Maßnahme gegen den Auftrieb: Wie Pottwale unter Wasser dösen


Maßnahme gegen den AuftriebWie Pottwale unter Wasser dösen

24.07.2026, 07:19 Uhr

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Wie Säulen stehen Pottwale im Wasser, während sie ruhen. (Foto: Stéphane Granzotto)

Wale sind hervorragend an ihre Umwelt angepasst. Doch bisher ist nicht ganz klar, wie sich die Meeresriesen unter Wasser ausruhen. Ein Forschungsteam findet nun neue Details heraus.

Es ist ein bizarrer Anblick: Pottwale schlummern mit dem Kopf nach oben senkrecht in der Wassersäule stehend. Warum ploppen die Giganten dabei nicht wie Korken an die Oberfläche? Forschende haben eine Antwort darauf gefunden: Offenbar blubbern die dösenden Tiere dafür Gasblasen aus. Wenn Luft aus den Lungen abgelassen wird, verringert sich der Auftrieb.

Warum ruhen die Wale überhaupt auf diese Weise? "Man nimmt an, dass diese Position einen effektiven Schlaf ermöglicht, da sie vor dem Wellengang an der Oberfläche schützt und gleichzeitig den Energieaufwand für das Abtauchen in größere Tiefen vermeidet", erläutert das Team um Noémie Freymond von der Universität in Neuenburg.

Der Kopf eines Pottwals (Physeter macrocephalus) umfasst fast ein Drittel seines Körpers und ist mit Öl, Wachs und Luft gefüllt - alles Materialien, die oben schwimmen. Ohne aktive Bewegung müssten die Tiere deshalb nach oben treiben, wie die Wissenschaftler im "Journal of Experimental Biology" erklären.

Verschiedene Formen von Nickerchen

Bekannt war bereits, dass die Wale auf drei verschiedene Arten dösen können: Sie können den Kopf nach unten neigen und ein Stück tauchen, bevor sich ihre auftriebsstarken Köpfe wieder zur Oberfläche wenden. Sie können mit dem Schwanz voran etwa acht Meter in die Tiefe sinken. Oder sie ruhen sich aus, während sie von Tauchgängen aus über 200 Metern Tiefe aufsteigen.

Die Analyse zeigte nun, das Pottwale, die kopfabwärts tauchten und sich dann in die aufrechte Ruheposition nahe der Oberfläche drehten, mehr Blasen ausstoßen: etwa elf Mal pro Power-Nickerchen. Aus der Tiefe auftauchende Tiere stießen während des Schlummerns nur drei oder vier Mal Blasen aus.

Wasserdruck mindert den Auftrieb

Beim Tieftauchen müssten die Wale zwar viel Luft in der Lunge vorhalten, der Wasserdruck komprimiere sie aber. In 200 Metern Tiefe ist die Luft so stark zusammengedrückt, dass sie kaum noch zum Auftrieb beiträgt. Das bedeute, dass die Tiere weniger Blasen ausstoßen müssen, um nicht nach oben zu treiben, hieß es. Beim Ruhen nahe der Oberfläche müsse über das Ausstoßen von Blasen mehr Luft aus der Lunge abgelassen werden, um den Auftrieb zu mindern.

Die Forschenden um Freymond hatten von 2005 bis 2019 insgesamt 42 Pottwale vor der norwegischen Küste mit Messgeräten ausgestattet, die in der Nähe des Blaslochs mit Saugnäpfen befestigt wurden. Die Geräte zeichneten Geräusche, Druck, Temperatur und Beschleunigung auf. Die Gasblasen wurden anhand der Geräusche, die ihr Freisetzen im Wasser machen, identifiziert. Durch die übrigen Daten konnten die Forscher die Bewegung der Tiere im Wasser nachvollziehen.

Bewusstes oder automatisches Geblubber?

Bei 17 Pottwalen konnten die Wissenschaftler ein Ruhen im Wasser feststellen. Diese zeigten das Verhalten immer wieder, das Schlummern dauerte zwischen 6 und 31 Minuten. Nickerchen beim Auftauchen aus großer Tiefe wurden dabei bei 3 der 17 Pottwale erfasst. Unklar bleibe, ob das Blubbern bewusst oder unbewusst passiere.

Über Simulationen schätzten die Forschenden auch ab, wie viel Luft die Wale vor Tauchgängen einsogen. Vor dem Ruhen waren es demnach meist weniger als 250 Liter, während es für ein Jagdtauchen über 1000 Liter sein konnten. Offenbar passten die Tiere das Gasvolumen je nach Art des Tauchgangs an.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa