Polizei stellt Kriminalstatistik vor: Auch in Schauenburg wird das Klima rauher


Stand: 30.08.2026, 06:00 Uhr

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GP Schauenburg, 12.10., Luftbild Schauenburg, Foto: Gemeinde Schauenburg

Hier ist die Welt noch weitestgehend in Ordnung: Schauenburg ist wohl das kleinste Problem in der Kriminalstatistik des Polizeireviers Süd-West. © privat

Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen ist in Schauenburg von vier auf neun Fälle gestiegen. Auch Nötigungen nahmen von vier auf elf Fälle zu.

Schauenburg – Ist die Gemeinde Schaunburg ein heißes Pflaster? In der jüngsten Sitzung des Parlaments ist die polizeiliche Kriminalstatistik – Kurzform: PKS – für die 10.000-Köpfe-Kommune vorgestellt worden. Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Nein, in Schauenburg ist die Welt noch weitestgehend in Ordnung. „Hier leben gute Menschen“, sagte Polizeioberrat Frank Asthalter, Leiter des Reviers in Baunatal, das für 130.000 Menschen zuständig ist. Schauenburg, so lautete das Fazit frei übersetzt, ist dabei das geringste Problem.

In Zahlen heißt das: Die PKS führt für das vergangene Jahr 235 Fälle auf – im Vergleich zum Vorjahr (202 Fälle) ist das zwar ein Anstieg von 16,3 Prozent. 2023 waren es aber auch 236 Fälle. Die polizeiliche Einschätzung: „Das ist nicht viel.“ Wird die Zahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet, liegt Schauenburg damit deutlich hinter dem vergleichbar großen Niestetal. Trauriger Spitzenreiter bundesweit war im vergangenen Jahr übrigens Frankfurt – die Stadt in Südhessen wechselt sich regelmäßig mit Berlin ab.

Die Aufklärungsquote in Schauenburg liege im Schnitt bei 63,4 Prozent, sei allerdings stark abhängig vom Fall: Während Wohnungsdiebstähle gerade einmal an den 20 Prozent kratzen, werde bei Körperverletzungen der Täter „oft gleich mitgeliefert“, so Asthalter. Den größten Anteil in Schauenburg machten Rohheitsdelikte wie Körperverletzung sowie Diebstähle aus (beide 21 Prozent). Dabei ist die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen von vier auf neun gestiegen, was laut Polizei im bundesweiten Trend zur Verrohung liegt. Auch Nötigungen (vier auf elf Fälle) und Bedrohungen (13 auf 17 Fälle) haben zugenommen. Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichnet die Kriminalstatistik im vergangenen Jahr elf Fälle – auch diese Zahl steige bundesweit stetig. Ebenfalls zugenommen haben Beleidigung (fünf auf zehn Fälle) und Sachbeschädigung (28 auf 33 Fälle).

Deutlich mehr Hausfriedensbrüche

Bei Diebstählen (leichter Anstieg auf 55 Fälle, fünf Wohnungseinbrüche) entwickelt sich die Gemeinde gegen den Trend in Stadt und Kreis Kassel. Auffällig: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei in Schauenburg zwölf Fälle von Hausfriedensbruch – im Vorjahr war es ein Fall. Was denn da los gewesen sei, wollte der Polizeioberrat wissen. Aufklären konnte die Gemeindevertretung das an dem Abend nicht.

Die insgesamt 113 Tatverdächtigen in Schauenburg sind in der Regel männlich (89 Personen) und Deutsche (86 Personen). Die viel diskutierte Ausländerkriminalität „darf man nicht mit absoluten Zahlen rechnen, sondern muss ins Detail gehen“, so Asthalter und Polizeihauptkommissar Jens Haase. Das gilt letztlich für die gesamte Kriminalstatistik: Sie bildet nur das sogenannte „Hellfeld“ ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte ab. Zudem gehen die Fälle erst ein, wenn sie abgeschlossen sind. Sprich: So lange ermittelt wird, tauchen sie in der Statistik nicht auf.

Dennoch konnten die Polizisten Entwarnung geben: Unfallschwerpunkte in der Gemeinde seien nicht bekannt. 33 Wildunfälle machten gut ein Drittel der Gesamtzahl aus.

Die Sorgen der Gemeindepolitik sind derzeit jedoch ganz andere: Die vielerorts steigenden Zahlen der E-Scooter-Unfälle beschäftigen auch Schauenburg. Den Umstand, dass einige Eltern ihre Kinder mit getunten Scootern losfahren lassen, nötigte Bürgermeister Michael Plätzer (SPD) ein „Was ist mit Deutschland los?“ ab. Auch auf dem Supermarkt-Parkplatz in Hoof komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die Rückmeldung eines Polizisten aus dem Parlament: E-Scooter-Sünder sind selbst dann schwer zu stoppen, wenn man sie auf frischer Tat erwischt. „Du kriegst sie zu Fuß nicht.“