Weltklasse: Ich war auf den BTS Konzerten in München und es war das Beste was ich bisher erlebt habe
Die BTS-Konzerte in München haben einmal mehr bewiesen, dass Jung Kook, Jin, Suga, V, RM, Jimin und J-Hope in ihrer ganz eigenen Liga spielen.
Zwei Tage lang haben die Fans der K-Pop-Gruppe BTS die Allianz-Arena in ein Meer aus lila Lichtern und unbändiger Energie verwandelt. Zum Dank haben ihnen RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jung Kook ein ganz besonderes Geschenk gemacht.
Über BTS
13 Jahre nach ihrem Debüt haben BTS nicht nur fast alle Ziele erreicht, die sie sich gesteckt haben, sondern sind mehrfach auch darüber hinaus geschossen: Bislang waren sie für fünf Grammys nominiert, hatten sechs Nummer-Eins-Hits in den US-Billboard-Charts (was zuvor nur den Beatles und den Supremes gelungen war) und wurden zu Entsandten der Vereinten Nationen ernannt. Was außerdem noch keiner Band vor ihnen gelungen ist: Jedes der sieben Mitglieder von BTS konnte mit einem Soloalbum mehr als 1 Milliarde Streams erzielen.
Auch 2026 hat das Septett Geschichte geschrieben: Nach einer mehrjährigen Zwangspause, in der die sieben Männer ihre Wehrpflicht erfüllten, meldeten sie sich im März mit dem Album Arirang zurück. Mit über 110 Millionen Streams am ersten Tag stellte das Comeback gleich mehrere Rekorde auf. Es ist das meistgestreamte Album des Jahres innerhalb eines Tages auf Spotify und gleichzeitig das erfolgreichste K-Pop-Album in der Geschichte der Plattform. Die dazugehörige Welttournee umfasst über 80 Termine, davon zwei in der Münchner Allianz Arena.
In München zeigt sich ARMY von ihrer besten Seite
Sieben Jahre ist es her, dass BTS zuletzt auf Welttournee gingen. Dazwischen lagen eine Pandemie und der obligatorische Militärdienst aller sieben Mitglieder, weshalb die Gruppe nur vereinzelt gemeinsam auftreten konnte. Als sie damals ihre Einberufung antraten, waren RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jung Kook besorgt: Würde ARMY – so heißt die Fan-Crowd von BTS – wirklich noch zwei weitere Jahre auf sie warten?
Die Antwort liefert ihre aktuelle Arirang-Welttournee, die am 11. und 12. Juli in der Münchner Allianz Arena Station machte. An beiden Abenden zusammen feierten rund 150.000 Fans die Künstler aus Südkorea – lautstark, textsicher und mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Für viele Zuschauer:innen war es das erste BTS-Konzert überhaupt. Dennoch schien allen im Stadion bewusst zu sein, dass ein Ticket weit mehr bedeutet als das Verfolgen einer Show. Wer live bei BTS dabei ist, übernimmt stellvertretend für Millionen ARMYs auf der ganzen Welt eine aktive Rolle im Konzert. Und die Münchner ARMY hat ihre Aufgabe mit Bravour erfüllt!

Als das Septett seinen Hit "Mic Drop" anstimmt, genügt das Close-up eines vibrierenden Sneakers auf den LED-Wänden als Einsatzsignal. Eine Sekunde später rollt der Fan-Chant wie eine Druckwelle durchs Stadion: "Kim Namjoon, Kim Seokjin, Min Yoongi, Jung Hoseok, Park Jimin, Kim Taehyung, Jeon Jungkook – BTS!" Die Lightsticks, die zur Fan-Ausrüstung selbstverständlich dazugehören, wippen kontinuierlich im Takt. Und als Suga kurz darauf seinen extra-rotzigen Rap-Part schmettert, brüllen 75.000 Menschen wie aus einem Mund die kultige Zeile "Mianhae eomma" (dt. "Sorry, Mom!")

HYBE / BIGHIT Music
Eine Setlist ohne Verschnaufpause
Knapp zweieinhalb Stunden lang stehen BTS während des Arirang-Konzerts auf der Bühne – und reihen dabei einen Höhepunkt an den nächsten. Neben den Songs ihres jüngsten Erfolgsalbums greifen die Männer tief in ihre Diskografie und verpassen Klassikern wie "Not Today" spannende neue Arrangements.
Dabei überzeugt jedes Mitglied auf seine ganz eigene Weise. J-Hopes Isolationen wirken nahezu unmenschlich präzise. Jimins fließende Ebenenwechsel lassen selbst komplexeste Choreografien schwerelos erscheinen. Sugas explosive Rap-Parts besitzen dieselbe gnadenlose Energie wie zu Beginn ihrer Karriere, während jedes Wort, das aus Leader RMs Mund kommt, sich wie eine tröstende Umarmung anfühlt. Jung Kook veredelt Songs wie "Into the Sun" mit scheinbar mühelosen Ad-libs, Vs soulvolle Stimme wirkt auf die Ohren wie ein Löffel warmer Honig auf den Gaumen, und Jin beweist mit glasklaren High Notes – besonders in "Like Animals" – einmal mehr, warum seine Stimme live zu den stärksten der Gruppe zählt.
Vor allem aber macht die Setlist deutlich, dass die Arirang-Ära für BTS zugleich Rückkehr und Neuanfang ist. Die nahtlosen Übergänge von "FYA" zu "Burning Up" (von 2016) und von "Body to Body" zu "IDOL" (von 2018) verbinden ihre Vergangenheit und Gegenwart zu einem musikalischen Kontinuum. Tracks wie "Hooligans" oder "2.0" tragen zudem denselben Hunger in sich wie einst "No More Dream" oder "Baepsae". Mit einem feinen Unterschied: Heute müssen BTS niemandem mehr etwas beweisen. Sie haben sich ihren Platz in der Musikgeschichte längst verdient.
Doch auch die ruhigeren Momente gönnen dem Publikum kaum Gelegenheit, durchzuatmen. Songs wie "Normal", "Like Animals" oder “Come Over” verzichten zwar auf maximalen BPM, nicht aber auf emotionale Wucht. Zumal der Anblick von Zehntausenden lila leuchtenden Lightsticks in der Allianz Arena während “Come Over” wirklich ergreifend ist. Auch "Into the Sun", das wie der Abspann eines Anime klingt und den Konzertabend beschließt, entfaltet eine bittersüße Melancholie, die noch lange nachhallt.
Weniger Requisiten, mehr Symbolik
Anders als auf früheren Tourneen verzichten BTS diesmal weitgehend auf monumentale Bühnenbilder, durchchoreografierte Nummern oder aufwendige Requisiten. Stattdessen nutzen sie eine 360-Grad-Konstruktion, die die Dynamik des Konzerts grundlegend verändert. RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jung Kook rennen ununterbrochen zwischen den Flügeln hin und her, suchen Blickkontakt und nutzen jede Rampe, jeden Laufsteg und jede Ecke der Bühne, um möglichst nah an möglichst viele ARMYs heranzukommen.
Auch auf emotionaler Ebene suchen BTS immer wieder die Nähe zu den Fans und ihrer Lebenswelt: RM begrüßt das Publikum auf Deutsch mit einem herzlichen "Servus" und bedankt sich auf Deutsch für ihr kommen. Jung Kook stimmt spontan den viralen Song "Du bist gut genug" von Blumengarten und Shirin David an und ergänzt am zweiten Abend augenzwinkernd: “ARMY ist gut genug". V erscheint zum Abschied im Trikot des FC Bayern München und versichert am zweiten Abend auf Deutsch: “Ihr seid alle Ehrenmänner und Ehrenfrauen. München auf die 1”.
J-Hope erklärt unterdessen, dass er sich vorstellen könnte, in München zu leben und auch Jin erzählt, wie viel ihm die Tage in der Stadt persönlich bedeutet haben – sein Vater habe fast 40 Jahre lang für ein deutsches Unternehmen gearbeitet und immer von seinen Besuchen in Deutschland geschwärmt. “Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich das Land besuchen durfte, das mein Vater so sehr geliebt hat”, bedankt sich das gruppenälteste Member von BTS.
Auch die Videoeinspieler wurden deutlich reduziert. Statt cineastischer Kurzfilme stehen während der wenigen kurzen Unterbrechungen der Show nun Contemporary-Dance-Performances ihrer Tänzer:innen im Mittelpunkt. Und gerade weil die Produktion minimalistischer wirkt, fallen die wenigen szenischen Elemente umso stärker auf: Während "They Don't Know About Us" umkreisen Tänzer:innen die Gruppe mit Tablets, auf denen anklagende Finger, wachsame Augen und traditionelle Hahoe-Masken erscheinen – Sinnbilder gesellschaftlicher Rollenbilder und fremder Erwartungen. In dem leicht wehmütigen Song blicken BTS auf 13 Jahre unter Dauerbeobachtung zurück und erklären selbstbewusst, dass ihnen die Meinung der Hater gestohlen bleiben kann.
Auch "Normal" nutzt die Bühne klug. Die Elemente der ringförmigen Plattform fahren ständig unterschiedlich hoch und herunter, sodass nie alle sieben Mitglieder auf derselben Ebene stehen. Die Metapher liegt auf der Hand: Jeder Mensch bewegt sich in seinem eigenen Tempo und meistert seine eigenen Herausforderungen. Einen objektiven "Normalzustand", mit dem man sich vergleichen müsste, gibt es daher nicht.
In "Merry Go Round" verwandelt sich die Bühne dagegen in ein kreisrundes Podest, das sich dreht. Während BTS den Song aufführen, bilden ihre Tänzer:innen mit langen weißen Stoffbahnen die Silhouette eines Karussells. Ein Bild dafür, dass das Leben sich weiterdreht – auch dann, wenn man selbst andere Pläne hatte.

Für die Arirang-Tournee setzen BTS erstmals auf eine 360 Grad Bühne.
HYBE / BIGHIT MusicKoreanische Kultur als Herzstück der Show
Thematisch zieht sich ein roter Faden durch das gesamte Konzert: Es geht darum, Krisen zu überwinden, Hoffnung zu bewahren und sich selbst treu zu bleiben – auch dann, wenn die Welt versucht, einem die eigene Identität abzusprechen.
Eben diese Haltung hat den Aufstieg von BTS überhaupt erst ermöglicht. Lange begegneten ihnen Teile der Öffentlichkeit mit Skepsis oder Spott. Ihre Sprache, ihre Kultur und ihr Aussehen passten für viele im Westen nicht in die gängigen Vorstellungen von Männlichkeit und Coolness. Doch statt sich den Erwartungen der Anderen anzupassen, hielten BTS an ihrer künstlerischen und kulturellen Identität fest – sie wurden nicht trotzdem erfolgreich, sondern deswegen.
In keinem Moment des Abends wird das deutlicher als während "Body to Body". Die Performance beginnt damit, dass BTS gemeinsam mit ihren Tänzer:innen in zwei Gruppen die Bühne betreten – eine ist in blauen Kutten vermummt, die andere in roten. In der Mitte der Bühne angekommen, lösen sich die Formationen langsam auf, bis Tänzer:innen und Mitglieder schließlich gemeinsam das Taegeuk formen: das rot-blaue Kreissymbol der koreanischen Flagge, das für das Gleichgewicht gegensätzlicher Kräfte steht und oft als koreanisches Pendant zum Yin-und-Yang-Prinzip beschrieben wird.
Auch der Track selbst unterstreicht ihr Selbstbewusstsein: Nach knapp zwei Minuten schleicht sich ein Sample des jahrhundertealten Volkslieds "Arirang" zunächst fast unbemerkt in den Hintergrund des Songs, während die Stimmen von Jimin, Jung Kook, Jin und V mühelos miteinander verschmelzen, und nimmt dann Anlauf zum Gänsehaut-Moment des Songs: Das ganze Stadion singt die hoffnungsvollen, aber auch sehnsüchtigen Zeilen Wort für Wort auf Koreanisch mit. So sieht globaler Einfluss in Aktion aus.
“DJ, spin that Shit!”
Obwohl München bereits der 29. und 30. Stopp der Arirang World Tour war, fühlte sich kein Abend wie der andere an. Dafür sorgt unter anderem ein festes Überraschungselement der Show: Zwei Songs rotieren bei jedem Konzert. Angeblich wissen nicht einmal die Mitglieder selbst im Voraus, welche Titel aus ihrer Diskografie gespielt werden. Das sorgt regelmäßig für charmante Momente, wenn sich einzelne Mitglieder sichtbar an alte Texte oder Choreografien erinnern müssen.
Am ersten Abend in München überraschte der DJ das Stadion mit dem Hip-Hop-Klassiker "Baepsae" und dem Fan-Liebling "Pied Piper". Der zweite Abend wurde dagegen historisch. Als die ersten Töne von "Louder than Bombs" erklangen, schien das Stadion für einen Moment den Atem anzuhalten. Dann brach ohrenbetäubender Jubel in der Allianz Arena los – den Fans wurde augenblicklich bewusst, dass sie Zeug:innen eines einmaligen Moments waren.
Der Song erschien im Februar 2020 auf dem Album MAP OF THE SOUL: 7, konnte nach der pandemiebedingten Absage der geplanten Welttournee jedoch nie live aufgeführt werden. Jahrelang galt “Louder than Bombs” deshalb als einer der größten unerfüllten Wünsche der ARMY. Mit seiner Live-Premiere in München schloss sich für viele Fans eine Wunde, die seit 2020 offen geblieben war.
Fazit zum BTS-Konzert in München: Ein Wiedersehen auf dem Höhepunkt
München erlebt BTS nicht nur in Bestform, sondern auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Nach sieben Jahren ohne gemeinsame Welttournee zeigen die sieben Mitglieder nicht nur, dass sie nichts von ihrer Bühnenpräsenz verloren haben – sie beweisen, dass sie als Künstler gewachsen sind.
Besonders beeindruckend ist dabei die stimmliche Leistung der sieben Mitglieder. Trotz der körperlich extrem anspruchsvollen Choreografien, der ständigen Bewegung über die weitläufige 360-Grad-Bühne und der hohen Intensität jeder einzelnen Nummer bleiben ihre Live-Vocals bemerkenswert stabil. Ob kraftvolle Rap-Passagen, komplexe Ad-libs oder die anspruchsvollen High Notes der Vocal-Line – BTS beweisen einmal mehr, dass ihre Performance nicht auf spektakulärer Inszenierung allein beruht, sondern auf einer außergewöhnlichen musikalischen Grundlage.
Gleichzeitig beweisen die beiden Münchner Abende, dass ihre größte Stärke längst nicht nur in der Größe und Qualität ihrer Shows liegt, sondern in der außergewöhnlichen Verbindung zwischen sieben Künstlern und ihrer globalen Community.
Mit der Arirang World Tour wollten BTS zeigen, wie sich ein Wiedersehen nach sieben Jahren anfühlt – die Sehnsucht, die Dankbarkeit und die Freude darüber, wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen. In München ist ihnen genau das gelungen.

Mit ihrem Auftritt in München haben Jung Kook, Jin, Suga, V, RM, Jimin, J-Hope bewiesen, dass sie als Performer außer Konkurrenz spielen.HYBE / BIGHIT Music
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