Keto-Diät schnitt in neuer Vergleichstudie am besten ab
Gesündeste Abnehmkost?
Keto-Diät schnitt in neuer Vergleichstudie am besten ab
Eine Untersuchung von drei beliebten Diäten brachte ähnliche Abnehmerfolge, doch die Stoffwechselwerte waren bei Keto am besten. Fachleute bleiben skeptisch
Klaus Taschwer
Adipositas zählt zu den größten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Die Erkrankung, die mit einer übermäßigen Ansammlung von Körperfett einhergeht, erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen der Leber erheblich. Weltweit steigt die Zahl der Betroffenen weiter an, während Wissenschaft und Medizin nach immer wirksameren Behandlungsstrategien suchen.
Als großer medizinischer Hoffnungsträger gelten GLP-1-Hemmer, die nun nicht nur in Spritzen-, sondern auch in Tablettenform angeboten werden. Ein anderer Weg ist eine Ernährungsumstellung. Wer Gewicht verlieren will, hat die Qual der Wahl aus verschiedenen Diäten. Drei davon gelten als wissenschaftlich abgesichert: die mediterrane Kost, pflanzenbasierte Ernährung und die Keto-Diät, die sehr fettreich, aber extrem kohlenhydratarm ist.
Drei getestete Methoden
Für alle drei Methoden gibt es nachweisliche Erfolge auf der Waage. Doch welche Ernährungsform verbessert tatsächlich die Gesundheit am stärksten? Eine aktuelle Studie liefert überraschende Antworten und sorgt zugleich für neue Diskussionen unter Ernährungsfachleuten – nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern auch hinsichtlich der Aussagekraft der Untersuchung, die diese Woche im Fachjournal Cell Metabolism erschien.
Forschende um Max Petersen (University of Washington) rekrutierten für ihre Studie Personen, die an Adipositas, Prädiabetes und einer Fettlebererkrankung litten. Ziel war es, herauszufinden, wie sich eine ketogene Diät, die mediterrane Ernährung und eine pflanzenbasierte, fettarme Kost auf Gewicht und Stoffwechsel auswirken. Das erste Ergebnis überrascht kaum: Alle drei Diäten funktionierten. Nach sechs Monaten hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rund zehn Prozent ihres Körpergewichts verloren.
Damit wurde das primäre Ziel in allen drei Gruppen erreicht. Interessanter wurde es jedoch beim Blick auf die Stoffwechselwerte. Hier zeigte die ketogene Ernährung, die Kohlenhydrate großteils aus dem Speiseplan verbannt und stattdessen auf einen hohen Fettanteil setzt, leichte Vorteile. Insbesondere die Insulinsensitivität der Leber verbesserte sich deutlich stärker als bei den anderen Ernährungsformen. Auch der Fettgehalt der Leber sowie verschiedene Blutzuckerwerte gingen mit Keto etwas stärker zurück.
Mehr als das Gewicht
Für Studienautor Max Petersen ist das ein Hinweis darauf, dass nicht nur die Gewichtsabnahme selbst zählt, sondern auch die Zusammensetzung der Nahrung. Gerade in Zeiten, in denen Medikamente wie Ozempic, Wegovy oder andere GLP-1-Wirkstoffe als vermeintliche Wunderwaffen gegen Übergewicht gelten, erinnere die Untersuchung daran, dass Ernährung weit mehr bewirken könne als bloß Kalorien zu reduzieren. Die Wahl der Lebensmittel habe eigenständige Auswirkungen auf die Stoffwechselgesundheit.
Allerdings hat die Studie auch deutliche Grenzen. Insgesamt nahmen lediglich 42 Personen im gesamten Untersuchungszeitraum teil – 14 pro Ernährungsgruppe. Zudem dauerte die Untersuchung nur sechs Monate. Petersen selbst räumt ein, dass größere Studien nötig wären, um subtilere Unterschiede zwischen den Ernährungsformen sicher nachweisen zu können. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: die Lebensrealität.
Schwächen der Keto-Diät
Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Studie ausschließlich speziell vorbereitete Mahlzeiten erhielten, müssen Menschen im Alltag ihre Ernährungsgewohnheiten dauerhaft selbst organisieren. Genau hier sehen internationale Fachleute, die zur Studie von Science Media Centern befragt wurden, die Schwäche der Keto-Diät. Die strengen Kohlenhydratbeschränkungen seien langfristig kaum durchzuhalten. Brot, Reis oder Kartoffeln seien tief in der Esskultur und im sozialen Leben der meisten Menschen verankert. Wer sie konsequent meide, stoße oft an praktische und psychologische Grenzen.
Zudem könne die rasche Gewichtsabnahme zu Beginn teilweise auf Wasserverlust zurückzuführen sein, da beim Abbau von Glykogenspeichern auch große Mengen Flüssigkeit verloren gehen. Auch sportliche Leistungsfähigkeit kann laut Ansicht der Fachleute unter Keto leiden. Glykogen ist der wichtigste Energielieferant bei intensiver körperlicher Belastung. Fehlt es, fühlen sich viele Menschen müde und antriebslos.
Doch besser mediterran?
Vor allem spanische Expertinnen und Experten betonen in Reaktion auf die Studie die Vorzüge der mediterranen Ernährung. Sie setzt auf Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Vollkornprodukte und Olivenöl und gilt seit Jahrzehnten als einer der besterforschten Ernährungsansätze überhaupt. Insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen habe die mediterrane Diät nachweisbare Vorteile.
Grundsätzlich gelte: Die beste Diät sei nicht zwingend jene mit den spektakulärsten Laborwerten, sondern jene, die Menschen dauerhaft durchhalten können. Die ketogene Ernährung mag bei bestimmten Stoffwechselparametern Vorteile bieten. Ob sie jedoch über Jahre hinweg praktikabel ist, bleibt fraglich. In den Worten eines spanischen Experten in der Zeitung El País: "Die ketogene Diät ist eine Tortur, die mediterrane ein Genuss." (red, tasch, 28.8.2026)
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