Laden-Leerstand: So geht‘s weiter
Stand: 22.08.2026, 06:00 Uhr
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In Bad Nauheim bleiben zwei frühere Märkte vorerst ohne Nachfolger. Für das Haus in der Hauptstraße 20, in dem bis April eine Netto-Filiale war, plant der neue Eigentümer barrierefreie Wohnungen. Das frühere Lidl-Gebäude in der Frankfurter Straße soll befristet Gewerbe aufnehmen.
Bad Nauheim – Manches Lebensmittelgeschäft in Bad Nauheim wurde geschlossen oder ist von Schließung bedroht. Die Rede ist von Tegut-, Lidl- und Netto-Standorten. Bei Tegut (Stollgelände und Stresemannstraße 3) wird sich etwas ändern, aber was, ist noch nicht bekannt. Das ehemalige Lidl-Gebäude in der Frankfurter Straße 7 bis 9 und die einstige Netto-Filiale in der Hauptstraße 20 stehen leer.

Ein Thema, mit dem sich der Ortsbeirat der Kernstadt jüngst befasst hat. Im Alten Rathaus hat Heiko Heinzel, Fachbereichsleiter für die Stadtentwicklung, einiges dazu berichtet.
Stellvertretender Ortsvorsteher Michael Schmale (Freie Wähler) lieferte ebenfalls einen Sachstand. Sein Büro Raab/Schmale hat das Haus in der Hauptstraße 20 gekauft, aus dem Netto ausgezogen ist. Schmale fragte zuerst, ob er die Sitzung verlassen solle, weil seine Anwesenheit möglicherweise als Befangenheit gewertet werden könne. Da aber kein Beschluss anstand, plädierte das Gremium für sein Bleiben – auch wegen der Infos aus erster Hand.
Schwierige Gespräche
Zunächst ging Heinzel auf Tegut ein. Nachdem die Stadt gehört habe, dass sich bei dem Konzern deutschlandweit etwas ändern werde, habe das Rathaus versucht, Kontakt aufzunehmen. „Das war sehr schwierig“, schilderte er. Daraufhin habe man sich an die Firma Edeka gewandt, die als Nachfolger gehandelt wird. Edeka habe geantwortet, „an Standorten dran zu sein“ – welche möglich seien, hänge vom Kartellamt ab. Wie Heinzel glaubt, dürfte am Tegut auf dem Stollgelände am Ende der Name Edeka stehen, da es eine neue, moderne Immobilie sei. Was die Stresemannstraße angeht, sei es unklar. Laut Heinzel soll Rewe an einzelnen Standorten interessiert sein. „Wir hoffen, dass es für die Stresemannstraße ein gutes Ende nehmen wird“, sagte er.
Wie Seniorenbeiratsvorsitzende Dr. Ulla-Ira Stamm anmerkte, hat der Seniorenbeirat einen Beschluss zur Hauptstraße 20 (ehemals Netto) gefasst. Die innenstadtnahe Kombination aus Tegut und Netto habe einwandfrei funktioniert. Für jeden Geldbeutel hat nach Ansicht von Stamm ein Angebot bestanden.
Wie Schmale daraufhin berichtete, hat sein Unternehmen das „Netto-Haus“ und den dahinterliegenden Teil erworben. „Es ist eine gute Innenstadtlage mit Potenzial“, konstatierte er. Da Bad Nauheim kaum noch Wohnbauflächen habe, sei dies ein Standort mit Verdichtungsmöglichkeiten. „Was mit dem Netto passiert ist, ist außerplanmäßig gewesen“, erklärte er. Der Mietvertrag habe erneuert werden sollen, aber Schmale habe eine andere Andienung für den Transporter gewollt. Der Wagen hatte bis dahin täglich 20 Minuten die Einfahrt blockiert. Zum Ladeplatz auf der anderen Straßenseite wollte Netto nicht ausweichen. Daran sei es gescheitert; hinzu kam ein Kanalschaden, was den Auszug beschleunigte.
Fördergelder reserviert
Wie Schmale weiter erläuterte, habe die WI-Bank Fördergelder reserviert, um das Haus zu sanieren. „Wir wollen das Gebäude aufhübschen, energetisch sanieren und alle Wohnungen barrierefrei umbauen.“ Zielgruppe seien Menschen mit Handicap. So entstünden Sozialwohnungen, die sein Unternehmen aber nicht mit „klassischen Sozialhilfeempfängern“ belegen wolle, sondern mit Schützlingen des Vereins Lebenshilfe.

Für den leer stehenden Laden schwebt ihm ein Geschäft vor, das Frequenz bringen könnte. Lebensmittel schließe er nicht aus, auch wenn es etwas anderes als Netto sein werde. An dem Gerücht, das Haus werde abgerissen, sei nichts dran.
Was ist mit dem früheren Lidl? Laut Heinzel bietet der Eigentümer des Gebäudes in der Frankfurter Straße 7 bis 9 die Fläche zurzeit für eine Handelsnutzung an. Mittel- bis langfristig sei Wohnbebauung weiter geplant, kurzfristig nicht. Für drei bis fünf Jahre sei die gewerbliche Nutzung für das Rathaus vorstellbar – innenstadtschädliche Sortimente seien allerdings ausgeschlossen.
Wie Ortsvorsteher Jochen Mörler (CDU) anmerkte, sei den Stadtverordneten der Umzug von Lidl aufs Stollgelände mit der Wohnbebauung am alten Standort schmackhaft gemacht worden. Er unterstrich: „Schade, dass solche Vereinbarungen nicht eingehalten werden – man hätte es fixieren müssen.“