Weyhe hisst Friedensflagge – Gast aus Lettland berichtet von Drohnen an der Grenze


Stand: 12.07.2026, 19:00 Uhr

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Friedensbotschaft: (v.l.) Weyhes Bürgermeister Frank Seidel, seine allgemeinde Verteterin Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith, zweite stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty, erster stellvertretender Bürgermeister Jürgen Borchers und Maris Justs, zweiter Ratsvorsitzender des Bezirks Madona.

Friedensbotschaft als Chefsache: (v.l.) Weyhes Bürgermeister Frank Seidel, seine allgemeine Vertreterin, Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith, die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty, der erste stellvertretende Bürgermeister Jürgen Borchers und Maris Justs, zweiter Ratsvorsitzender des Bezirks Madona. © Dierck Wittenberg

Weyhe hat am Donnerstag den Flaggentag der „Mayors for Peace" begangen. Der zweite Ratsvorsitzende aus der lettischen Partnerstadt Madona berichtete dabei von russischen Drohnen über dem Grenzgebiet.

Weyhe – Weyhe hat am Donnerstag den Flaggentag der „Mayors for Peace“ (zu Deutsch: Bürgermeister für den Frieden) begangen. Und damit mit einem Tag Verspätung, was aber seinen Grund hatte. Neben Bürgermeister Frank Seidel und Erster Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith und den ehrenamtlichen Stellvertretern, Ingrid Söfty und Jürgen Borchers, konnte durch die Terminverschiebung ein internationaler Gast teilnehmen: Maris Justs, zweiter Ratsvorsitzender des Bezirks Madona, der als Kopf der Austausch-Delegation just in Weyhe zu Gast war.

Dadurch konnte Justs eine spezifisch baltische Perspektive auf Krieg und Frieden in den Termin zum Flaggentag einbringen. Diese Perspektive ist nicht zuletzt durch eine geografische Nähe zu Russland geprägt, das bekanntlich im Februar 2022 auf breiter Front in der Ukraine einmarschiert ist. Seinen Beitrag hielt Justs auf Lettisch, Elīna Krupko, Museumsmitarbeiterin aus Madona, übersetzte für ihn auf Englisch.

Demnach verwies der zweite Ratsvorsitzende auf große technische Fortschritte, die Erleichterungen im täglichen Leben mit sich gebracht hätten. Leider hätten Demokratie und Kommunikation damit nicht mitgehalten. Der Wunsch des Gasts aus Lettland: Moderne Menschen sollten ein besseres Gefühl dafür entwickeln, einander zu verstehen. Mit Blick auf den russischen Einmarsch sprach Justs von einer veränderten Situation – die sein Land hautnah zu spüren bekomme. „Lettland ist eine der Grenzen der EU, Russland ist unser Nachbar“, betonte er.

Jürgen Borchers verwies angesichts dessen auf die Vorarbeit, die 1990 zur Partnerschaft mit Madona führte. Die Partnerschaft mit einer Gemeinde im Baltikum sei bewusst gewählt worden und auch rückblickend die richtige Entscheidung gewesen, befand Borchers, der auch SPD-Ratsherr ist. Auf eine Frage von Ingrid Söfty hin – die CDU-Ratsfrau hatte sich nach der russischen Minderheit in Lettland erkundigt – verglich Maris Justs die aktuelle Situation mit der zu Zeiten der Sowjetunion: Sowohl Belarus als auch Russland hätten die Grenzen zu ihren westlichen Nachbarn geschlossen. Dadurch könnten die Mitglieder der russischen Minderheit Lettland nicht verlassen, auch wenn sie es wollten.

In den vergangenen Monaten habe es wiederholt Luftalarm gegeben, russische Drohnen seien über dem Grenzgebiet gesichtet worden, berichtete der Politiker, der der liberalen Partei „Für Lettlands Entwicklung“ angehört. Im täglichen Leben und in der Verwaltungsarbeit hätten sich die Prioritäten verschoben: Sicherheitsfragen seien in den Vordergrund gerückt. Vor diesem Hintergrund sei er noch einmal so glücklich, in Weyhe zu sein, hob der Gast aus Madona hervor, der sich für Freundschaft und Verständigung aussprach. Denn gemeinsam sei man stärker. „Make friends, not war“ (schaffe Freunde, keine Kriege), fasste Bürgermeister Seidel zustimmend zusammen. Seidel erwähnte, dass er im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Madona gewesen sei und ein Straßenschild wie „800 Kilometer bis Moskau“ eine „andere Betroffenheit“ auslöse. Denn das sei nur so weit wie „einmal nach München“.

In einer Mitteilung zum Flaggentag schreibt die Gemeindeverwaltung: Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine habe die „Mayors for Peace“-Flagge lange dauerhaft vor dem Weyher Rathaus geweht. „Beim Flaggentag 2026 wurde sie erneut gehisst – neben jener der lettischen Gäste aus Weyhes Partnerkommune Madona.“

Weyhe gehört dem Netzwerk, das sich weltweit für Frieden und nukleare Abrüstung einsetzt, seit 2009 an. Die Organisation „Mayors for Peace“ wurde 1982 durch den Bürgermeister der im Zweiten Weltkrieg bombardierten japanischen Stadt Hiroshima gegründet. Der Flaggentag bezieht sich auf den 8. Juli 1996, als der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem Rechtsgutachten feststellte, dass Androhung und Einsatz von Atomwaffen generell gegen das Völkerrecht verstoßen.

Mit Blick auf das Anliegen der „Mayors for Peace“ fordert Bürgermeister Seidel in der Mitteilung einen „Stopp des neuen atomaren Wettrüstens und aufrichtige nukleare Abrüstungsbemühungen“. Sein Stellvertreter Borchers wird zustimmend zitiert: „Wir wollen Frieden auf der Welt. Atomwaffen schaffen keinen Frieden. Sie verbreiten lediglich Angst und Schrecken – oder bringen den Tod.“ Ingrid Söfty betont in der Mitteilung: „Kein Mensch soll befürchten müssen, den Abwurf einer Atombombe zu erleben. Insbesondere Kinder sollten niemals mit dieser Sorge aufwachsen.“