Essen am Schreibtisch: Was Nahrungsmittel im Büro anrichten


Nahrungsmittel am falschen Ort zu sich zu nehmen, kann das unsichtbare Geflecht empfindlich stören, das die Gesellschaft unter normalen Umständen zusammenhält. Wer das bezweifelt, sollte mal im Berliner Hauptbahnhof in einen voll besetzten ICE Richtung Süden steigen und neben einem Sitznachbarn landen, der kurz vor der Abfahrt noch die Spezialität erstanden hat, für die die deutsche Hauptstadt in aller Welt bekannt ist: einen Döner.

So intensiv und vor allem so lange wie in einem Zugwaggon wird man das Odeur des Sandwiches aus Drehspießfleisch wohl nicht mehr wahrnehmen dürfen. Und zwar unabhängig von der Soße oder der Antwort auf die Frage: „mit Zwiebel?“

Stulle statt Brokkoliauflauf

Ein ähnlich gelagerter Problemfall ist die Zubereitung mitgebrachter Speisen in der Mikrowelle einer Kaffeeküche, die dank moderner Büroarchitektur offen gestaltet im Zentrum eines Großraumbüros liegt. Natürlich kann es eine gewisse Freude bereiten, im abteilungsinternen Wettbewerb zu erschnuppern, ob Kollege X heute mal wieder Blumenkohleintopf, Brokkoliauflauf oder doch Lachs-Fenchel-Lasagne mitgebracht hat. Noch besser wäre es aber, dieses Spiel gar nicht erst mitspielen zu müssen.

Wer nicht wegen Geruchsbelästigung auffallen will, hat die Möglichkeit, sich auf die kalte Küche zu verlegen. Doch sollte man auch hier gewisse Vorsicht walten lassen. Gerade, wenn mal wieder wegen zu viel Arbeit schnell-schnell am eigenen Schreibtisch gegessen werden muss, gilt es aufzupassen. Brötchenkrümel lassen sich noch relativ leicht loswerden. Übler ist es schon, wenn eine Käsescheibe oder eine Scheibe Fleischwurst auf dem Tisch landet. Schließlich läuft die Computermaus nicht mehr ganz so geschmeidig, wenn sie über einen Fettfilm gleiten muss.

Unter allen Umständen gilt es aber, Brotaufstriche zu meiden, die sich selbständig machen könnten. Das weiß jeder, der schon mal eine weiche Avocado auf der Stulle hatte; gefährlich sind auch Mayonnaise oder Senf, die eigentlich zur Verfeinerung dienen sollten.

Aber wenn gleichzeitig zugebissen und das Brot festgehalten wird, können Aufstriche und Soßen ein nicht antizipiertes Eigenleben entwickeln – und an allen möglichen Seiten aus dem Sandwich herausquellen. Oft ist es aber,  dank Murphy’s Law, genau jene Stelle, die gerade über der Tastatur schwebt. Das stört wahrscheinlich niemanden allzu sehr, außer den Verursacher. Aber dass die verklebte Leertaste danach hängt, hilft auch keinem weiter.

In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.