heiße und trockene Witterung habe an vielen Orten in Oberbayern zu einer überdurchschnittlichen Erwärmung der Gewässer geführt. „Mit steigenden Temperaturen kann das Wasser weniger Sauerstoff speichern. Gleichzeitig steigt aber der Sauerstoffbedarf der Fische an.“

Ausgezeichnete Qualität

EU-Badegewässer im Landkreis werden während der offiziellen Badesaison von 15. Mai bis 15. September einmal monatlich nach einem festen Zeitplan beprobt, erklärt Sabine Schmid, Pressesprecherin im Landratsamt. Dabei wird auf Keime untersucht, die in menschlichen und tierischen Ausscheidungen vorkommen (intestinale Enterokokken und Escherichia coli) und somit einen Hinweis auf fäkale Verunreinigungen geben können. Bei der jüngsten Beprobung am 22. Juni war der Bibisee laut Landratsamt „bakteriologisch nicht zu beanstanden“. Ihm wurde in den vergangenen Jahren stets eine „ausgezeichnete Badewasserqualität“ bescheinigt.

Ein Fischsterben bedeute nicht pauschal, dass die Wasserqualität schlecht wäre oder gar eine Gesundheitsgefahr für Badegäste bestünde. „Dass nach aktuellem Kenntnisstand vor allem Forellen betroffen sind, deutet eher darauf hin, dass die Umweltbedingungen für diese spezifische Fischart zeitweise nicht mehr ausreichend waren.“ Insbesondere Forellen sind Mayr zufolge auf kühles, sauerstoffreiches Wasser angewiesen und reagieren daher sehr empfindlich auf solche Bedingungen.

Die Fischereivereine in Oberbayern leisten hier bereits extrem viel.

Die Tiere geraten schnell unter erheblichen Stress, der bis zum Tod führen kann. „Fische, die wegen Sauerstoffmangels geschwächt sind, ziehen sich häufig zurück, um Energie zu sparen“, erklärt der Geschäftsführer. „An stark frequentierten Badegewässern kann es dann auch vorkommen, dass Rückzugsphasen durch Badebetrieb beeinträchtigt werden.“

Badegäste können durch einen rücksichtsvollen Umgang mit dem Gewässer und seinen Bewohnern dazu beitragen, die Situation nicht zusätzlich zu verschärfen. „Wenn sich Fische auffällig verhalten, träge wirken oder sich in ruhigere Bereiche des Gewässers zurückziehen, sollten sie nicht absichtlich aufgescheucht oder verfolgt werden“, stellt Mayr klar. „Häufig versuchen die Tiere in solchen Situationen, Energie zu sparen und sich zu erholen.“

Forellen verenden im See – der Grund könnte künftig viel öfter vorkommen

Um die Fische zu schützen, können – je nach Gewässerart – etwa Uferbereiche beschattet, Rückzugsräume geschaffen oder durch Belüftung zusätzlich Sauerstoff eingebracht werden. „Gegen anhaltende Hitzeperioden und die damit verbundene geringere Sauerstoffbindung lässt sich aber nur bedingt etwas ausrichten“, so Mayr. Kritische Punkte können innerhalb kürzester Zeit erreicht werden. Fischereivereine würden ihre Gewässer daher sehr genau beobachten, um gegebenenfalls gefährdete Fischbestände zu bergen oder umzusiedeln. „Das sind Einsätze, die aufgrund des Klimawandels leider immer häufiger vorkommen.“ Mayr betont: „Die Fischereivereine in Oberbayern leisten hier bereits extrem viel und konnten an vielen Stellen und in vielen Einsätzen zahlreiche Fische retten.“

„Kein Handlungsbedarf“: Experten äußern sich zu Fischsterben

Der Geschäftsführer vermutet: „Langfristig wird man deshalb die Bewirtschaftung einiger Gewässer in Oberbayern wohl an die veränderten Bedingungen anpassen.“ Vor allem für kälteliebende Arten wie die Forelle würden geeignete Habitate leider immer seltener. Karpfen oder Schleien sind wärmetoleranter. „Die Artenzusammenstellungen werden sich also voraussichtlich anpassen.“

Das Wasserwirtschaftsamt hat die Situation am Bibisee in Augenschein genommen. „Nach der Mitteilung an die Behörden wurden keine weiteren toten Fische mehr vorgefunden. Sowohl das Wasserwirtschaftsamt als auch das Landratsamt sehen keinen Handlungsbedarf“, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt. Man gehe von Sauerstoffmangel aufgrund erhöhter Wassertemperatur als natürliche Ursache aus.