Geht es nach dem Ständerat, soll die «Lex On» rückgängig gemacht werden
«Lex On» soll rückgängig gemacht werden: Ständerat ist dagegen, dass der Schuhkonzern das Schweizerkreuz verwenden darf
Seit März darf das Schweizerkreuz auch Produkte zieren, die nicht in der Schweiz hergestellt wurden. Das soll sich wieder ändern.
24.09.2026, 19.11 Uhr
3 Leseminuten

Das Schweizerkreuz prangte in der Vergangenheit auf mehreren Schuhmodellen von On.
PD
Es gab eine Zeit, in der On-Schuhe als sehr schweizerisch galten. Sie gehörten gewissermassen zur helvetischen Kleidungskultur, oft kombiniert mit Kurzarmhemden und «Tschope». Wie als Beweis prangte auf einigen Modellen das Schweizerkreuz.
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Seither ist einiges passiert: 2019 stieg mit Roger Federer ein Sportler bei On ein, der zwar Schweizer ist, aber vor allem auch Weltbürger. 2020 trug der ehemalige amerikanische Wrestler und heutige Schauspieler Dwayne «The Rock» Johnson beim Super Bowl On-Schuhe – und die Marke in die Welt hinaus. Vor einer Woche gab das Unternehmen dann bekannt, dass der französische Starfussballer Kylian Mbappé neuerdings On-Fussballschuhe tragen werde.
International greift die Marke an. National aber fühlt sie sich immer wieder angegriffen. Die Ständeratssitzung vom Donnerstag dürfte dieses Gefühl verstärkt haben. Die kleine Kammer hat nämlich entschieden, dass On das Schweizerkreuz künftig nur noch auf Produkten platzieren darf, die in der Schweiz hergestellt wurden.
Juristisches Hickhack
On hatte sich jahrelang mit allen Mitteln gegen diese Regelung gewehrt – und sie im Ausland schlicht ignoriert. Das Unternehmen wurde von der Organisation Swissness Enforcement immer wieder ermahnt, einer Public-private-Partnership von Wirtschaftsverbänden und dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE). On argumentierte unter anderem, dass Forschung, Idee und Design aus Zürich stammten. Ausserdem ergänze man das Schweizerkreuz doch mit dem Vermerk «Swiss Engineering», man behaupte folglich nicht, dass die Schuhe in der Schweiz produziert worden seien. Daraufhin kam es zu einem juristischen Hickhack, irgendwann drohte sogar in China eine Klage.
Doch im März dieses Jahres schien sich On durchgesetzt zu haben. Das IGE passte seine Richtlinien überraschend an. Seither darf das Schweizerkreuz auch für Angaben wie «Swiss Design» oder «Swiss Engineering» verwendet werden – auch wenn das Produkt vollständig im Ausland hergestellt worden ist.

Ständerat Fabio Regazzi.
Das kam nicht überall gut an, man befürchtete eine Sonderbehandlung, die Rede war von einer «Lex On». Auch Fabio Regazzi ärgerte sich, der Tessiner Mitte-Ständerat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Er reichte eine Motion ein. Der Titel: «Schweizerkreuz nur für in der Schweiz fabrizierte Produkte». Im Kern ging es darum, den Entscheid des IGE wieder zu kippen. Am Donnerstagmittag wurde das Geschäft im Ständerat verhandelt.
Jans stellt Bericht in Aussicht
Regazzi sagte eingangs, der IGE-Entscheid schwäche erstens «den Wert des Schweizerkreuzes». «Zweitens schafft die neue Praxis Anreize, die Produktion ins Ausland zu verlagern und auf die Nutzung von Swissness zu verzichten.»
Regazzis Parteikollegin Isabelle Chassot begründete mit Zahlen: Bei «typisch schweizerischen Produkten und bei landwirtschaftlichen Naturprodukten» könnten gemäss Studien der Universitäten in Zürich und St. Gallen um «5 bis 20 Prozent» höhere Preise verlangt werden, «bei Luxusgütern sogar bis zu 50 Prozent». Die Botschaft: Das Schweizerkreuz als Gütesiegel gelte es zu schützen.
Den Markennamen erwähnten die Parlamentarier nicht. Offenbar wollte man es vermeiden, mit On auf Konfrontation zu gehen, einer der grössten Erfolgsfirmen der jüngeren Schweizer Wirtschaftsgeschichte.
Auch der Justizminister Beat Jans nannte den Firmennamen nicht. Dennoch versuchte er, die Regeländerung des IGE zu verteidigen. Er sagte, die Schweiz sei «mehr als ein Produktionsort». «Sie ist ein Forschungs- und Entwicklungsmotor.» Ausserdem sei die «Swissness» letztmals vor fünf Jahren definiert worden. «Seither haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich verändert.» Schliesslich empfahl er den Ständerätinnen und Ständeräten abzuwarten. Der Bundesrat habe eine Analyse in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der neuen Regeln auf das Swissness-Label zu untersuchen. «Der Bundesrat will erst nach dieser Analyse entscheiden, ob und wie Swissness anzupassen ist.»
Darauf wollte der Ständerat nicht warten. Er stimmte mit 32 zu 5 Stimmen für Regazzis Motion.
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