Leichtathletik: Alison dos Santos und Masai Russell stürmen zu Weltrekorden


Masai Russell bejubelt ihren neuen Weltrekord

Diamond League Spektakel in Zürich - Dos Santos und Russell mit Weltrekorden

Stand: 27.08.2026 • 23:43 Uhr

Der Brasilianer Alison dos Santos und die Amerikanerin Masai Russell haben am Donnerstag beim Diamond-League-Meeting in Zürich binnen 40 Minuten zwei Weltrekorde geknackt und damit Leichtathletik-Geschichte geschrieben.

Dos Santos stürmte über 400 m Hürden in 45,80 Sekunden zum Sieg und distanzierte dabei den vorherigen Rekordhalter Karsten Warholm klar. Der norwegische Hürdenstar hatte die bisherige Bestmarke (45,94) bei seinem Olympiasieg 2021 in Tokio aufgestellt, dos Santos war nun satte 14 Hundertstel schneller.

Der Weltmeister von 2022, der seine eigene persönliche Bestleistung um fast eine halbe Sekunde unterbot, feierte seine Fabelzeit anschließend mit einer Brasilienfahne und jubelte: "Ich habe es geschafft, ich habe es geschafft. Ich bin so stolz und glücklich. Ich habe davon so lange geträumt. Aber ich glaube, ich kann das noch besser. Ich weiß, ich kann noch schneller laufen."

Warholm lobt: "Er war brillant"

Der 26-Jährige rannte im legendären Leichtathletik-Stadion Letzigrund von Beginn an auf und davon und hielt das Tempo auch auf der Zielgeraden hoch. Alle vier direkten Duelle mit Warholm, der in 46,69 Sekunden Zweiter wurde, hat er in diesem Sommer für sich entschieden. "Er war brillant. Es ist unglaublich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen", sagte der Norweger anerkennend. Der Nigerianer Ezekiel Nathaniel lief in 46,50 Sekunden auf Rang drei.

Russell löst Amusan ab

Hürdensprinterin Russell unterstrich ihre aktuelle Ausnahmestellung eindrucksvoll. Die Olympiasiegerin rannte über 100 m Hürden in 12,09 zum Weltrekord und knackte die bisherige Bestmarke von Tobi Amusan aus dem Jahr 2022 um drei Hundertstel. Die Nigerianerin wurde in der Schweiz in 12,23 Sekunden Zweite vor der niederländischen Europameisterin Nadine Visser (12,34). Wie dos Santos sicherte sich Russelll eine zusätzliche Weltrekord-Prämie in Höhe von 80.000 US-Dollar (rund 68.700 Euro).

"Ich bin sprachlos. Das war verrückt, das war episch", sagte die 26-Jährige: "So viele Leute haben das ganze Jahr gesagt, Du wirst den Weltrekord nicht brechen. Und deshalb war meine Reaktion im Ziel: 'Na, was sagt ihr jetzt?'"

Krause Sechste, Meyer diesmal vor Gürth

Für das deutsche Trio über 3000 m Hindernis lief es in der Schweiz besser als zuletzt in Chorzow. Europameisterin Gesa Krause, die in Polen ausgestiegen war, kämpfte sich noch nach vorne und in 9:12, 27 Minuten an Lea Meyer vorbei auf Rang sechs. Die EM-Vierte Meyer (9:13,50) landete diesmal als Siebte direkt vor Olivia Gürth, die in Birmingham Bronze geholt hatte. Grund zur Freude hatte Gürth dennoch: 9:15,07 Minuten bedeuteten persönliche Bestzeit. Der Sieg ging an Weltmeisterin Faith Cherotich (Kenia/8:55,82), die sich vor ihrer Landsfrau Doris Lemngole (8:55,94) durchsetzte.

Farken und Röhler Achte - Werro gefeiert

Über 1500 m wurde der deutsche Rekordhalter Robert Farken beim Erfolg des amerikanischen Olympiasiegers Cole Hocker (3:31,71) in 3:32,63 Minuten ebenso Achter wie Rio-Olympiasieger Thomas Röhler im Speerwurf (79,86). Rumesh Tharanga Pathirage (Sri Lanka) feierte mit 92,07 m einen Favoritensieg.

Audrey Werro wird immer schneller und schneller, die Europameisterin und Lokalmatadorin versetzte das Heimpublikum in Ekstase und triumphierte über 800 m in 1:53,70 Minuten - Diamond-League- und nationaler Rekord! Auch die zweitplatzierte Femke Broeders-Bol steigerte nach ihrem Streckenwechsel den niederländischen Rekord weiter auf 1:54,71 Minuten.

Duplantis und Karalis bieten sagenhafte Flugshow

Weltrekordler Armand Duplantis und Emmanouil Karalis, der gerade erst zum zweitbesten Stabhochspringer aller Zeiten avanciert war, stachelten sich mit einer sagenhaften Flugshow gegenseitig zu Höchstleistungen an. Der Schwede ließ 6,20 m aus, die Karalis erstmals bewältigte - wieder ein griechischer Rekord für den 26-Jährigen, der Duplantis unter Zugzwang setzte. Doch der zweimalige Olympiasieger nahm 6,25 m im ersten Anlauf - und nun versuchten sich beide an der Weltrekordhöhe von 6,32 m.

Beide scheiterten, hatten aber die Höhe sichtlich drin. Duplantis donnerte wütend seinen Stab auf den Boden, entschuldigte sich aber sofort für seinen Ausbruch. Doch auch, wenn der Coup an diesem Abend nicht gelang: Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Weltrekord fällt - und es könnte auch Karalis sein, der ihn sich holt.

Julien Alfred und Jefferson-Wooden zeitgleich

Über 100 m startete das Who's Who im Sprint der Frauen. Und Julien Alfred und Co. lieferten. Die Olympiasiegerin aus St. Lucia flog zeitgleich mit Tokio-Dreifach-Weltmeisterin Melissa Jefferson-Wooden (USA) ins Ziel und hatte hauchdünn die Nase vorn, in 10,70 Sekunden pulverisierte sie ihren eigenen nationalen Rekord. Dritte wurde Sha'Carri Richardson (USA) in 10,97 Sekunden, die britische Vierfach-Europameisterin Amy Hunt wurde Fünfte (11,04).

Zapletalová bleibt an der Hürde hängen

Fünf Starts in der diesjährigen Diamond-League-Serie, fünf Siege. Wer sollte Langhürdlerin Emma Zapletalová in Zürich stoppen? Anna Cockrell tat es. Die Olympia-Zweite aus den USA lieferte der Europameisterin aus der Slowakei einen harten Fight und rannte schließlich in 52,13 Sekunden mit Meeting-Rekord und Weltjahresbestzeit ins Ziel. Zapletalová dagegen blieb an der vorletzten Hürde hängen und hatte damit keine Chance mehr - Platz sechs in 54,07 Sekunden.

Mahutschich bei Olyslagers-Sieg Vierte

Im Hochsprung setzte sich Weltmeisterin Nicola Olyslagers durch, die als Einzige 2,02 m meisterte. Die Australierin ließ noch 2,05 m auflegen, versuchte sich aber vergebens an einer persönlichen Bestleistung. Die Olympia-Dritte Iryna Heraschtschenko aus der Ukraine egalisierte ihren Hausrekord von 2,00 m und wurde Zweite. Ihre favorisierte Landsfrau Jaroslawa Mahutschich musste sich mit dem geteilten vierten Platz begnügen. Für die Weltrekordlerin und Olympiasiegerin ging es diesmal nicht höher als 1,96 m.

In einem begeisternden Weitsprung-Wettkampf feierte Europameister und Olympiasieger Miltiadis Tendoglou (Griechenland) mit 8,45 m den nächsten Erfolg vor Tajay Gayle (8,43) und Wayne Pinnock (8,33/beide Jamaika).

Ihre Diamond-League-Sieger krönen die Leichtathleten nun kommende Woche beim Finale in Brüssel (4./5. September).