KI-Anteil in Parlamenten vervierfacht – warum Abgeordnete den Einsatz verschweigen
Stand: 03.09.2026, 18:00 Uhr
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Eine neue Studie zeigt, dass bis zu 15 % der Parlamentsreden in Großbritannien und Schweden von KI stammen – ohne Offenlegung gegenüber der Bevölkerung.
Edinburgh – Politikerinnen und Politiker in Schweden und im Vereinigten Königreich greifen offenbar immer häufiger auf Künstliche Intelligenz (KI) zurück, um Parlamentstexte zu verfassen – ohne dies offenzulegen. Das zeigt eine neue Studie.
Forschende der Technischen Hochschule Chalmers in Schweden und der Edinburgh Napier University im Vereinigten Königreich haben 13.565 schwedische Parlamentsanträge und 4.209 britische Parlamentsbeiträge aus dem Zeitraum von 2021 bis April 2026 ausgewertet.
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Dieser Artikel von Roselyne Min entstand in Kooperation mit Euronews
Dafür setzten sie KI-Detektoren ein, die menschliche Texte von politischen Texten großer Sprachmodelle unterscheiden sollen. Demnach enthielten rund 15 Prozent der im Jahr 2026 untersuchten britischen Parlamentsbeiträge mindestens einen Absatz, den das System als KI-generiert einstufte.

In Schweden wiesen 9,4 Prozent der im Parlamentsjahr 2025/2026 eingereichten Anträge mindestens einen Absatz auf, der als KI-unterstützt galt – das entspricht rund 300 Vorlagen.
In keinem der identifizierten Texte fanden die Forschenden jedoch einen Hinweis auf den Einsatz von KI. In beiden Ländern ist das ein deutlicher Anstieg. Im Vereinigten Königreich lag der Anteil 2022 noch bei rund 3,5 Prozent, in Schweden in der Parlamentsperiode 2022/2023 bei 1,7 Prozent.
Zunehmende Nutzung von KI in der Parlamentsarbeit
Jan Riise, Abgeordneter der schwedischen Miljöpartiet, der Grünen, und Sprecher seiner Partei für KI und Digitalisierung, zeigte sich über die Ergebnisse für Schweden „nicht überrascht“. Gegenüber Euronews Next sagte er, die Partei nutze KI zu „Recherchezwecken“ und habe interne Richtlinien, die zu Zurückhaltung beim Einsatz mahnen.
„Ich persönlich verlasse mich lieber auf meine eigenen Worte“, sagte Riise. Politikerinnen und Politiker sollten den Einsatz von KI kennzeichnen, forderte er. „Wenn man einen kompletten Antrag schreiben lässt, ist das etwas anderes“, sagte er und fügte hinzu, er habe KI „noch nie den ganzen Text schreiben lassen“.
Rufe nach Transparenz
Bewerteten die Forschenden ganze Texte statt einzelner Passagen, galten im jüngsten Parlamentsjahr 6,5 Prozent der schwedischen Anträge insgesamt als KI-generiert; bei den britischen Texten 2026 waren es 2,1 Prozent. Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern daher mehr Transparenz.
„Unabhängig davon, in welchem Umfang KI genutzt wurde, birgt fehlende Transparenz Risiken“, erklärte Minerva Suvanto, Hauptautorin der Studie und Doktorandin an der Technischen Hochschule Chalmers, in einer Mitteilung. „Wir sehen außerdem, dass mithilfe von KI erstellte Texte oft sehr gut formuliert und überzeugend sind. Dadurch steigt das Risiko, dass Fehler nicht einmal den Verfasserinnen und Verfassern selbst auffallen“, ergänzte Suvanto.
So erkannten die Forschenden KI-generierte Texte
Um möglichen KI-Einsatz aufzuspüren, entwickelten die Forschenden getrennte Systeme für schwedische und englische Parlamentstexte. Sie trainierten die Modelle mit von Menschen verfassten Texten aus der Zeit, bevor generative KI weit verbreitet war, sowie mit KI-generierten Versionen zu ähnlichen politischen Themen.
Anschließend setzten sie die Detektoren auf Texte ab 2021 an und analysierten sowohl komplette Dokumente als auch einzelne Absätze. Ein Text galt als KI-unterstützt, wenn mindestens ein ausreichend langer Absatz als KI-generiert klassifiziert wurde.
Beim Test mit Parlamentsmaterial aus dem Jahr 2021, also bevor ChatGPT öffentlich zugänglich war, ordneten die Systeme in jedem Land nur einen vollständigen Text fälschlicherweise der Kategorie „KI‑generiert“ zu, heißt es in der Studie.
Grenzen der Analyse und offene Fragen
„Wir nutzen sogenannte interpretierbare KI“, sagte Mattias Wahde, Professor für angewandte Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Chalmers. „Das bedeutet, dass wir nicht nur untersuchen können, ob KI verwendet wurde, sondern auch, an welchen Stellen sich das im Text zeigt. Einzelne Wörter als ‚KI-Wörter‘ zu bezeichnen, ist jedoch nicht möglich, es ist komplizierter als das.“
Welche KI-Werkzeuge im Einzelfall zum Einsatz kamen und wie genau sie beim Verfassen der Texte genutzt wurden, kann die Studie allerdings nicht klären. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem einige Politikerinnen und Politiker den Einsatz generativer KI in ihrer Arbeit offen einräumen.
Politische Akteure bekennen sich zu KI-Werkzeugen
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson hatte im August 2025 offenbart, dass er regelmäßig Werkzeuge wie ChatGPT und den französischen Chatbot LeChat nutzt, um eine „zweite Meinung“ zu politischen Fragen einzuholen. Er erklärte, er frage die KI etwa, was andere getan hätten und ob Schweden über das Gegenteil nachdenken sollte.
Sein Pressesprecher betonte später, in die Systeme seien keine sicherheitsrelevanten Informationen eingegeben worden.